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Gottedienste abgesagt: Die Stille Nacht wird in den Kirchen im Siebengebirge still

Gottedienste abgesagt : Die Stille Nacht wird in den Kirchen im Siebengebirge still

Wochenlang war an Alternativkonzepten zum herkömmlichen Gottesdienst gefeilt worden, Messen, Krippenfeiern und Christvespern wurden unter freien Himmel verlegt. Doch angesichts drastisch steigender Infektionszahlen haben sagen die evangelischen Gemeinden ihre Gottesdienste ab.

Weihnachten ohne den gewohnten Gottesdienst – für viele Menschen im Siebengebirge wird das nun Realität. Wochenlang war an Alternativkonzepten zum herkömmlichen Gottesdienst gefeilt worden, Messen, Krippenfeiern und Christvespern wurden unter freien Himmel verlegt. Doch angesichts drastisch steigender Infektionszahlen haben jetzt zumindest die evangelischen Gemeinden übereinstimmend die Reißleine gezogen.

Den Anfang machte die evangelische Kirchengemeinde Oberpleis: Dort hat am Mittwochabend das Presbyterium schweren Herzens beschlossen, mit sofortiger Wirkung bis einschließlich 10. Januar alle geplanten Gottesdienste abzusagen. „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht“, so Pfarrer Arndt Klemp-Kindermann. „Zwar haben wir die Freiheit, Gottesdienste feiern zu dürfen, zugleich aber haben wir auch eine große Verantwortung gegenüber den Gottesdienstbesuchern und unseren Mitarbeitern.“ Nicht jede Freiheit müsse ausgenutzt werden. „In einer Zeit, in der es geboten ist, Kontakte zu reduzieren, halten wir es für schwer vertretbar, eine große Zahl von Menschen zu Gottesdiensten zu versammeln.“ Stattdessen werde noch an Alternativ-Angeboten gearbeitet.

Glockenbeiern und „offene Kirche“

Auch die evangelische Kirchengemeinde Stieldorf-Heisterbacherrott hat alle Präsenzgottesdienste bis zum Ende des Lockdowns abgesagt. „Dieser Verzicht ist bitter, aber im Vergleich zu dem, was viele in diesen Wochen und Monaten durchmachen, weil sie um ihre Angehörigen oder ihre Existenz bangen, ist es ein tragbarer Verzicht“, teilen die beiden Pfarrerinnen Pia Haase-Schlie und Ute Krüger mit. Alternativen stehen bereits fest, von der „offene Kirche“ über Glockenbeiern bis hin zur Krippendarstellung in Lebensgröße.

„Wir sagen alles ab“: Auch in Bad Honnef wird es keine Präsenzgottesdienste der evangelischen Kirchengemeinde geben. „Es war keine einfache Entscheidung“, so Pfarrerin Britta Beuscher. „Da hängt ja auch viel Herzblut dran.“ Aber der Lockdown sei richtig, um Menschenansammlungen zu vermeiden und Infektionsketten zu unterbrechen. „Die Weihnachtsbotschaft ist da und sie bleibt auch die gleiche, unabhängig davon ob wir uns versammeln oder nicht.“ Es sei wichtig, sich dies bewusst zu machen, so Beuscher. Als Alternative bietet die Gemeinde unter anderem einen Krippenweg für Familien an, der per Handy-App durch die Stadt führt, „und der nicht vom Sofa aus begangen werden kann“.

Weihnachtsbrief an alle Haushalte

In der evangelische Kirchengemeinde Oberkassel-Dollendorf finden ebenfalls ab sofort bis zum Ende des Lockdowns keine Präsenzgottesdienste mehr statt. Auch dort gibt es Ersatzangebote. Pfarrerin Anne Kathrin Quaas kündigte zudem an, dass alle Haushalte einen Weihnachtsbrief erhalten werden.

In Ittenbach und in der Königswinterer Altstadt werden die evangelischen Kirchen ebenfalls bis auf Weiteres leer bleiben. Gleiches gilt für Aegidienberg. Pfarrer Stefan Bergner ist froh, dass sich beide Gemeinden sehr frühzeitig Alternativen überlegt haben, die auch wie geplant stattfinden sollen.

Ordnungsamt muss Hygienekonzept zustimmen

Das gilt sowohl für die Ittenbacher „Hirtenweihnacht“ als auch für den „Aegidienberger Weihnachtsweg“, der als ökumenische Veranstaltung gemeinsam mit der katholischen Pfarrgemeinde vorbereitet wurde. „Wir schauen ganz genau auf das Sicherheitskonzept und gehen nochmal alles minutiös durch, halten es aber für verantwortbar, diese Veranstaltungen stattfinden zu lassen.“

Voraussetzung ist allerdings, dass das städtische Ordnungsamt zustimmt. Diese Genehmigung steht noch aus. „Aber eins steht fest: so eine Form der Gemeinschaft von evangelischen und katholischen Christen wie bei der Vorbereitung dieser Veranstaltung habe ich noch nicht erlebt. Und das ist etwas, was bleiben wird.“

Katholische Kirchen bleiben bei ihrem Programm

Die katholische Kirche hält indes weiter an Präsenzgottesdiensten fest. In der Pfarreiengemeinschaft Königswinter am Oelberg sowie im Seelsorgebereich Königswinter-Tal finden die Messen an allen Weihnachtstagen in oder vor den Kirchen wie geplant statt.

„Wir bleiben dabei“, so Kaplan Udo Casel. „Wir dürfen, und wir haben die nötigen Sicherheitsregeln, die strikt eingehalten werden.“ Man merke allerdings, dass die Leute sehr vorsichtig seien. „Es ist nicht so, dass wir mit Anmeldungen überrannt werden.“ Lediglich zwei „Indoor“-Gottesdienst seien bereits ausgebucht, bei den Feiern unter freiem Himmel sind indes noch Teilnahmen möglich. Ausfallen werden allerdings die ökumenischen Kinderkrippenfeiern in der Reithalle des Gut Heiderhof bei Stieldorf, die federführend von der evangelischen Kirchengemeinde vorbereitet wurden.

Vom katholischen Pfarrverband Bad Honnef lagen bis Freitagnachmittag noch keine Inforamtionen vor, ob die Messen an den Weihnachtstagen abgesagt werden oder weiterhin wie geplant stattfinden.

Änderungen der Gottesdienste in Linz

Die evangelische Trinitatis-Kirchengemeinde Linz/Bad Hönningen-Unkel/Rheinbreitbach sagt die Familiengottesdienste unter freiem Himmel um 16 Uhr in Bad Hönningen und in Unkel ab. Stattdessen wird es in der Kirche in Unkel einen Familiengottesdienst geben. Die Teilnehmerzahl ist aber eng begrenzt.

Der Gottesdienst aus Unkel und das Krippenspiel aus Bad Hönningen werden an Heiligabend ab 16 Uhr per Livestream über Zoom im Internet übertragen. Zugangsdaten können in den Gemeindebüros angefordert werden. Der Weihnachtsbesuch an der Krippe „Weihnachten to go“ zwischen 12 und 15.30 Uhr wird nach Rheinbreitbach verlegt. Eine vorherige Anmeldung ist für alle Gottesdienste erforderlich.