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Ausstellung in Unkel: Ein Bruch von Regeln und Formvorstellungen

Ausstellung in Unkel : Ein Bruch von Regeln und Formvorstellungen

Barbara Schwinges zeigt in ihrem Atelier in Scheuren „Sie tanzen in den Wellen, sie tanzen im Wind“. In ihren Werken bricht sie mit geometrischen Regeln und lässt Formen fließen.

An das Guggenheim-Museum in Bilbao des Architekten und Designers Frank Gehry fühlten sich viele Besucher von Barbara Schwinges am Wochenende erinnert. Die Unkeler Künstlerin hatte zur Ausstellung „Sie tanzen in den Wellen, sie tanzen im Wind“ in ihr Atelier nach Scheuren eingeladen.

Diesen Titel hatte sie nicht etwa nur wegen des 1996 in Prag fertiggestellten Gebäudes „Das Tanzende Haus“ des Architekten gewählt, das wegen der beiden aneinanderlehnenden und an ein tanzendes Paar erinnernden Ecktürme „Ginger und Fred“ genannt wird.

Elbphilharmonie als Inspirationsquelle

Inspiriert zum Ausstellungsthema wurde Schwinges vom „110 Meter hohen Gebäude der Hamburger Elbphilharmonie, das über dem ehemaligen Kaispeicher am rechten Ufer der Norderelbe zwischen den Mündungen der Hafenbecken Sandtor- und Grasbrookhafen gebaut worden ist“. Seine moderne Glasfassade erinnere die Künstlerin an Segel, Wasserwellen oder Eisberge, die mit dem Wind und den Wellen tanzen.

Was die Elbe für das Hamburger Konzerthaus, ist für das Guggenheim-Museum der Fluss Nervión, der an der Puente La Salve in die Ria de Bilbao mündet. „Wasser mit seiner eigenen Dynamik kennt keine geometrisch geraden Linien, so wie in der Natur generell kein rechter Winkel existiert. Dies hat Frank Gehry in seine Architektur des Dekonstruktivismus überführt, indem er mit den bekannten Formvorstellungen bricht“, erklärte die Künstlerin. Entsprechend zeichnet sich das einem Oval ähnliche, 1997 fertiggestellte Museumsgebäude durch gebrochene Geometrien, ungleiche Ecken und scheinbar nach außen gekehrte Wände aus. 

Eigene Dynamik in der Formensprache

„Ich arbeite gerne mit Architektur und zeichne entsprechend fast ausschließlich im Schwarz-Weiß-Modus. So erscheint die Farbe Blau nur punktuell als Hinweis auf die Lage der Gebäude an einem Fluss“, verweist Schwinges auf die Dynamik und die sich damit ständig ändernden Formen des Wassers wie etwa in der Arbeit „Der Fluss des Wassers“.

Die Architektur gehe sie wie bei einem Spaziergang an, indem sie sich von den Äußerlichkeiten zu den Räume vor arbeite. Damit beschreitet sie den gleichen Weg wie Gehry, lassen sich die 19 Galerien für zeitgenössische Kunst in Bilbao doch allein schon durch die Formensprache der an eine Skulptur erinnernde Außenhaut des Mu­seums identifizieren.

Was bleibt, sind Erinnerungen

„Unsere Welt scheint vordergründig bestimmt zu sein von starren Regeln und Schemata. Der Wirklichkeit dahinter nähern wir uns im Tanz der Imagination“, hob Schwinges hervor. Dabei verlieren nicht nur die „Verladekräne“ der Basalt AG oder „Fördertürme“ ihre Bedeutung, Sinnbild der Kohle- und Montanindustrie, die die Gesellschaft, deren Vorstellungen und die Politik über viele Jahrzehnte dominiert hat. „Wie das Feuer der Hochöfen, das wir nie gesehen haben, tanzen sie nur noch durch unsere Erinnerung“, so die Künstlerin. Die zeitliche Dimension lässt Teile des Raums und damit auch den umbauten Raum „verschwimmen“. Sie werden, wie das Guggenheim-Museum, von Schwinges zu „Schatten der Erinnerung“, indem sich die Formen in einer an Bildstörungen erinnernden Verzerrung aufzulösen scheinen.

Coronabedingt ist die Galerie zurzeit nicht generell für Besucher geöffnet. Barbara Schwinges bietet indes Interessenten Sonderöffnungen nach Vereinbarung unter ☏ 0 22 24/90 07 22 an.