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Im Garten des „Alten von Rhöndorf“: Ein Friedenssymbol wächst in Adenauers Beet

Im Garten des „Alten von Rhöndorf“ : Ein Friedenssymbol wächst in Adenauers Beet

Im Garten des früheren Bundeskanzlers in Rhöndorf mahnt die Pflanzung eines Ginkgobaums zur Nachahmung. Konrad Adenauer, sein namensgleicher Enkel, erinnert sich, wie es war, dort als Kind aufzuwachsen.

Ein Opa, der ausgelassen im Garten mit seinen Enkeln herumtollt, sei sein Großvater beileibe nicht gewesen, sagt Konrad Adenauer. Denn: Sein Namensgeber und Patenonkel war schließlich auch noch der erste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, erklärt sein namensgleicher Enkel im Gartenpavillon des Hauses Adenauer in Rhöndorf. Aber auch ohne einem zu Schabernack und Streichen aufgelegten Opa sei der sorgsam gepflegte Garten am Zennigsweg ein wahres Paradies gewesen. „Es gab immer viele Erdbeeren, Kirschen en masse und ein Schaf mit kleinen Lämmlein. Auf den haben wir Kinder immer versucht zu reiten“, berichtet der 76-Jährige Adenauer-Enkel und lacht wie ein Schelm. Jetzt ist der Garten des 1967 verstorbenen Spitzenpolitikers um einen Baum mit Geschichte reicher: einem Ginkgo. 

„Bäume und Sträucher waren zuerst dran, als Adenauer im Spätherbst 1937 den Garten seines neuen Hauses in Angriff nahm“, berichtet Corinna Franz, Geschäftsführerin der Stiftung Bundeskanzler-Adenauer-Haus. Neben Beerenobst und Ziersträuchern sollten auch „einige Zierbäume“ gepflanzt werden. Ob schon ein Ginkgo darunter war, ist nicht überliefert. Allerdings befindet sich ein solcher Baum im handschriftlich geführten Gartenbuch, einem ausgedienten Schulheft, in dem Adenauer seine gärtnerischen Planungen und Beobachtungen aus frühen Rhöndorfer Jahren akkurat festhielt. „Vor zehn Jahren haben wir hier einen Ginkgobaum ausmachen müssen, der nicht richtig wachsen wollte“, so Franz. 

Dass nun wieder ein Gingko, der Baum gilt als Symbol für Frieden, Hoffnung, Freundschaft, Partnerschaft, das Leben und – nicht zuletzt zur Abschaffung von Atomwaffen, in einem der terrassierten Beete wachsen soll, ist das Werk von Brigitte Winterstein-Drilling. Die Kölnerin hat es sich zur Aufgabe gemacht, Bäume zu stiften, die „an besonderen Orten, an besonderen Daten, mit besonderen Menschen gepflanzt werden“, wie sie sagt. Der „Adenauer-Gingko“ sei der zehnte Baum in vier Ländern.

„Sicherlich werde ich mit diesen bisher gepflanzten Bäumen das Weltklima nicht retten, aber jedes Projekt solcher Art schafft mehr Bewusstsein für die Natur“, sagt Winterstein-Drilling. „Viele kleine Projekte können Großes bewirken.“ Mit Adenauer verbinde sie ein prägender Leitgedanke: „Meine große Verbundenheit mit Adenauer ist, die Schöpfung zu bewahren und sie nicht täglich zu reduzieren. Seit 40 Jahren lebt und arbeitet die gebürtige Sauerländerin in der Domstadt und verfolgt seit seit 2015 das sehr persönliche Projekt, ausgesuchte Bäume zu pflanzen (siehe Kasten).

„Der Platz ist gut gewählt“, sagt die Kölnerin mit dem grünen Daumen als Guido Jacobs, Gärtner am Haus Adenauer, den Setzling in die Erde bringt. „Da ist schon organischer Dünger drin. Wir wollen ja nichts riskieren“, berichtet Jacobs, der seit 2002 der Hüter von Konrad Adenauers botanischem Vermächtnis ist.

Schon der vor bald 54 Jahren verstorbene Besitzer des Gartens hat hier nichts dem Zufall überlassen: „Adenauer hat den Garten intensiv selbst gestaltet“, berichtet Corinna Franz. „Uns liegen die entsprechenden Bestelllisten vor.“ Und: „Er hat auch immer wieder mal durchgegriffen und Sträucher und Bäume ordentlich gerodet“, weiß Franz. Insbesondere Blau und Gelb seien die vorherrschenden Farbtöne in des Bundeskanzlers Ruherefugium gewesen. „Wir können das auf Fotos sehen.“ Was die Besucher in Rhöndorf heute zu sehen bekommen, ist „die moderne Interpretation des historischen Gartens“. 

Der Kanzlerenkel Konrad Adenauer kann sich noch lebhaft an die Zeit erinnern, da der Garten auch dem Anbau von Lebensmitteln diente: „Viel Obst hat der Garten hervorgebracht, welches selbstverständlich in großen Mengen eingemacht wurde“, berichtet Adenauer, der 1945 in Bad Honnef geboren wurde und seine ersten drei Lebensjahre in dem Haus am Zennigsweg verbrachte. Der CDU-Politiker sei im Umgang eher distanziert und förmlich gewesen. „Er war als Großvater zurückhaltend und hatte ein großes Ruhebedürfnis.“ Seine Schwester und er hätten ihn kaum anders zu Gesicht bekommen als in Anzug und Krawatte. Der eigene Anbau sei besonders nach dem Krieg nützlich gewesen, weil somit immer etwas zur Verfügung stand, was sich tauschen ließ – oder wie der Rheinländer es ausdrückt, etwas zu „maggeln“ da war.