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Vor der Kulisse der Heisterbacher Klosterruine: Fanfaren erschallen zum Auftakt der Kachelsteiner Kulturtage

Vor der Kulisse der Heisterbacher Klosterruine : Fanfaren erschallen zum Auftakt der Kachelsteiner Kulturtage

Zum Auftakt erschallen Fanfarenklänge - Das Konzert unter Leitung von Tobias van de Locht bildet fulminaten Beginn der Kachelsteiner Kulturtage.

Beim Eröffnungskonzert der Kachelsteiner Kulturtage 2021 vor der malerischen Kulisse der Heisterbacher Chorruine ließ Dirigent Tobias van de Locht mit „Kingston“ und „A Richmond Fanfare“ von Sir Malcolm Arnold Stücke mit Signalwirkung spielen. „Endlich wieder Kunst, Kultur und Konzerte“, sagte eine coronamüde Besucherin voller Vorfreude.

Mit Tobias van de Locht erlebten treue „Kachelsteiner“ einen Dirigenten, den Kulturtage-Impresario Michael Agi schon häufig für das Auftaktkonzert gewinnen konnte. Der gebürtige Duisburger, der Chefdirigent verschiedener Orchester und Ensembles ist und als Gastdirigent renommierter Orchester europaweit agiert, hatte mehr als 30 Akteure aus der Sinfonia Köln, dem Remscheider Bläserensemble und dem Bläserensemble Septomania Brass auf historischem Platz um sich versammelt.

Das so lange vermisste Konzertgefühl

Nach dem lange vermissten Konzertgefühl erlebte das Publikum dann auch gleich noch eine Uraufführung – die professionellen Musiker spielten einen Choral mit Variationen, den der Dirigent selbst komponiert hatte. Dafür gab es Sonderapplaus. Klänge aus dem „Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach“, deutsche Tänze von Mozart und ein Scherzo von Butterworth erfreuten das Publikum ebenfalls noch vor der Pause.

Danach gab es eine besondere Überraschung für die Zuhörer. Zur Musik kam noch das gesprochene Wort. Van de Locht ist großer Fan der Werke von William Shakes-
peare und komponierte auch die Musik für die Fernseh-Dokumentation „Das Geheimnis der Schauspielkunst“. Für Shakespeares Tragödie „Hamlet“ schuf van de Locht 2012 die Schauspielmusik, die bereits siebenmal inszeniert wurde. In Heisterbach gab es eine Kurzfassung mit dem Düsseldorfer Schauspieler Marc-Oliver Teschke. Kongenial agierten Mime und Musiker – einfühlsam die Musik, wortmächtig der Darsteller, der gerade auch in dieser gewaltigen Kulisse besonders wirkte mit seinen Monologen und den berühmten Zitaten „Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage“ und „Der Rest ist Schweigen“, die längst zu geläufigen Redewendungen geworden sind. Die Zuschauer waren begeistert.

Tobias van de Locht war Assistent und Freund des renommierten britischen Komponisten Sir Malcolm Arnold, der ihm auch besondere Förderung zuteil werden ließ. So arrangierte der junge Deutsche bei einem Sommer-Aufenthalt im Landhaus des Meisters in Norwich dessen Klavierstück „Der Freibeuter“ für Orchester, was damals bei Arnold ausgesprochen gut ankam und nun ebenso bei den Zuhörern in Heisterbach.

Van de Locht ist der einzige Dirigent, der alle neun Sinfonien des Meisters als Zyklus aufführte. Und nun erklangen in Heisterbach nach dem brillanten Fanfaren-Auftakt auch im zweiten Konzertteil weitere festliche Fanfaren und Märsche aus der Feder von Malcolm Arnold, der einst durch seine Zusammenarbeit mit der grandiosen Rockband Deep Purple sich auch weit über die Klassikszene hinaus einen Namen machte.

So glänzten Isabel van Thiel und Georg Frericks bei der Aufführung der Fantasien für Horn und Tuba, bei der wirklich kitzlige Passagen in Höhen und Tiefen zu bestehen waren, die, so Tobias van de Locht, schon manchem Bläser arg zusetzten. Für diese Leistung wurden beide Künstler mit Bravo-Rufen belohnt. Berühmt wurde Malcolm Arnold, der vor genau 100 Jahren in Northampton geboren wurde, besonders durch seine Soundtracks zu 132 Filmen, darunter auch der berühmte Streifen „Die Brücke am Kwai“. Auch dieser Marsch setzte einen eindrucksvollen Akzent dieses musikalischen Auftakts der Kachelsteiner Kulturtage 2021, die im vergangenen Jahr coronabedingt ausfallen mussten.