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Forscher zeigen Weinbau, wie er früher im Siebengebirge war

Schaufläche am Petersberg in Köningswinter : Forscher zeigen Weinbau, wie er früher im Siebengebirge war

Am Osthang des Petersbergs ist eine Schaufläche der Biologischen Station geplant. NRW-Stiftung sagt Unterstützung für Forschungsprojekt mit 60 000 Euro zu.

Die Hänge des Siebengebirges gelten als privilegiert in Sachen Weinbau: Da sie samt und sonders auf der rechten Rheinseite zu finden sind, bekommen die Reben, die in besonders mineralischen Böden gedeihen, besonders viel Sonne ab. Aber: Die Winzer bauen nicht bloß Wein an, sie erschaffen mit ihrem Wirken auch eine einzigartige Kulturlandschaft. Dass die früher noch ganz anders aussah, ist jetzt Thema eines Forschungsprojekts der Biologischen Station im Rhein-Sieg-Kreis. Für diesen Blick ins historische Winzerhandwerk bekommt der Verein eine Förderung in Höhe von 60 000 Euro von der NRW-Stiftung. Das beschloss jetzt der Stiftungsvorstand unter dem Vorsitz von Eckhard Uhlenberg, früherer NRW-Umweltminister.

Die Studien befassen sich insbesondere mit der Ramholzwirtschaft im Siebengebirge. Als Ramholz oder Ramen (vom lateinischen Wort ramus = Ast) gelten Pfähle zum Anbinden der Rebstöcke in den Weinbergen. Noch bis ins 20. Jahrhundert hinein waren diese Hölzer zur Erstellung von Weinbergpfählen sehr gefragt. Heute sind die Reben landauf landab zumeist an langen Drahtrahmen angebunden

Mit dem Forschungsprojekt möchte die Biologische Station die Begleiterscheinungen des historischen Weinanbaus hinsichtlich der landschaftsprägenden Aspekte, der sozialhistorischen und wirtschaftlichen Zusammenhänge und der ökologischen Auswirkungen näher untersuchen, dokumentieren und publizieren. Die Ergebnisse sollen zusätzlich in einer Sonderausstellung im Siebengebirgsmuseum präsentiert werden. An einem abgestorbenen Fichtenforst am Osthang des Petersberges ist zudem der Bau einer Ramholz-Demonstrationsfläche zu Anschauungszwecken geplant. Ein Themenwanderweg samt App soll die Informationsvermittlung ergänzen.

Ramholz entsteht auf einfache Weise: Nur recht regenerationsfähige Baumarten wie die Hain- und Rotbuchen, Eichen oder Weiden lassen sich verwenden. Sie werden nicht zu Totholz, wenn sie den Stamm bis kurz über dem Boden abgesägt bekommen. Als natürliche Reaktion darauf treiben sie nämlich seitlich an der Schnittkante des Baumstumpfs neu aus und bilden die sogenannten Seitensprossen. Zu langen geraden Stämmen wachsen diese neuen Triebe dann geradewegs gen Himmel. So entstanden vielerorts in der Region Niederwälder zur Ramholzbeschaffung – zum Teil bereits im Mittelalter. Ortsnamen wie Ramersdorf, Ramershoven oder Niederholtorf zeugen von dieser Art der Waldbewirtschaftung.

Niederwälder sind heute

nur noch selten zu finden

So besonders macht das Forschungsprojekt im Siebengebirge der Umstand, dass Niederwälder heutzutage in der Region und in ganz Mitteleuropa nur noch selten zu finden sind. Zu erkennen sind sie daran, dass die Bäume deutlich kleiner und dünner als die Bäume im normalen Wirtschaftswald sind. Oft stehen die Stämme für Ramholz in Gruppen zusammen. Somit ist auf den ersten Blick erkennbar, dass Niederwälder keine natürliche Entwicklung durchlaufen haben, sondern durch menschliche Bewirtschaftung entstanden sind.

Sind die Äste nach dem Radikalschnitt der Buchen, Weiden oder Eichen ausgetrieben, können sie „geerntet“ werden, sobald sie etwa sieben Zentimetern im Durchmesser sind. Für die Ernte der künftigen Rebpfähle verwendeten die Waldbewirtschafter ein Haumesser, die Hippe. Wegen des ständig frischen Austriebs bildeten die Bäume massive Stammköpfe – wovon sich der Name „Kopfbuche“ ableitet.