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Franziska Föhmer, Leiterin der Drachenfelsschule Königswinter, geht in den Ruhestand.

Im Gespräch mit Schulleiterin Franziska Föhmer : „Die Förderschule ist als Angebot einfach wichtig“

Nach 18 Jahren scheidet die Schulleiterin der Königswinterer Drachenfelsschule, Franziska Föhmer, aus. Seit fünf Jahren steht sie zugleich der Verbundschule mit Bornheim vor. Mit Föhmer verabschiedet sich eine große Fürsprecherin der Förderschulen im Rhein-Sieg-Kreis sukzessive in den Ruhestand.

In ihrem Büro stapeln sich die Stapel und Kisten, so dass es gar nicht so einfach ist, ein freies Plätzchen zu finden. Nach 18 Jahren als Leiterin der Drachenfelsschule in Niederdollendorf, Förderschule für Lernen und Sprache, wird Franziska Föhmer am Montag in Haus Bachem durch Bürgermeister Peter Wirtz verabschiedet. Mit der Sonderpägagogin mit Doktortitel in Philosophie, die seit 2015 zusätzlich Leiterin der gemeinsamen Verbundschule mit Bornheim ist, sprach Hansjürgen Melzer.

Wie sehen Ihre letzten Arbeitstage an der Drachenfelsschule aus?

Franziska Föhmer: Viel Aufräumen, viel Sortieren, viele Ordner entsorgen. Was sich so nach 18 Jahren alles angesammelt hat. Ansonsten haben wir die Zehntklässler letzte Woche schon verabschiedet. Jetzt muss ich noch Zeugnisse lesen und die restlichen Sachen machen, die man auch sonst zum Ende des Schuljahres macht. Ich verdränge ja den Gedanken, dass ich dann hinterher nicht mehr da bin. Ich hätte mir natürlich die letzten Wochen anders gewünscht. Das letzte halbe Jahr war schon sehr beeinträchtigt durch die Corona-Pandemie.

Uns Sie müssen ja sogar zwei Schreibtische aufräumen?

Föhmer: Nein. In Bornheim bleibe ich noch bis zum 31. Januar 2021. Ich habe im Februar einen Antrag auf Dienstzeitverlängerung gestellt. Es muss dienstliche Gründe geben, damit das genehmigt wird. Da die beiden Schulen ja nach den Sommerferien wieder getrennt werden und es in Bornheim niemanden in der Schulleitung gibt außer mir, dort aber noch viele Dinge anstehen, die wir wegen Corona nach hinten schieben mussten, ist der Antrag noch einmal für ein halbes Jahr genehmigt worden.

Wie haben Sie die Jahre seit 2015 als Leiterin der Verbundschule erlebt?

Föhmer: Die fünf Jahre waren schon ziemlich anstrengend. Durch das Hin- und Herfahren kenne ich jeden Meter der Rheinbrücke in- und auswendig. Aber ich hatte sehr viel Unterstützung. Ich habe in Niederdollendorf ein ganz, ganz tolles Kollegium, das unglaublich gut miteinander arbeitet.

Die Kooperation ist ja aus der Not geboren, weil beide Schulen wegen der Inklusion die Mindestgröße von 144 Schülern nicht mehr erreichten. Wie haben sich die Zahlen entwickelt?

Föhmer: Wir hatten hier nur noch 79 Schüler und in Bornheim 80. Jetzt haben wir in Niederdollendorf zum neuen Schuljahr 127 Kinder. Das sind etwa so viele wie vor der Inklusion. Allein in Bornheim sind es jetzt 172 Kinder, was damit zusammenhängt, dass in vielen umliegenden Kommunen Schulen geschlossen wurden.

Bleibt es bei der Trennung nach den Sommerferien?

Föhmer: Beide Schulen sind wahrscheinlich ab dem 1. August 2020 wieder selbstständig. Ich habe allerdings noch keine schriftliche Mitteilung erhalten.

Sie sind stets eine energische Fürsprecherin der Förderschulen gewesen und haben diese verteidigt, als die Schullandschaft immer inklusiver wurde. Warum?

Föhmer: Sie ist einfach als Angebot wichtig. Und die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass viele Eltern dieses Angebot wieder annehmen wollen. Die Bedingungen an einer Förderschule können für viele, aber nicht für alle Kinder zum Lernerfolg beitragen. Es ist einfach ein überschaubareres System. Das Kollegium besteht ausschließlich aus Sonderpädagogen. Ein ganz großer Vorteil ist, dass wir relativ überschaubare Klassengrößen haben. Außerdem fahren wir ein fast reines Klassenlehrersystem. Für viele unserer Kinder ist diese Beziehungsebene extrem wichtig. Das macht die Förderschule aus, dass wir einen großen Beitrag dazu leisten können, die Kinder auch emotional aufzufangen. In der Corona-Zeit haben zum Beispiel unheimlich viele Kinder gefragt, wann sie wieder in die Schule kommen können.

Warum ist das für die Kinder so wichtig?

Föhmer: Viele der Kinder haben Schule als einen Ort der Frustration erlebt. Und Misserfolg trägt nicht unbedingt dazu bei, dass man eine Tätigkeit gerne macht. Ich sage den Kollegen immer: Male mal ein Pferd. Nach spätestens zehn Versuchen haben sie in der Regel keine Lust mehr.

Worauf freuen Sie sich als Pensionärin besonders?

Föhmer: Ich freue mich sehr darauf, mehr Zeit für meine acht Enkelkinder zu haben. Und die Enkelkinder, vor allem aber auch meine Kinder, freuen sich darauf, dass die Oma ein bisschen verfügbarer ist. Ich lebe außerdem seit vielen Jahren in einer Fernbeziehung und mein Lebensgefährte lebt in Wien. Ich kann dann endlich auch mal mehr Zeit in Wien verbringen. Ich kümmere mich auch zusammen mit meiner Schwester um meine 90-jährige Mutter. Und ich werde irgendwie auch in Zukunft noch etwas mit Kindern machen, vielleicht im Bereich Kunst.

Warum gerade Kunst?

Föhmer: Ich habe Kunst als Unterrichtsfach studiert. Und wir hatten ja als Schule immer eine Kooperation mit der Bundeskunsthalle. So was würde ich gerne weiter machen. Ob ich vielleicht ein paar Stunden Kunst in der Schule gebe, wird sich zeigen.

Fällt Ihnen der Abschied leicht?

Föhmer: Nein, ich gehe mit viel Wehmut. Es macht schon was mit mir. Ich habe es immer als großes persönliches Glück erlebt, dass ich etwas machen konnte, an dem ich sehr hänge, mit dem ich mich total verbunden fühle. Ich wollte schon immer mit Kindern arbeiten.

Ihr Vater Hans Föhmer war viele Jahre Disponent beim General-Anzeiger und beschrieb dort in der Rubrik „Föhmer’s Reisen“ seine Reiseerlebnisse aus aller Welt. Haben Sie sein Reise-Gen nicht geerbt?

Föhmer: Mein Vater ist leider im vergangenen Jahr im Alter von 94 Jahren gestorben. Seine Artikel für den General-Anzeiger musste ich immer redigieren und mit der Schreibmaschine schreiben. Ich reise selbst auch gerne, aber bisher habe ich leider noch nicht die Zeit dafür gehabt. Ich habe auf jeden Fall ein großes Faible für Südafrika. Und ich werde in Zukunft sicher auch reisen, aber nicht so viel wie mein Vater früher. Das hat er noch ohne Handy und ohne Englischkenntnisse getan. Das muss ihm erst mal einer nachmachen.