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Jägerschaft Hegering Siebengebirge will Rehkitze mit Drohnen retten

Erster Einsatz 2022 : Jägerschaft Hegering Siebengebirge will Rehkitze mit Drohnen retten

Jägerin Susanne Wellmann aus Bad Honnef ist neue Leiterin des Hegerings Siebengebirge. Ein großes Thema ist für sie die Kitzrettung mit Drohnen. 2022 sollen die Geräte erstmals zum Einsatz kommen.

Als Kind war „Horst im Försterhaus“ ihre Lieblingslektüre – ein Jugendbuch, in dem es um einen Jungen geht, der den Wald und seine Tiere erlebt. Heutzutage erlebt Susanne Wellmann den Wald und seine Bewohner selbst hautnah, und das fast täglich. Die passionierte Jägerin aus Bad Honnef wurde jüngst zur neuen Leiterin des Hegerings Siebengebirge gewählt. Mit Anna Maria Müller als stellvertretende Hegering-Leiterin stehen erstmals gleich zwei Frauen an der Spitze der Jägerschaft.

Mit dieser Wahl manifestiert sich im Hegeringvorstand ein Trend, der in der Mitgliederstatistik wie auch bundesweit festzustellen ist: Mittlerweile sind 20 Prozent aller Jägerinnen und Jäger im Siebengebirge weiblich, und bei den unter 30-Jährigen sind es bereits 40 Prozent. Dass sich die Jagdausübung dadurch grundlegend verändert, glaubt Wellmann nicht: „Allerdings stehen meines Erachtens bei Jägerinnen eher die hegerischen Aufgaben im Vordergrund.“ Auch spiele die Gewinnung von Fleisch eine größere Rolle als die Trophäenjagd.

Jagdschein seit 2006

„Ein Tier zu töten, ist für mich, die Tiere sehr, sehr liebt, nie leicht“, sagt die Jägerin. Was ihres Erachtens aber ohnehin immer so sein sollte, „denn das verhindert, dass man wahllos oder aus reiner Lust auf ein Tier schießt“. Ohnehin sei der Abschuss mit Abstand der geringste Teil der Jagd.

Wellmann ist auf dem Land aufgewachsen. „Ich hatte immer Nähe zur Natur und zu Tieren“, sagt sie. Über den Reitsport ist sie schließlich zur Jagdhornbläserei und dann auch zur Jagd gekommen. Ihren Jagdschein hat die Rechtsanwältin 2006 bei der Kreisjägerschaft Borken gemacht.

Kitzrettung im Fokus

Ein großes Thema ist für sie die Kitzrettung. „Da mittlerweile sogar dreimal im Jahr gemäht wird, wird das immer wichtiger.“ Um die Landwirte vor der Mahd bei der Suche nach den Kitzen zu unterstützen, hat der Hegering mit Förderung der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung zwei Drohnen angeschafft. Im kommenden Frühjahr sollen sie erstmals zum Einsatz kommen.

 Die alte und die neue Hegering-Spitze (von links): Heinz Jüngst, Thomas Klingmüller, Anna Müller, Thomas Tillmann, die neue Leiterin Susanne Wellmann und Susanne Dicke.
Die alte und die neue Hegering-Spitze (von links): Heinz Jüngst, Thomas Klingmüller, Anna Müller, Thomas Tillmann, die neue Leiterin Susanne Wellmann und Susanne Dicke. Foto: Bernd Zimmermann

Bislang werden die Wiesen, bevor der Traktor anrollt, systematisch zu Fuß durchkämmt. Fünf Kitze wurden auf diese Weise im Revier gerettet. Wellmann geht davon aus, dass es sogar noch viel mehr waren, da das eine oder andere Jungtier angesichts der anrückenden Menschen vorab das Weite sucht. „An der Kuhle im Gras sieht man, wo es gelegen hat.“ Die Zusammenarbeit mit den Landwirten sei sehr gut, betont Wellmann. Oftmals würden sich auch Privatpersonen an der Kitzrettung beteiligen.

Kaum noch Wildschweine im Revier

Glücklicherweise noch nicht im Siebengebirge angekommen ist die Afrikanische Schweinepest. „Das wäre eine furchtbare Katastrophe“, so Wellmann. Die Jägerschaft hat daher ein besonders wachsames Auge auf den Bestand an Wildschweinen. „Wichtig ist es, den Bestand zahlenmäßig so zu halten, dass sich die Krankheit im Fall der Fälle nicht zu stark und zu schnell vermehrten kann.“

Wildschweine „live“ zu beobachten, ist im Siebengebirge allerdings zurzeit auch für Jäger nicht einfach. „Im Revier sind kaum noch Sauen zu sehen“, berichtet die Hegering-Leiterin. Dies sei „extrem auffällig“. Ob das womöglich an der Rückkehr des Wolfs oder an anderen Ursachen liegt, kann Wellmann nicht beantworten.

Stress für die Tiere

Eine zunehmende Gefahr für das Wild im Siebengebirge stellen indes Spaziergänger und Radfahrer dar, die fernab der Wege unterwegs sind. Die Wildtiere seien im Siebengebirge immens unter Druck, „es ist ja eigentlich immer Betrieb auf den Wegen“. Und wer quer durch den Wald fahre oder laufe, nehme den Tieren den letzten Rückzugsort. Für Rehe, Hasen, Wildschweine und andere Tiere bedeutet das Stress pur.

Wellmann erlebt eine zunehmende Ignoranz und fehlende Einsicht bei den Menschen, die sie auf ihr Fehlverhalten aufmerksam macht. „Was man da manchmal an Antworten bekommt, ist sehr unerfreulich.“ Hinzu kommt, dass rund 90 Prozent der Hunde nicht an der Leine geführt werden. Jahr für Jahr kostet das rund 30 bis 40 Rehen das Leben, „was sehr traurig und absolut vermeidbar ist“.