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Jahrbuch Rhein-Sieg-Kreis: Der Weinbau im Siebengebirge

Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises : Die Geschichte des Weinbaus im Siebengebirge

Gefährliches Wasser, allgegenwärtiger Wein: Das Jahrbuch des Kreises widmet sich der Kulinarik – und die Leiterin des Siebengebirges in Königswinter, Sigrid Lange, sich darin dem flüssigen Kulturgut.

Vor den Hängen des Drachenfels schunkelt Heinz Rühmann, singt „Freut euch des Lebens“ und stellt im Film „Das Sonntagskind“ als Schneider Wibbel auch musikalisch die Frage, warum es am Rhein so schön ist.

Die Antwort hat unter anderem mit dem Trinken zu tun, und die Tatsache, dass das Siebengebirge als Kulisse für die Komödie diente, mit dem ehemaligen Weingut Rüdenet. Dessen Flächen unterhalb von Schloss Drachenburg werden indes seit 1964 nicht mehr bewirtschaftet.

Heinz Rühmann schunkelt vor der Siebengebirgs-Kulisse

Das und noch mehr über das Weingut Rüdenet und die noch bestehenden Weingüter, die Weinlagen im Siebengebirge, die Landschaft und ihre Traditionen greift Sigrid Lange in ihrem Beitrag zum neuen Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises auf. „Kulinarik“ ist diesmal das übergeordnete Thema des Werks, für das sich die Leiterin des Siebengebirgsmuseums mit dem „Weinbau im Siebengebirge“ befasst hat.

Früher hat sie sich bereits dem Weinbau in Bonn gewidmet. Jetzt hat sie Historisches zum Weinbau im Siebengebirge aufgetan und spannt den Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart. Ihr Text wird ergänzt um viele Abbildungen, teils aus dem nicht ausgestellten Bestand des Siebengebirgsmuseums, um Kupferstiche aus dem 16. und 17. Jahrhundert, um ein Ölgemälde aus dem 19. Jahrhundert, um Fotografien, Dokumente und Ansichtskarten wie die von Haus Rüdenet aus dem 20. Jahrhundert.

Wein war Alltagsgetränk

Was sie zeigen? Wie sich der Weinbau im Siebengebirge verändert hat. Gleiches gilt für den Weingenuss. „Wein war Alltagsgetränk, solange es noch nicht überall sauberes Trinkwasser gab und bevor unter anderem Bier gebraut und populärer wurde“, sagt Lange.

Deshalb gab es auch nicht nur große Weingüter am Rhein, sondern daneben auch Rebhänge in den Seitentälern und kleine Parzellen und einzelne Weinstöcke in den Orten, deren Trauben – damals übrigens vornehmlich rot statt weiß – dem privaten Verbrauch dienten.

„Und obwohl der Wein damals mit heutigen Qualitäten nicht zu vergleichen ist, war er einst wichtigster Erwerbszeig“, stellt Lange fest, aber auch: „Die Anfänge des Weinbaus im Siebengebirge sind schwer zu fassen, da archäologische Funde aus römischer Zeit spärlich sind.“

Dennoch erfährt der Leser unter anderem, was die Grenzsteine von Kloster Heisterbach über den Weinbau aussagen, welch gewichtige Rolle auch Gut Sülz spielte, warum der Weinbau woanders im 17. und Mitte des 19. Jahrhunderts stark zurückging, aber in Teilen des Siebengebirges weiterhin wichtiger Wirtschaftsfaktor blieb und dass die „Großlage Petersberg“ bis heute wohl viel weiter reicht als mancher ahnt.

Bedeutung lässt sich am Alltag der Menschen ablesen

Die Bedeutung des Weinbaus im Siebengebirge für den Alltag der Menschen lässt sich an zahlreichen Denkmälern ablesen, wie Lange anmerkt: am Weinbrunnen auf dem Königswinterer Marktplatz, am Lehrweinberg in Rhöndorf, an historischen Keltern und Pressen an verschiedenen Orten, an privat und bürgerschaftlich bewirtschafteten Weinbergen. Langes Ausführungen reichen von den Römern bis zur Wingert-Guerilla 2013 und geben auch einen Ausblick auf aktuelle Planungen und Entwicklungen.

Nicht nur Wein gehört indes zur Kulinarik im Siebengebirge. Die diversen Autoren des Jahrbuchs unterhalten außerdem mit Beiträgen zu Brennereien in der Region und zum Trendgetränk Gin oder zur Sieg-Rheinischen Germania Brauerei AG Hersel/Wissen, zu Zuckerrübensaft und Milchmarketing und zu Antworten auf die Frage, warum sich der Spargel in Bornheim wohlfühlt.

Bei der Beleuchtung des kulinarischen Spektrums im Siebengebirge fehlen nicht die süßen Genüsse zu Zeiten der Bonner Republik sowie Hungerjahre im 19. Jahrhundert, Drachenblut und Höllenwein, Kartoffel-„Star“ Sieglinde, Ölligsbirnen und Plüschprummen sowie regionale Gerichte.