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Karneval mit Abstand im Siebengebirge: Jecke Weiber feiern diesmal am Bildschirm

Karneval mit Abstand im Siebengebirge : Jecke Weiber feiern diesmal am Bildschirm

Mögen die Feierlichkeiten an Weiberfastnacht auch pandemiebedingt ausfallen, närrische Freude verbreiten die Möhnen im Siebengebirge auch so.

„Et kütt wie et kütt, da machste nix.“ Manuela Rinschede versucht, es mit rheinischer Gelassenheit zu nehmen, doch tief drinnen „da blutet das Herz.“ Kein Wunder, schließlich wäre am Donnerstag „ihr“ Tag gewesen – ihrer, und der aller anderen jecken Weiber.

Und den hatte sich die amtierende Dollendorfer Karnevalsprinzessin ganz anders vorgestellt, als zu Hause im Homeoffice. Doch auch wenn coronabedingt alle Karnevalsveranstaltungen abgesagt sind – so ganz wollen sich die Frauen ihre Weiberfastnacht nicht nehmen lassen. Das Prinzesssinnenkleid bleibt zwar am Donnerstag im Schrank, aber zumindest das „kleine Ornat“ muss sein: „Gearbeitet wird mit Narrenkäppi“, verrät Rinschede.

Das Zepter liegt ebenfalls griffbereit auf dem Schreibtisch. Um 13 Uhr ist Feierabend, dann will Manuela I. gemeinsam mit einer Freundin zumindest ein bisschen feiern. „Vielleicht schauen wir uns online eine Sitzung an.“ Sie findet es toll, dass sich so viele Vereine bemühen, den Karneval virtuell in die Wohnzimmer zu bringen – auch wenn es den „echten“ Fastelovend nicht ersetzten kann. Immerhin hat sie aber ein Schmölzje, das sie jeden Tag mit kleinen Überraschungspräsenten verwöhnt. „Damit machen sie mir eine Riesen-Freunde“, so Rinschede.

Auch bei Helga Frank, Präsidentin des Bockerother Damenkomitees „Mir senn do“, ist an Weiberfastnacht arbeiten statt ausgehen angesagt. „Abends wird aber gemeinsam mit den anderen Mädels per Zoom gefeiert“. Natürlich gibt es dazu ein Gläschen Sekt, wie Frank augenzwinkernd verrät. Zugeprostet hat sich die jecke Damenriege in den vergangenen Tagen und Wochen ohnehin regelmäßig virtuell. „Wir haben uns Verzällcher erzählt und hatten Spaß.“ Und an dem wollen die Bockerotherinnen alle anderen Wiever teilhaben lassen: Die „Mir senn do“-Damen haben die schönsten Verzällcher per Video-Konferenz zusammengetragen und veröffentlichen diesen Mitschnitt am Donnerstag auf ihrer Facebook- und Instagramseite – zum Mitlachen und Fröhlichsein.

Rebecca Gitzel-Delrue indes ist gar nicht zum Fröhlichsein zumute. „Wir sind alle sehr traurig“, berichtet die Präsidentin des Damenkomitees „Amazonen drink us“ aus Eudenbach. So manches Tränchen haben die Amazonen schon verdrückt, da dieses Jahr alles ins Wasser fällt. Wie gut, dass man sich immerhin gegenseitig trösten kann: „Unsere Whatsapp-Gruppe läuft zurzeit heißt“. Abgesehen von einem karnevalistischen Frühstück ist für die Ober-Amazone der eigentliche Festtag ein ganz normaler Arbeitstag. Zumal so ohne Publikum bei ihr ohnehin keine rechte Fastelovendstimmung aufkommen mag.

Melanie Hellenbrandt erlebt eine Premiere: „Es ist tatsächlich das erste Mal seit Beginn meines Berufslebens, dass ich an Weiberfastnacht arbeite.“ Den Nachmittag wird die Präsidentin des Damenelferrats der Großen Selhofer KG „ganz unspektakulär“ zu Hause verbringen und dort gemeinsam mit Mann und Sohn „ein bisschen ausflippen.“ Für Stimmung sorgt die selbstgebastelte Deko und die Karnevalsmusik, „die bei uns rund um die Uhr läuft“. Hellenbrandt ist froh, dass es so viele Musikdienste gibt, die ein jeckes Programm anbieten. „Das haben wir uns fürs Wochenende vorgenommen – anstatt der Karnevalszüge.“ So ganz ohne Karneval geht es nun mal nicht. Und etwas Positives kann sie dem „Fastelovend at home“ sogar abgewinnen: „Immerhin muss man bei der Kälte nicht draußen frieren.“