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Volkslauf Petit Medoc: 1100 Läufer erobern die Dollendorfer Weinberge

Volkslauf Petit Medoc : 1100 Läufer erobern die Dollendorfer Weinberge

Musik, Wein, leckeres Essen und dazwischen lockeres Laufen durch die Weinberge: 1100 kostümierte Läufer gingen beim Petit Medoc durch die Weinberge in Oberdollendorf an den Start. Unter ihnen GA-Mitarbeiter Matthias Beckonert.

Der Countdown läuft. Schnell prüfe ich noch mal, ob meine Laufschuhe fest gebunden sind, meine Startnummer hält, meine Mütze sitzt. „Dix, neuf, huit...“ zählen neben mir Römer, Matrosen, ein Tross Weintrauben und allerlei Zootiere mit.

Der Petit Médoc muss ein eigenartiges Bild für Menschen abgeben, die die Mischung aus Laufwettbewerb, Karneval, Weinverkostung und Livemusik nicht kennen. Sein Vorbild hat der Volkslauf im „Marathon du Médoc“, der über 42 Kilometer durch die Weinberge bei Bordeaux führt.

In Oberdollendorf geht der Hauptlauf zum Glück nur über elf Kilometer, lokalen Wein gibt es an den Verpflegungsständen aber ebenso wie kostümierte Läufer auf der Strecke. Über das Mühlental führt der Weg hinauf auf die Dollendorfer Hardt und durch die Weinberge wieder herunter zum Start. 3,65 Kilometer umfasst so eine Runde, drei Runden sind beim Hauptlauf vorgesehen. So weit die Theorie.

Mit rund 650 anderen Läufern stehe ich also kostümiert in Oberdollendorf und warte darauf, dass uns Moderator Hermann Ulrich von der SSG Königswinter mit einem „Allez!“ auf die Strecke schickt. Beim Startkommando steht meine Handyuhr auf Punkt 14 Uhr, eine kleine 29 daneben zeigt die Temperatur an – im Schatten. Bei leichter Steigerung kommen wir Läufer dem ersten Etappenziel näher. Das befindet sich rund 500 Meter hinter der Startlinie, lockt mit Schatten – und mit Wasser und Wein.

Sprühregen aus Gartenschläuchen

Die Anwohner leben den Lauf beinahe genauso wie die Teilnehmer: Ihre auf Sprühregen gestellten Gartenschläuche verschaffen eine willkommene Abkühlung vor dem Anstieg, der gleich nach dem ersten Stopp beginnt. Am nächsten Stand gibt es Honigbrote und Met vom Imkerverein Siebengebirge, dazu Musik vom „Hein mit Akkordeon“.

Ein Highlight auf der Strecke. Also weiter. Aus dem Asphalt unter meinen Füßen wird ein schattiger Waldweg, der sich malerisch bis hoch auf den Weinberg zieht, wo die nächste Verpflegungsstation wartet. Der Petit Médoc ist mehr ein Intervall- als ein Ausdauerlauf, man arbeitet sich von Station zu Station. Ich nutze die nun doch spürbare Steigung am Berg, lege an Tempo zu und kann so eine ganze Reihe an Kostümen überholen und begutachten.

Ein komplett schwarz angemalter Stier mit Nasenring etwa wird von zwei Frauen in griechischen Kleidern frankiert. „Eu-Ro-Pa“, lässt sich aus den drei Kostümen zusammensetzen. Die Teilnehmer der Gruppe „Protheofit“ erklimmen die Hardt ungeachtet ihrer Beinprothesen und gehören sicher nicht nur für mich zu den beeindruckendsten Teilnehmern des Laufes.

Oben angekommen, sehe ich die Gruppe, die später auch den Kostümwettbewerb gewinnen wird: Jeder von ihnen hat einen charakteristischen Pappmascheeberg des Siebengebirges auf dem Kopf. Auf dem Drachenfels etwa sind unverwechselbar das Plateau, die Burg und die Zahnradbahn zu erkennen.

Aus der Musikbox klingt Karnevalsmusik

Zunächst hole ich mir aber ein Wasser, lasse mir auch einen Becher Wein in die Hand drücken und stelle mich in der prallen Sonne für eine Currywurst an. Der Blick über die Weinberge auf Oberdollendorf und Bonn ist phänomenal schön, der Wein schmeckt gut und aus einer Musikbox klingt Karnevalsmusik. So schlimm ist so ein Laufwettbewerb doch gar nicht, denke ich. Gestärkt geht es weiter zu den nächsten Ständen. Neben den Getränken gibt es belegte Schnitten oder Wraps.

Das nehme ich natürlich auch mit und bin damit fast schon mit meinen ersten drei Kilometern durch. Fast – denn am letzten Stand der ersten Runde spielt die Rockband „Gnadenlos“. Deren Leadsänger gibt gerade „Unchain my heart“ zum Besten und gleicht dabei in Aussehen und Stimme sehr dem Original Joe Cocker. Weil die Musik so viel Spaß macht, bleibe ich noch drei weitere Lieder.

Die zweite Runde gehe ich deutlich ruhiger an, die dritte gehe ich mehr, als dass ich laufe. Es ist warm. Aber zugegeben: Es sind die Stimmung an den Ständen, der Wein, die Gespräche, die anderen Kostüme, die mich zum Gehen veranlassen. Als ich ins Ziel komme, ist mir meine Zeit völlig egal.

Beim Petit Médoc, den das Organisatorenteam der SSG um Winni Penno auf die Beine gestellt hat, geht es um mehr als Laufen: Es ist ein Volksfest mit sportlichem Anteil, und so geht die Veranstaltung auch nach dem Zieleinlauf noch weiter. Am Weingut Sülz gibt es Speisen und Getränke, die Stimmung ist ausgelassen.

Ich bin nach elf Kilometern und drei mal sechs Ständen in der Hitze zwar etwas kaputt, aber bestens gelaunt. Mit dem Glas und der Weinflasche, die jeder kostümierte Teilnehmer am Ende erhält, setze ich mich vor die Bühne und höre „Marion & Sobo“ zu, die Chansons spielen. In meinem Kalender trage ich mir für Mai 2019 eine Erinnerung ein. Damit ich nicht die Anmeldung für das nächste Jahr verpasse.