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„Sommer unterm Kirchturm“ in Niederdollendorf: 17-Jährige musiziert für Freiwilligendienst in Rumänien

„Sommer unterm Kirchturm“ in Niederdollendorf : 17-Jährige musiziert für Freiwilligendienst in Rumänien

Die Abiturientin Clara Wigger und der Publizist Georg Aescht musizieren und rezitieren beim „Sommer unterm Kirchturm“ in Niederdollendorf. Bei der Benefizveranstaltung hat die 17-Jährige Geld für ihren Freiwilligendienst in Rumänien gesammelt.

Worte und Töne aus Siebenbürgen erklangen am Samstag vor dem evangelischen Gemeindehaus in Niederdollendorf. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Sommer unterm Kirchturm“ hatte Abiturientin Clara Wigger an diesem Abend zu einem Lesungs-Konzert eingeladen, um Spenden für ihren Freiwilligendienst in Rumänien zu sammeln.

Gemeinsam mit Georg Aescht, einem aus Siebenbürgen stammenden Literaturkritiker und Übersetzer, entführte die 17-jährige Klarinettistin die Zuhörer musikalisch und literarisch in ein Land voller Gegensätze, in ein Land, in dem die Kluft zwischen Arm und Reich größer ist als in kaum einem anderen europäischen Staat.

Voraussichtlich Ende des Jahres wird Clara Wigger in die kleine Stadt Balan in Ostsiebenbürgen reisen, um dort an einer Schule auszuhelfen. Eigentlich war der Beginn ihres Internationalen Jugendfreiwilligendienstes bereits für September geplant gewesen, „doch aufgrund der Pandemie wird es leider immer später“. Auch zwei Benefizveranstaltungen mussten coronabedingt bereits abgesagt werden.

Beim dritten Anlauf klappte es

Umso mehr freute sich die 17-Jährige, dass es beim dritten Anlauf nun endlich klappte und dass auch erfreulich viele Zuhörer auf den Stühlen und Bänken vor dem Gemeindehaus Platz nahmen. Schließlich muss die junge Frau, die kürzlich ihr Abitur bestanden hat, ein Viertel der Kosten ihres Auslandaufenthalts selber über Spendengelder finanzieren.

„Ich wollte unbedingt nach dem Abitur ins Ausland“, berichtet Wigger. Da sie allerdings noch nicht 18 Jahre alt ist, war die Auswahl an möglichen Zielen und Projekten im Rahmen des Jugendfreiwilligendienstes begrenzt. Die Entscheidung für Rumänien fiel der ehemaligen Schülerin des Ernst-Kalkuhl-Gymnasiums nicht schwer: „Ich war vor vielen Jahren schon einmal im Urlaub dort und habe immer noch sehr positive Erinnerungen daran.“

Auch sei die Tätigkeit an der Grund- und Hauptschule sehr attraktiv. Neben dem regulären Unterricht, bei dem Wigger aushelfen wird, hat sie die Möglichkeit, eigene Projekte für die Schüler anzubieten – zum Beispiel im Bereich Musik oder Sport. Beides nämlich spielt eine große Rolle im Leben der 17-Jähren.

Bereits im Alter von fünf Jahren erhielt sie ersten Klavierunterricht bei ihrer Mutter, zwei Jahre später begann sie auch Blockflöte zu spielen. Seit 2013 gehört ihre große Liebe musikalisch der Klarinette, mit der sie viele Preise beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ erlangen konnte. Sie ist Mitglied in der Jungen Bläserphilharmonie Nordrhein-Westfalen und dem Bonner Jugendsinfonieorchester.

Die Idee, mit einem Konzert Spenden für ihren Freiwilligendienst zu sammeln, lag also nahe. Um den Zuhörern ihr Reiseland nicht nur musikalisch nahe zu bringen, fand sie mit dem Publizisten Georg Aescht, der 1953 in Siebenbürgen geboren wurde und 1984 nach Deutschland auswanderte, eine wertvolle Ergänzung.

Stücke rumänischer und ungarischer Herkunft

Der Kontakt zu dem in Beuel lebenden Literaturkritiker kam über die Leiterin der evangelischen Bücherei Oberkassel, Susanne Kuhfuss, zustande. „Herr Aescht war sofort bereit mitzumachen“, so Wigger. Die ausgewählten Literaturbeispiele, mit denen er den Zuhörern an diesem Abend sein Heimatland, dessen leidvolle Geschichte und die Seele der Menschen nahebrachte, wurden von Wigger stimmungsvoll auf der Klarinette musikalisch illustriert.

Wichtig war beiden, nicht nur Stücke rumänischer, sondern auch ungarischer Herkunft zu präsentieren, „da in Siebenbürgen eine große ungarische Minderheit lebt. Und es soll ja ein möglichst authentischer Abend sein.“ Passend zu Gedichten wie „Balthasar“ von Andor Bajor oder „Die Seele des Dorfes“ von Lucian Blaga erklangen volkstümlich gefärbte Musikstücke aus den Karpaten wie die „Carpathian Rhapsody“ oder die „Rumänischen Volkstänze“ von Béla Bartok.

Auch die Volkssage über den „Rattenfänger von Hameln“ durfte nicht fehlen, ebenso wie typische Folklorestücke aus dem Land am Schwarzen Meer.