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Museen in Königswinter: 20.000 Dokumente im virtuellen Raum

Museen in Königswinter : 20.000 Dokumente im virtuellen Raum

Der Vater von Franz Bellinghausen hat dem Sohn einen Satz mitgegeben, eine Weisheit: "Du musst wissen, was du kannst. Und du musst wissen, was du nicht kannst." Bellinghausen junior hat das verinnerlicht.

Als er sich vor mehr als zehn Jahren das Brückenhofmuseum in Oberdollendorf anschaute, begeisterten ihn die Gruppenbilder. In ihm wuchs der Gedanke, dass so etwas seinem Heimatort Oberpleis ebenso gut zu Gesicht stünde. Bloß ein richtiges Museum: Das hielt er nicht für machbar.

Das immer stärker aufkeimende Internet, dort könnte so etwas funktionieren, dachte Bellinghausen. Heimat und virtuell: Das liegt auf den ersten Blick nicht nah beieinander und der Oberpleiser Werbekreis, heutiger Träger, war anfangs wenig euphorisch, als Bellinghausen seine Pläne vorstellte. Aber was bedeutet Heimat eigentlich? Die innige Beziehung zwischen dem Menschen und seiner Umgebung. Ein Gefühl braucht nicht unbedingt festen Grund unter den Füßen, um entstehen zu können. Die Geschichte des virtuellen Heimatmuseums, das 2008 an den Start ging, zeigt, dass dieser letzte Satz zutrifft. Weit mehr als eine Million Mal haben Neugierige mittlerweile auf dieser Internetseite geklickt. Sie haben sich die Klassenfotos angeschaut, die Bilder vom Turnfest, die Feste, die die Oberpleiser während der Kirmes gefeiert haben, das heute martialisch anmutende Hahnenköpfen.

Das virtuelle Heimatmuseum hat auch in Oberdollendorf selbst, in Heisterbacherrott/Thomasberg und in Ittenbach für solche Begeisterung in der Bürgerschaft gesorgt, dass die Ortschaften eigene Internetseiten ins Leben gerufen haben. Unter dem Namen "Gedächtnis der Region" sind sie im World Wide Web gemeinsam zu finden. Die Idee zum Namen kam den Initiatoren übrigens, als 2012 unter der Federführung des ZDF das Projekt "Gedächtnis der Nation" entstand; es war und ist der Versuch, bundesweit Bürger die deutsche Geschichte erzählen zu lassen. In Königswinter wollten sie mit ehrenamtlichem Engagement unter der jeweiligen Trägerschaft der dortigen Werbekreise genau das erreichen.

Aus einem kleinen Anfangsbestand sind mit Hilfe der Bürger mittlerweile 20.000 Dokumente in den vier Museen hinterlegt, zum größten Teil Fotos. Die Zahl der Klicks pro Seite liegt täglich bei 700 bis 1200. Die meisten Zugriffe kommen aus Bonn, gefolgt von Königswinter. Aber immer wieder überrascht ist Lothar Vreden, der das virtuelle Brückenhofmuseum leitet, dass auch Anfragen aus den USA und Neuseeland per E-Mail die Museen erreichen. Sie spüren ihren Verwandten nach, geben Tipps, wer auf den Fotos zu sehen ist oder fragen nach, ob sie Bilder in höherer Auflösung für ein Album als Geschenk an den Großvater bekommen können.

Hinter dem Engagement der Ehrenamtlichen steckt eine Menge Arbeit: Durchschnittlich benötigt man für die Bearbeitung eines Bildes zwei Stunden. Macht 40.000 Arbeitsstunden in den vergangenen Jahren. "Wir sind sehr stolz auf diese Leistung, die wir auch einigen Sponsoren zu verdanken haben", sagt der Erste Vorsitzende des Vereins Virtuelles Brückenhofmuseum, Andreas Schulte-Beckhausen.

Er wirbt einerseits um Unterstützung durch Spenden, andererseits wollen alle Beteiligten die Bekanntheit weiter steigern, um an mehr Material, mehr Informationen und zu einem besseren Austausch zu kommen. Vreden sagt, dass "heute Morgen schon gestern ist". Nicht nur das Nostalgische gießen die virtuellen Museen in Form, auch das Gegenwärtige, das bald Geschichte sein wird. Wer weiß schon, wie das 360-Grad-Panoramabild vom Neubaugebiet am Limperichsberg in ein paar Jahren aussehen wird? Die virtuellen Heimatmuseen können immerhin zeigen, wie es einmal ausgesehen hat.