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Ausstellung in Königswinter: 91-jährige Adelheid Bauer thematisiert die Umwelt

Ausstellung in Königswinter : 91-jährige Adelheid Bauer thematisiert die Umwelt

Der Palastweiher in Königswinter zeigt dieses Wochenende Werke von Adelheid Bauer. Vor ihrer Pensionierung hatte die Künstlerin einen ganz anderen Job.

Adelheid Bauer hat den Schalk im Nacken. Sie zeigt im Garten auf zwei Skulpturen mit langen, dürren Armen und Beinen. „Finale Lust an oder auf Bewegung“, so hat die 91-Jährige dieses Werk genannt. „Nur aus Gips“, winkt die frühere Leiterin des Gymnasiums am Oelberg lächelnd ab. Jeglicher Vergleich verbietet sich freilich von selbst.

Es ist noch gar nicht so lange her, da besuchte die Pädagogin noch dreimal pro Woche ein Fitness-Center. Jetzt dehnt und streckt sie sich jeden Morgen bei ausgiebiger Gymnastik auf dem Wohnzimmerteppich. Rundherum Bücher – und Kunst. Selbst gemacht. An diesem Wochenende stellt Adelheid Bauer gemeinsam mit Kurt Volkert, Dieter Ditscheid und Mark Hutchins im Kunstforum Palastweiher einige Werke aus. Denn: Nach ihrer Pensionierung begann ihr zweites erfüllendes Leben, das als Künstlerin.

Wenn sie etwas macht, dann richtig. Sofort nach dem Eintritt in den Ruhestand besuchte Bauer Kurse in einer Akademie in Salzburg und in der Europäischen Akademie in Trier. „Ich als altes Reff, die anderen waren alles Jungspunde.“ Zum Abschied von der Schule hatte das Kollegium ihr einen Modellierblock geschenkt. An ein Altershobby hatte sie da noch nicht gedacht. Aber es war eine Beschäftigung, die sie mit Ordnung und Disziplin verfolgte – Tugenden, die sie ihren Schülern einst abverlangt hatte. Ihr Credo: „Zur Liebe zum Schüler gehört auch ein Nein.“

Bauer verfolgt das Thema Umwelt

Wenn heute Schüler freitags für die Umwelt demonstrieren, sieht sie das kritisch. „Wie viel Prozent der Kinder laufen mit, weil das in ist?! Da ist nicht die Spur eines echten Bedürfnisses. Würde das samstags, in der unterrichtsfreien Zeit passieren, hätte ich große Freude daran, dass Kinder aktiv werden.“

Adelheid Bauer verfolgt das Thema Umwelt sehr genau. In der Ausstellung wird ihr Werk „Weltenwächter“, eine skurrile, hoffnungslos schauende Figur mit der Weltkugel in den Händen, gezeigt, die während des G8-Gipfels entstand. Die Künstlerin: „Die Möglichkeiten, die Zerstörung des Planeten aufzuhalten, sind vermutlich schon überschritten. Lass das noch 5000 oder 500 Jahre gutgehen, ich erlebe es nicht mehr, aber ich fühle Verantwortung.“

Gerade hat Adelheid Bauer eine kleine Figur geschaffen, ein Strichmännchen mit Clownsgesicht – die britische Madame Brexit, die auf einer England und Irland darstellenden Unterlage steht. Ein Fernsehbericht mit einer komischen Bewegung der Premierministerin hatte die Künstlerin zu diesem Werk inspiriert.

Auswahl für Ausstellung fiel ihr schwer

Im Palastweiher zu sehen sein wird auch der Balanceakt auf schwankenden Paragrafen oder der Kopf von Schriftsteller William Faulkner, die Orang-Utan-Dame Adele, das Werk „man denkt“, bei dem sich zwei Männer in Bronze gegenübersitzen, und „ich auch“, bei dem ein Clown nachahmend vor einer grazilen Tänzerin steht.

Die Auswahl für die Ausstellung fiel ihr schwer. Denn es gibt vieles zu sehen in Bauers Haus und Garten: Sokrates und Platon in der Philosophen-Ecke; aus der Hecke an der Straße schauen Figuren wie Max und Moritz.

Und dann ist da noch Adelheid Bauer selbst – ihr Ebenbild, ein Blick nach innen, in Bronze gegossen von Friedemann Sander. Eine Büste, die sie nach einer Erinnerungstour mit ihrer Schulfreundin zu Stationen ihres Lebens in Ost und West völlig ungeplant modellierte. Mit einem Mal stand sie sich selbst gegenüber – in Wachs. So wie sie jeder kennt, nachdenklich, aufmerksam, an allem interessiert, hellwach.

Die Ausstellung „abstrakt – konkret, Bilder – Skulpturen“ im Kunstforum Palastweiher in Königswinter, Winzerstraße 7, wird am Samstag, 9. März, 16 bis 20 Uhr, und am Sonntag, 10. März, 11 bis 17 Uhr, gezeigt.