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Adler-Apotheke in Königswinter: Michael Ansorge hört auf

Apotheker Michael Ansorge hört auf : Die Adler-Apotheke in Königswinter ist eine der ältesten in der Region

Die Adler-Apotheke in Königswinter gehört zu den ältesten in der Region. Nach 26 Jahren hört Michael Ansorge auf, die Geschichte der Apotheke wird aber weitergeschrieben.

Seinen letzten Notdienst hat Michael Ansorge am vierten Adventssonntag erledigt. Alltagsgeschäft für den Apotheker, der seit mittlerweile 26 Jahren die Adler-Apotheke mitten in der Königswinterer Altstadt leitet. Ende dieses Jahres setzt sich der 69-Jährige zur Ruhe. Ein Schritt, den er sich reiflich überlegt hat, wie er sagt. Und der ihm ein Stück leichter fällt, da die Historie einer der ältesten Apotheken in der Region mit seinem Ruhestand nicht endet, sondern am 1. Januar nahtlos weitergeht.

Fingerlinge, Gummisauger, Rhiz Rhei und Kohle Compretten steht in geschwungener schwarzer Schrift auf den Porzellandosen und dunkelbraunen Glasflaschen im Geschäftsraum. Apothekenwaagen aus Messing dekorieren die blankpolierten Holzschränke aus der Gründerzeit. Kopfschmerzmittel, Hustensaft und Wärmepflaster wirken in den edlen Vitrinen, gleichfalls entstanden um 1900, ungleich wirkungsvoller. „Als ich die Apotheke übernommen habe, stand ein Teil des Mobiliars im Keller und war zu einer kleinen Bar umfunktioniert“, erinnert sich Ansorge. Heute sind sie ein Erkennungszeichen der Apotheke, die im kommenden Jahr seit 220 Jahren in Königswinter besteht.

Erlaubnis für die Apotheke kam 1801

Ein gewisser Reichsfreyherr Clemens August von Combeck Gudenau, Standherr zu Königswinter, war es, der am 21. Juli 1801 der Bitte eines Johann Caspar Weber aus Osterode im Harz nachkam und ihm das Privileg erteilte, eine Apotheke in Königswinter zu errichten. Denn, so befand der Reichsfreyherr, „derselbe habe auch sowohl wegen seines Zeitherigen Wohl Verhaltens als seiner habenden pfarmazeutischen Kenntnisse hinlängliche auf eine Vorhergegangene Strenge Prüfung gegründete Zeugnisse Vorgelegt“. Nachzulesen ist das im Original: Die Urkunde ist bis heute im Verkaufsraum der Apotheke ausgestellt.

Ein Schmuckstück ist jedoch nicht nur das Mobiliar, sondern auch das Gebäude selbst: Erbaut wurde es im Jahr 1799, der Grundstein ist noch heute im Gewölbekeller zu sehen. An der Seite befindet sich ein Wappen mit der Jahreszahl 1870, dem Jahr, in dem das Haus umgebaut wurde. Ein eingemeißelter Vogel an der Fassade erinnert an die Zeit, als noch ein Pelikan der Apotheke ihren Namen gab. Bis vor rund drei Wochen stand vor dem Gebäude noch ein Gerüst: Ansorge und seine Frau Monique Jacquemin haben die prächtige Fassade sanieren lassen. Denn wie nahezu alle seine Vorgänger wohnt auch Michael Ansorge in dem Haus an der Hauptstraße: „Wir hatten es nie weit zur Arbeit“, sagt er. Während Ansorge an dieser Tradition festgehalten hat, gibt es an anderen Stellen grundlegende Veränderungen. Etwa in puncto Sortiment. „Vor etwas mehr als 100 Jahren waren Apotheken auch Tankstellen“, erzählt er. „Da konnte man hier neben Arzneimitteln auch Benzin kaufen.“

Beratungsintensives Geschäft

Eine Apotheke sei eben kein normales, vielmehr ein spezielles Geschäft, was sich insbesondere im vergangenen Corona-Jahr wieder bewiesen hätte. „Es gab und gibt schon erheblichen Erklärungsbedarf bei den Menschen“, hat Ansorge beobachtet, der mit insgesamt fünf Ganz- und Teilzeitkräften hinter dem Handverkaufstisch steht. Der ist im Übrigen nicht historisch, sondern eine Maßanfertigung jüngeren Datums aus Holz und Beton nach Ansorges eigenen Entwürfen.

Seiner kreativen Ader möchte Ansorge in Zukunft mehr Zeit widmen, vielleicht gemeinsam mit seiner Frau, die in Niederbachem eine Galerie betreibt. Auch will er mehr Zeit in der französischen Heimat seiner Frau verbringen. „Es ist in einer Apotheke natürlich auch immer viel Arbeit im Hintergrund, da bleibt nicht immer für alles Zeit.“

Am Silvestertag, pünktlich um 12 Uhr, schließt die Adler-Apotheke und endet das Berufskapitel für Michael Ansorge. „Das Miteinander mit dem Team wird mir sicher fehlen“, glaubt er. Froh ist er allerdings, mit Kristina Meurer eine Nachfolgerin gefunden zu haben, die die Tradition der Adler-Apotheke in der Altstadt fortsetzen wird. „Diese Apotheke war nie in Familienbesitz“, sagt er. Immer habe es nach einigen Jahren neue Besitzer gegeben. Eine Premiere allerdings gibt es mit dem Wechsel zum 1. Januar dann doch: Erstmals in der 220-jährigen Geschichte der Adler-Apotheke führt dann eine Frau das Geschäft.