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Streit um Parkplatz in Heisterbacherrott: An Plänen für den Dorfmittelpunkt scheiden sich die Geister

Streit um Parkplatz in Heisterbacherrott : An Plänen für den Dorfmittelpunkt scheiden sich die Geister

Vorfahrt für Autos oder doch ein Platz, auf dem sich die Bürger angenehmer aufhalten können: Die Pläne für den großen Parkplatz an der Oelbergstraße in Heisterbacherrott gegenüber von Haus Schlesien spalten die Bürgerschaft. Richten soll es nun eine Arbeitsgruppe, in der alle Ideen diskutiert werden.

Wie viel Platz zum Parken muss auf dem großen Parkplatz an der Oelbergstraße in Heisterbacherrott in Zukunft noch sein? Über diese Frage gehen die Ansichten einer Anwohnerinitiative und der Ortsvereine arg auseinander. Nachdem die Verwaltung zwei sehr unterschiedliche Gestaltungsvarianten (siehe Kasten) vorgestellt hat, in denen die Wünsche beider Seiten berücksichtigt wurden, wurde dies deutlich. Eine Arbeitsgruppe mit Vertretern der Fraktionen, der Ortsvereine und interessierten Bürgern soll sich nun weiter mit dem Thema beschäftigen.

Anwohner plädieren für mehr Aufenthaltsqualität

Der einen Variante, deren Umsetzung 248 800 Euro kosten würde, liegt ein Vorschlag des Heisterbacherrotters Frank Mehlis zugrunde, der eine Anwohnerinitiative für einen Dorfmittelpunkt gestartet hat. Mehlis, der bei der Kommunalwahl für die Königswinterer Wählerinitiative kandidierte und jahrelang gegen Mobilfunkmasten im Ort kämpfte, möchte rund ein Drittel des 2900 Quadratmeter großen Parkplatzes in eine attraktive Aufenthaltsfläche umwandeln. Den Vorschlag reichte er im März mit der Köwi-Fraktion, deren Sachkundiger Bürger er ist, bei der Stadt ein.

Schon im April 2019 hatte die damalige Koalition aus CDU, FDP und GAK eine Parkscheibenregelung für den südlichen Teil des Parkplatzes beantragt. Eine Bestandsaufnahme der Verwaltung ergab, dass sich im nördlichen Bereich zurzeit 49 Stellplätze für Autos und zwei Behinderten-Stellplätze befinden. 22 Stellplätze werden freitags von 7 bis 13 Uhr für den Wochenmarkt gesperrt.

Im südlichen Teil gibt es weitere 30 Stellplätze sowie eine Park- und Rangierfläche für bis zu vier Reisebusse, auf der an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 13 Uhr weitere 13 Autos parken können. Der Parkplatz wird dann bevorzugt von Gottesdienstbesuchern der beiden Kirchen genutzt. Weitere Nutzer sind die Stenzelbergschule und der Siebengebirgskindergarten sowie das Haus Schlesien auf der anderen Seite der Dollendorfer Straße.

Vereine für Erhalt der Parkplätze

Im Juni lud die Verwaltung zu einem Ortstermin mit Vertretern von Bürgerfestausschuss, dem Arbeitskreis der Ortsvereine, der Anwohnerinitiative und dem Heimatverein ein. Man war sich einig, dass auf jeden Fall ein versenkbarer Ständer für den Maibaum und den Weihnachtsbaum, eine Ortstafel, eine Fahrradabstellanlage und Sitzbänke auf den Platz gehören sollen.

Während der südliche Teil des Parkplatzes erhalten und nur eindeutiger markiert werden soll, ist im nördlichen Bereich künftig eine Parkscheibenregelung mit einer Höchstparkdauer von zwei Stunden geplant. Die Bushaltestelle soll über den Parkplatz barrierefrei erreichbar sein.

„Hohe Wellen geschlagen“ habe das Thema, meinte Wolfgang Otto Thiebes im Bau- und Verkehrsausschuss. Er ist Vorsitzender des Bürgerfestausschusses Heisterbacherrott, zugleich CDU-Ratsmitglied. Für die Ortsvereine komme nur die von der Verwaltung vorgelegte Idee – Kosten: 187 400 Euro – infrage. Sie entspreche dem, was von einem Arbeitskreis aus Vereinen und Verwaltung ausgearbeitet worden sei. „Wir wollen eine kleine Aufenthaltsfläche für die Marktbesucher und erholungssuchende Menschen“, so Thiebes. Von den Parkplätzen sollten so wenige wie möglich wegfallen. „Der Parkplatz wird so stark genutzt, dass wir eine Reduzierung für sehr bedenklich halten“, so Thiebes.

Mehlis sprach sich hingegen für die Variante 2 aus. „Wir plädieren für die große Lösung“, sagte er. Man habe bei der Ideenskizze, die man der Stadt vorgelegt habe, an die Verkehrswende in der Zukunft gedacht. Der Verkehr solle soweit wie möglich aus der Ortsmitte herausgeholt werden. „Wir haben auch beobachtet, dass der Parkplatz nicht so belegt ist, wie immer gesagt wird.“

Verwaltung: Parkplätze reichen nicht aus

Dem widersprach die Verwaltung. Eine Zählung der Fahrzeuge in einer Woche habe ergeben, dass der Parkplatz zwar nie komplett voll, aber auch nicht so leer gewesen sei. Die bei Variante 2 verbleibenden Stellplätze reichten vor allem über Mittag nicht aus.

Auch Renate Keppler vom Vorstand des Werbekreises Oberpleis, die vor Jahren den Wochenmarkt ins Leben rief, wünscht sich, dass die Stellplätze bleiben. Immer wieder würden Autos sogar an der Oelbergstraße abgestellt. „Ich finde aber auch gut, wenn eine Aufenthaltsfläche geschaffen wird, die attraktiver ist als das derzeitige Betonpflaster.“

Mehlis lenkte inzwischen ein und machte einen Kompromissvorschlag. „Da würden nur noch rund 20 statt 30 Parkplätze verlorengehen. Uns ist wichtig, dass ein Platz mit echter Aufenthaltsqualität entsteht, zumal die Kosten bei Variante 1 nicht viel geringer sind“, sagte er dem GA. Mittags sei der Parkplatz nur voll, weil viele Eltern im Auto auf ihre Kinder, die aus der Schule kommen, warten würden. Sein neuer Vorschlag enthält eine weitere Ausfahrt in Höhe der Bushaltestelle. Gar nichts von der Umgestaltung hält Bernd Schlegel (FDP). „Das ist kein Platz, auf dem man sich besonders gerne aufhalten möchte, wenn man nicht Fan von Autos oder Motorrädern ist. Ich halte beide Varianten für rausgeschmissenes Geld“, sagte er.