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Geschichte am Originalschauplatz erleben: Aus altem Wachgebäude wird Petersberg-Infozentrum

Geschichte am Originalschauplatz erleben : Aus altem Wachgebäude wird Petersberg-Infozentrum

In dem unscheinbaren Zweckbau wachten früher Polizisten des Bundesgrenzschutzes über die einzige Zufahrt zum Petersberg. 2020 will die NRW-Stiftung dort eine Ausstellung zur Geschichte dieses besonderen Ortes eröffnen.

Die „Einzigartige Weihnachtszeit“ und das „Schlossleuchten“ sind die beiden Veranstaltungen, die bei Joachim Odenthal derzeit weit oben auf der Agenda stehen. Mit Blick auf das Jahr 2019 allerdings hat der Geschäftsführer der Schloss Drachenburg gGmbH noch ein weiteres Großprojekt vor Augen: Im ehemaligen Wachgebäude an der Zufahrt zum Petersberg soll ein Informations- und Besucherzentrum samt Ausstellungsteil entstehen – ein Projekt der NRW-Stiftung. Den Betrieb wollen Odenthal und die Gesellschaft im Frühjahr 2020 starten.

„Die ersten Pläne zur Nutzung des Wachhäuschens kamen vor rund zwei Jahren vom damaligen Präsidenten der NRW-Stiftung“, sagt Odenthal. Bis 2017 leitete Kurt Voigtsberger die Stiftung, die sich für den Naturschutz, die Heimat- und Kulturpflege einsetzt und als eines ihrer größten Projekte die Restaurierung von Schloss Drachenburg gefördert hat.

Voigtsbergers Idee: Aus dem leerstehenden Wachgebäude auf dem Petersberg, in dem einst der Bundesgrenzschutz seinen Sitz hatte, solle ein Informations- und Besucherzentrum werden, das die politische und historische Bedeutung des Ortes in den Mittelpunkt stellt. Und da Schloss und Petersberg nun mal in Sichtweite zueinander lägen, so Odenthal, habe man der Schloss Drachenburg gGmbH den Betrieb angetragen, um Synergieeffekte zu nutzen.

300.000 Euro vom Bund, 400.000 von der NRW-Stiftung

„Das Projekt ist nicht ganz leicht umzusetzen“, stellt der Geschäftsführer klar. Denn einerseits seien aufgrund der Eigentumsverhältnisse und Zuständigkeiten Bund und Land im Boot. Zum anderen gelte es, bei allen Planungen den Naturschutz zu beachten und beispielsweise Artenschutzgutachten zu erstellen. „Wir stehen noch am Beginn dieses Prozesses.“

Geklärt ist bereits die Zuständigkeit für das Gebäude, das die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) der NRW-Stiftung übertragen hat, so Martina Grote, Geschäftsführerin der NRW-Stiftung. Auch in punkto Finanzierung gibt es grünes Licht: Bereits 2017 hatte der Bund zugesagt, sich mit 100.000 Euro aus dem Bundeshaushalt zu beteiligen. Der Haushaltsausschuss erhöhte in diesem Juni die Summe sogar auf 300.000 Euro.

„Die NRW-Stiftung fördert das Projekt mit weiteren 400.000 Euro“, berichtet Grote. Zudem habe der Landschaftsverband Rheinland eine finanzielle Beteiligung zugesagt. Die Gesamtkosten für das Projekt schätzt Odenthal auf rund 750.000 Euro.

Ausstellung auf 160 Quadratmetern geplant

Fünf Räume mit einer Gesamtfläche von rund 160 Quadratmetern umfasst der Funktionsbau am oberen Ende der Zufahrt zum Hotel. „Für die Ausstellung muss da schon einiges hergerichtet werden“, sagt Odenthal. Und es gibt bereits konkrete Ideen. „Das Wachgebäude wird kein Museum, sondern ein Informationszentrum“, stellt Grote klar.

Das Haus sei ein authentischer Ort und solle es auch bleiben. Grote: „Einen Charme-Preis wird es wohl nicht gewinnen, aber es spiegelt eine Menge Geschichte wider.“ Die sich zum Beispiel anhand des Sprengraums im hinteren Teil des Gebäudes gut dokumentieren lasse. In ihm kontrollierten die Wachleute alle Gegenstände und Fahrzeuge auf verborgenen Sprengstoff und andere gefährliche Stoffe.

„Das Besondere ist, dass sich der Besuch im Infozentrum gut verbinden lässt mit Führungen durch das ehemalige Gästehaus der Bundesregierung“, sagt Grote. „Also sozusagen von der Ausstellung gleich zum Originalschauplatz.“

Der Wald als nationales Kulturerbe wird einbezogen

Am Konzept für das Besucherzentrum werde derzeit noch gearbeitet – unter Einbindung des Bonner Hauses der Geschichte und mit Hilfe von Elmar Scheuren, dem ehemaligen Leiter des Siebengebirgsmuseums und Kenner der Petersberg-Historie. Einbezogen werden zudem die umgebenden rund 93 Hektar Wald, die der Bund 2015 der NRW-Stiftung als „nationales Kulturerbe“ übertragen hat. „Auch zu diesen Flächen soll es für die Besucher vor Ort Infos geben“, so Grote.

Die Fertigstellung des neuen Besucherzentrums war ursprünglich für November 2019 geplant, sagt Odenthal – genau 70 Jahre nach der Unterzeichnung des Petersberger Abkommens zwischen Bundeskanzler Konrad Adenauer und der Hohen Alliierten Kommission. Doch das geschichtsträchtige Datum wird nicht zu halten sein. Doch Odenthal hofft: „Ich gehe davon aus, dass sich nächstes Jahr um diese Zeit an dem Wachhäuschen schon deutlich etwas getan hat.“

Er und auch Grote halten es für realistisch, dass zum Start in die Frühjahrssaison 2020 die ersten Besuchergruppen durch das ehemalige Wachhäuschen geführt werden.