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Corona-Pandemie: Ausflugsziele im Siebengebirge trotz Kontaktverbot rappelvoll

Corona-Pandemie : Ausflugsziele im Siebengebirge trotz Kontaktverbot rappelvoll

Auf der Margarethenhöhe als Dreh- und Angelpunkt für Siebengebirgstouristen war es am Sonntag rappelvoll. Die Ausflügler waren aber größtenteils diszipliniert unterwegs und hielten sich an die Regeln.

Sonne und Siebengebirge – die sieben Berge waren an diesem sommerlich warmen Wochenende begehrtes Ziel, um Luft zu holen in diesen Zeiten und dem „Lagerkoller“ in den eigenen vier Wänden vorzubeugen. Anders als etwa an der Ahr waren Wanderparkplätze an den Hotspots des Naturparks nicht abgesperrt.

NRW-Innenminister Herbert Reul hatte noch am Freitag an die Bevölkerung appelliert, besonders beliebte Ausflugsziele zu meiden, aber es sei nicht verboten, für Spaziergänge in andere Städte zu fahren. Am besten wäre es jedoch, im häuslichen Umfeld zu bleiben. An diesen Rat hielten sich nicht alle, wie ein Blick auf die Autokennzeichen vor Ort zeigte.

Am Sonntag war die Margarethenhöhe als Dreh- und Angelpunkt für Siebengebirgstouristen rappelvoll. Aber auch auf den Wanderparkplätzen im Bad Honnefer Schmelztal oder am Kloster Heisterbach knubbelte es sich. Bereits am Samstag standen gegen Mittag auf dem Kutschenweg parallel zur L 331 die geparkten Autos in langer Schlange – mit Kennzeichen aus Bonn, Köln, Düsseldorf, aber auch Essen, Heinsberg, Aachen, Bergheim, Bad Schwalbach oder Viersen. Die Schmelztalstraße war das Eldorado der Rennrad- und Motorradfahrer. Auf den Radwegen und Promenaden am Rhein oder auf der Insel Grafenwerth herrschte ebenfalls Betrieb, aber mit Abstand. Den hielten die Kunden auch ein, die sich im „Margarethenkreuz“ bei Paul Herbert Bachem Waffeln, Erbsensuppe oder Schnitzelgyros zum Mitnehmen besorgten. Andrea aus Paderborn war mit Partner Johannes hier. „Wir haben vergessen, unseren Proviant in den Rucksack zu packen und sind froh über Pommes und Salat. Das ist super!“ Bachem: „Die Leute sind gut drauf und sagen: ,Halten Sie durch!‘“

Vor der Auffahrt zum Petersberg kapitulierte ein Audi-Fahrer aus Düsseldorf vor der heruntergelassenen Schranke. Auch das Grandhotel musste wegen Corona schließen. Schade, vielleicht hätten Efrem (24) und Jessica (21) im weißen Brautkleid mit Schleier hier mit einem Glas Champagner auf ihr Eheglück angestoßen. Die beiden kamen direkt vom Standesamt - das Ja-Wort musste jedoch ohne die Familie stattfinden. Aber Küssen war erlaubt. Und vor dem Portal des Petersberghotels – „Wir haben vorher angefragt, ob wir das dürfen!“ – ließ sich das einsame Hochzeitspaar vom Fotografen ins rechte Licht rücken. „Unser zweites Date hatten wir hier.“ Deshalb wollten die Frischvermählten auch gerne hier die Hochzeitsbilder machen. Den schönsten Tag ihres Lebens hatten sich die beiden etwas anders vorgestellt. Aber verschieben wollte das Brautpaar aus Rösrath den Standesamtstermin nicht. „Wir machen uns heute zu Hause allein einen schönen Tag.“ Heiraten in Corona-Zeiten.

Dennis (35) und Vera (32) hatten auf dem Parkplatz am Kloster Heisterbach ihren Wagen abgestellt. „Am Stenzelberg haben wir ein Picknick zu zweit eingelegt“, erzählten die Bonner auf dem Petersberg, wo sie auf einem Mäuerchen, mit großem Abstand zu anderen Wanderern, die Sonne genossen. Dennis: „Es ist auffällig, dass die Leute den Sicherheitsabstand wahren, sich aus dem Weg gehen. Wir haben unterwegs auch keine großen Gruppen gesehen.“ Dafür aber die Schilder des Ordnungsamtes, die auf das Verbot von Ansammlungen hinweisen. „Diese plötzlichen Restriktionen sind für uns, die wir in Freiheit aufgewachsen sind, ungewöhnlich. Aber wir sehen die Notwendigkeit ein“, meinte Dennis.

Begeisterte Wanderer sind Patrick (36) aus Düsseldorf und seine Partnerin Lucy (31) aus Bochum. Die Wanderroute im Siebengebirge hatten sie sich vorher im Internet herausgesucht. Start und Ziel der beiden: der Parkplatz auf der Margarethenhöhe. „Hier habe ich weniger Kontakt als beim Spaziergang in Düsseldorf“, gab der junge Mann zu bedenken, „hier kann man gut Abstand bewahren. Wir halten uns an den Appell.“

Mit dem Rennrad strampelte Olaf Boecker aus Alfter auf den Petersberg, seine Frau Anna wartete derweil unten auf ihn. „Wir fahren häufig ins Siebengebirge“, meinte der Radfahrer. „Und derzeit gibt es wenig Alternativen.“ Waldemar und Yvonne aus Bad Honnef waren mit ihren Söhnen Louis (7) und Luca (5) auf den Petersberg gewandert. „Wir sind oft im Siebengebirge unterwegs“, erzählte Waldemar. „Es fällt uns nicht schwer, wegen der Bestimmungen nur innerhalb der Familie zu sein. Wir genießen jetzt die Natur.“ Während Waldemar im Homeoffice arbeitet, hat Yvonne derzeit Kurzarbeit. Louis macht eifrig Hausaufgaben. Die Decke fällt den vier Honnefern aber nicht „auf den Kopf“. Die frische Luft genossen alle vier.