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Bad Honnef und Königswinter: So feiern die Partnerstädte Weihnachten

Bräuche in Schweden, England, Frankreich und Italien : So feiern die Partnerstädte des Siebengebirges Weihnachten

Christbaum und Kartoffelsalat mit Würstchen sind für viele Menschen im Siebengebirge unverzichtbare Bestandteile des Weihnachtsfestes. Doch wie sieht es in den Partnerstädten von Königswinter und Bad Honnef aus?

Tannenbaum und Bescherung? Okay. Aber Kartoffelsalat mit Würstchen zu Heiligabend wie in Deutschland? Da winkt nicht nur Anders Carlius ab. Der gebürtige Schwede ist stellvertretender Vorsitzender des Partnerschaftskomitees Bad Honnef/Ludvika. Und auch in den anderen Partnerstädten von Königswinter und Bad Honnef, Cleethorpes respektive North East Lincolnshire in Großbritannien, Cadenabbia in Italien, Berck-sur-mer und Cognac in Frankreich hält man es eher mit denen, die zum „Fest der Feste“ fürstlich tafeln.

Wie gefeiert wird, unterscheidet sich. Nicht indes, dass für die Kinder die Bescherung im Mittelpunkt steht und Weihnachten geprägt ist von speziellen Speisen, Dekorationen, dem Zusammensein mit der Familie – und Fernsehen. „Der kleine Lord“ spielt in Großbritannien aber keine Rolle. Stattdessen ist für Engländer jeden Alters die Queen’s Speech, also die TV-Rede der Königin, ein Muss. „Da sitzt die ganze Familie beisammen und guckt, was die Königin zu sagen hat“, weiß Monika Effelsberg, Vorsitzende des Partnerschaftsvereins Königswinter/North East Lincolnshire.

Donald Duck ist Schwedens Weihnachtsheld

Die Schweden stehen auf Walt Disney. Ihr Weihnachtsheld heißt „Kalle Anka“, in Deutschland besser bekannt als Donald Duck. In Frankreich trifft sich die Familie an Heiligabend zum Essen, für das es sogar einen eigenen Begriff gibt: „Reveillon de Noël“, erzählt Ludger Viehoff vom Partnerschaftskomitee Bad Honnef/Berck-sur-mer: „Es wird an nichts gespart. Ob Truthahn, Gans, Fisch oder Rind auf den Tisch kommt, ist zweitrangig, solange der Champagner gekühlt ist und das Menü mehrere Gänge umfasst.“

In England gibt es am ersten Weihnachtstag Truthahn, gerne mit Rosenkohl und Kartoffelpüree, wobei die Beilagenreste am Folgetag vermengt und gebraten als „Bubble and Squeak“ serviert werden. In Italien endet mit dem Weihnachtsmahl eine vierwöchige Fastenzeit, und in Schweden lockt neben dem Weihnachtsschinken „Janssons Versuchung“. Der Kartoffelauflauf mit Zwiebeln, Anchovis und Sahne gehört zum „Julbord“, dem Weihnachtsbüfett, das auch auch Lachs und Fleischbällchen umfasst. „Und immer fängt man mit Hering an“, sagt Carlius.

Italiener unterhalten sich bei landesweiter Tombola

Für Spannung sorgt in Italien eine landesweite Tombola, und in England eine Münze im Nachtisch, für die es ein extra Präsent gibt. Weil der „Christmas pudding“, eine Art Kuchen, Brandy enthält, ist er nichts für Kinder. Dafür werden im Norden Frankreichs, wo Berck liegt, Kinder mit einem Brioche-Gebäck in Muschelform beglückt, das dem Jesuskind in Windeln ähneln soll. Wie in Schweden feiert man auch in Italien das Fest der heiligen Lucia. An die Botin des Lichts erinnert dort das weiße Nougatkonfekt „torrone dei poveri“, das traditionell an Bedürftige verschenkt wird. Statt Plätzchen ist in Italien auch der Hefenapfkuchen Panettone ein wichtiges Weihnachtsgebäck.

Unüberhörbar markieren Kanonenschüsse in Italien den Auftakt des Fests. In England knallen beim Weihnachtsessen „Christmas Cracker“, Knallbonbons. Darin steckt je nach Ausführung ein Hut oder eine Krone aus buntem Papier, „die man auch während des Essens anbehält“, erklärt der Königswinterer Kulturamtschef Ulrich Berres. Er reist seit vielen Jahren nach Cleethorpes, um als Nikolaus die Kinder zu bescheren.

Christbäume mittlerweile auch in Frankreich und Italien verbreitet

„Den weißen Bart musste ich mir zu Anfang noch vom hiesigen Bacchus ausleihen“, sagt er. Mittlerweile ist sein eigener stattlich genug. In Albe und Mitra sorgt er dann für Aufsehen. Wie in anderen Ländern kennen die englischen Kinder eher den Weihnachtsmann mit roter Kutte, weißem Pelzkragen und Zipfelmütze. Sie fragen besonders nach dem Bischofsstab. „Die Kinder sind dort oft ehrfürchtiger als hier.“

Christbäume haben im Lauf der Zeit auch in Italien und Frankreich mehr und mehr Einzug gehalten. In England wird die (Plastik-)Tanne so bunt wie möglich geschmückt: „Es muss blinken und funkeln, und eine bunte Lichterkette darf es auch sein“, hat Berres festgestellt. Die Schweden schätzen es zurückhaltender und klassisch mit roten Kugeln. Sie öffnen die schon vorher unterm Baum liegenden Geschenke an Heiligabend. In Frankreich, England und Italien werden am ersten Weihnachtsfeiertag morgens die Päckchen ausgepackt.

Und in Italien gibt es im neuen Jahr noch eine Bescherung, berichtet Rode-Lüttges: „La befana, die gute Hexe, kommt in der Dreikönigsnacht durch den Schornstein, um artigen Kindern Geschenke und den unartigen Kindern kleine Kohlestückchen in den Schuhen zu hinterlassen.“