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Bares für Rares von Schloss Drachenburg: Interview mit Horst Lichter

Interview mit Horst Lichter : Am Mittwochabend kommt „Bares für Rares“ von Schloss Drachenburg

Das ZDF sendet am Mittwoch eine von zwei Spezialausgaben von „Bares für Rares“ - gedreht auf Schloss Drachenburg und erstmals ohne Live-Publikum. Im GA-Interview erklärt Moderator Horst Lichter, wie ihn das beeinflusst und welche Fehler Verkäufer auf keinen Fall machen sollten.

Als im Juni auf Schloss Drachenburg zum wiederholten Male eine Spezialausgabe für die Trödelshow „Bares für Rares“ gedreht wurde, war alles ein wenig anders als sonst. Coronabedingt wurde ohne Zuschauer gedreht, außerdem mussten die Dreharbeiten aufgrund eines Brandes im Schloss vorübergehend unterbrochen werden. Am Mittwochabend (20.15 Uhr) wird nun die erste von zwei Sendungen im ZDF gezeigt. Eine Konstante gibt es dabei: Moderator Horst Lichter.

Als Koch wurde er durchs Fernsehen bekannt, doch seit Jahren macht Lichter vor allem als Trödel-König des ZDF auf sich aufmerksam: Seine Show „Bares für Rares“, in der die Kandidaten ihre geerbten Antiquitäten oder vergilbten Krimskrams meistbietend verkaufen wollen, avancierte zu einer Lieblingssendung der Fernsehzuschauer – mit Traumquoten am Nachmittag. Vor der Show am Mittwochabend traf der GA Horst Lichter zum Interview.

Herr Lichter, zurzeit gilt bei vielen Gelegenheiten die Maskenpflicht. Ist das ein Problem für Sie als Träger eines stattlichen Schnurrbarts, der ja zu Ihren Markenzeichen zählt?

Horst Lichter: Nein, natürlich nicht. Ich verrate Ihnen ein Geheimnis: Mein Schnurrbart ist nur getrimmt, wenn ich vor der Kamera stehe oder bei öffentlichen Anlässen unterwegs bin.

Was bedeutet das?

Lichter: In meiner Freizeit trage ich das Haar offen. Deswegen kann ich auch wunderbar eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. Außerdem bin ich nicht eitel genug, dass mir das als Problem erscheinen würde.

Die beiden neuen Abend-Ausgaben von „Bares für Rares“ wurden im Juni auf der Drachenburg ohne Live-Publikum aufgezeichnet. Ein Problem für den Menschenfreund Lichter?

Lichter: Selbstverständlich fehlt mir das Publikum. Denn die Stimmung, die wir erzeugen, wenn Tausende von Menschen bei solchen Sondersendungen dabei sind – die kann man nicht ersetzen: wenn die Menschen mitfiebern, wenn sie mit mir gemeinsam lachen.

Wie lustig geht es denn normalerweise am Set zu?

Lichter: Bevor die Expertise startet, treffe ich mich mit dem Publikum zu einer Art Warm-up und mache halt mit den Menschen viel Blödsinn – das fehlt mir, gar keine Frage. Wir hatten dieses Mal auch sehr viel zusätzliche Arbeit.

Was hat Ihnen besonders zu schaffen gemacht?

Lichter: Es war für das gesamte Team alles etwas anstrengender, weil beispielsweise jedes Störgeräusch unterbrochen werden musste, was man vorher durch die Menschen nicht gehört hat. Nichtsdestotrotz hatten wir mit dem Team sehr viel Freude. Es war wieder ein fantastisches Erlebnis – und die Fälle sind echt Hammer.

Können Sie schon verraten, welche Besitztümer Ihre Gaststars Felix Neureuther und Vanessa Mai verkaufen?

Lichter: Nein, das kann und will ich nicht verraten. Ich kann schließlich nicht die ganze Spannung vorwegnehmen.

Als teuerstes Objekt seit dem Start von „Bares für Rares“ wechselte in der Sendung ein diamantbesetztes Kreuz für 42.000 Euro den Besitzer. Werden Sie bei solchen Kostbarkeiten nervös?

Lichter: Ich blende eine solche Summe lieber aus, für mich sind die Faszination für den Gegenstand und die Emotionen der Verkäufer wichtig. Wie sind die Menschen? Wie viele Emotionen stehen dahinter? Zu sehen, was da passiert, mal eine Tragödie, mal eine Komödie, ist für mich jedes Mal absolut faszinierend. Da ist der Wert des Gegenstandes wirklich zweitrangig.

Haben Sie selber schon mal spontan zugeschlagen, weil das Objekt eines Verkäufers Ihnen so gut gefallen hat?

Lichter: Ich habe selbstverständlich von den Händlern schon einmal im Nachgang etwas gekauft. Das ist aber auch schon länger her. Da muss ich dann natürlich mit den Händlern verhandeln, weil sie eben Händler sind. Die wollen und müssen Geld verdienen. Es ist insgesamt aber relativ selten, dass ich etwas kaufe.

Welchen Fehler dürfen die Verkäufer auf keinen Fall machen, wenn sie mit den Händlern feilschen?

Lichter: Sich schon zu früh freuen, wenn sie bei dem Ergebnis angekommen sind, das sie gern hätten. Man muss ein bisschen pokern. Und man sollte auf jeden Fall extrem höflich sein.

Warum das?

Lichter: Bei Arroganz reagieren die Händler immer ganz komisch und reserviert. Und wenn jemand unverschämt wird, reagieren die Händler erst recht komisch. Denn sie wissen schon, welcher Gegenstand welchen Wert hat.

Wie taktieren die Händler in der Regel?

Lichter: Nur manchmal gehen sie weit über den Schätzwert, weil sie vielleicht einen Käufer im Hintergrund haben, oder einen Sammler, oder selber persönlich unheimlich Freude an Objekt haben. Wenn allerdings ein Wettkampf zwischen den Händlern entsteht, kommt besonders viel Freude auf.

„Bares für Rares“ läuft seit 2013 mit nachhaltig großem Erfolg. Wieso ist die Sendung so beliebt beim Publikum?

Lichter: Weil die Sendung einfach ehrlich ist, auch wenn immer mal wieder Stimmen laut werden von Neidern oder missgünstigen Menschen – oder Menschen, die das Sendeformat gar nicht kennen.

Es standen schon mal Fake-Vorwürfe im Raum. Was sagen Sie dazu?

Lichter: Natürlich wird schon vorher ausgewählt, welches Objekt zur Expertise kommt, aber das geht nicht nach Schönheit, Alter oder Wert des Gegenstandes.

Sondern?

Lichter: Es geht darum, eine schöne und schlüssige Mischung für jede Sendung zu erreichen. Sonst könnte es zum Beispiel passieren, dass innerhalb einer einzigen Folge beispielsweise vier Kaffeekannen ins Angebot kommen.

Was passiert denn genau vor einer Sendung?

Lichter: Die Händler werden niemals im Vorfeld erfahren, was an Objekten auf sie zukommt. Und die Experten bekommen vor der Sendung vom jeweiligen Verkäufer maximal ein Foto und eine Beschreibung des Gegenstandes geliefert, damit sie Informationen recherchieren können. So können sie vielleicht den Maler oder ähnliche Daten und Fakten schon einmal für sich heraussuchen. Das Originalteil bekommen sie maximal eine Stunde vorher zur Vorbesichtigung zu sehen.

Im Mai lief die 1000. Folge der Nachmittagsausgaben von „Bares für Rares“. Wie lange werden Sie die Show noch machen?

Lichter: Selbstverständlich solange wie möglich. Warum sollte ich aufhören, wenn mir und den Menschen die Sendung solch eine Freude bereitet? Und das Leben ist dafür da, dass man etwas tut.

Dem Publikum wurden Sie ursprünglich als Fernsehkoch bekannt. Kochen Sie daheim noch, oder steht Ihre Frau am Herd?

Lichter: Und somit ist die Frage schon beantwortet: Mein Schatz kocht zu Hause – und das seit vielen, vielen Jahren. Wie sage ich immer: Ein Schuster, der macht sich selten selber ein Paar neue Schuhe, und meine Frau kocht mit so viel Liebe und so fantastisch – da werde ich mich raushalten. Ich koche trotzdem gern, aber nicht mehr so oft.

Sie waren neulich Gast bei Günther Jauchs Promi-Ausgabe von „Wer wird Millionär?“. Da wurde ein Foto aus Ihren alten Bodybuilder-Tagen gezeigt. Stemmen Sie heute noch Hanteln?

Lichter: Heute hält mich hauptsächlich unser Hund Stella fit. Ich habe mir allerdings trotzdem eine eigene Waage eingebaut.

Wie funktioniert die?

Lichter: Wenn der Gürtel zu eng wird, dann esse ich weniger oder bewege mich mehr. Ich bin kein Sport-Maniac, aber ich bewege mich viel, arbeite körperlich sehr gern zu Hause. Und ich glaube, die beste Diät ist: Maß halten. Beim Essen, beim Trinken, beim Vergnügen, bei der Arbeit. Maß halten bedeutet für mich auch, seinen Mitmenschen mit Höflichkeit und Respekt zu begegnen. Das ist meine Philosophie.

Sie sind ein begeisterter Freund des Reisens. Ein derzeit eingeschränktes Vergnügen. Planen Sie für diesen Sommer trotzdem eine Reise?

Lichter: Ach, die schönste Reise, die wir gemacht haben, war – tatsächlich wegen Corona – die Reise zu uns selber. Und das sollte man auch mal nutzen. Ich plane für den Sommer keine Reise, außer – das kann ich schon mal andeuten: Es wird eine neue Folge der ZDF-Reihe „Suche nach dem Glück“ geben, und da werden wir dieses Jahr etwas ganz Besonderes unternehmen. Mehr darf ich nicht verraten.

Unlängst haben Sie Ihr Haus im Schwarzwald verkauft, um ins Rheinland zu ziehen. Wie haben Sie Ihre neue Bleibe eingerichtet?

Lichter: Weder voller Erinnerungsstücke, noch spartanisch. Sondern unendlich gemütlich. Ein Zuhause zum Wohlfühlen. Der Rest ist privat. Und bleibt auch privat.

Ihre Sammelleidenschaft ist hinlänglich bekannt. Fällt es Ihnen schwer, sich beim Umzug von Gegenständen zu trennen?

Lichter: Nein. Ich hatte mein Leben lang jedenfalls kein Problem damit. Wenn von irgendetwas die Zeit vorbei ist, ist sie vorbei. Und der Umzug war keine Zwangsmaßnahme, sondern eine gut überlegte Entscheidung. Man redet in Ruhe darüber, und dann kommt man zu dem Entschluss: Das da kann gehen, und das da möchte ich behalten. Schwer fällt mir das nicht, weil ich alle Dinge in Erinnerung behalte.