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Königswinter: Bau des neuen Hallenbads verzögert sich und wird teurer

Königswinter : Bau des neuen Hallenbads verzögert sich und wird teurer

Durch den langwierigen Einsatz des Kampfmittelräumdienstes wird der Neubau des Königswinterer Hallenbads auch teurer.

Keine erfreulichen Nachrichten zum Neubau des Königswinterer Hallenbades hatte Projektsteuerer Matthias Ring aus Berlin mitgebracht. Das neue Bad wird teurer und erst später fertig, lautete am Montagabend seine Botschaft für die Mitglieder des Haupt-, Personal- und Finanzausschusses. Auch die 2,5 Millionen Euro, mit denen der Bund angeblich das Projekt unterstützen wollte, sind in Frage gestellt.

„Wir haben gerade eine extrem starke Arbeitsphase auf der Baustelle. Der Tiefbau ist abgeschlossen und der Rohbau hat angefangen“, sagte Ring zu Beginn seiner Ausführungen. Er signalisierte damit, dass es nach holprigem Start nun endlich voran geht. Der schwierige Auftakt hat indes erhebliche Auswirkungen auf Kosten und Zeitplan.

Puffer beinahe vollständig aufgebraucht

Zur Erinnerung: Im September 2019 hatte die Politik einer Budgeterhöhung um 1,3 Millionen Euro auf 10,9 Millionen Euro zugestimmt, nachdem sich der alte Kostenrahmen nach Vorliegen der Submissionsergebnisse nicht mehr hatte halten lassen. In der Prognose kalkulierte der Projektsteuerer damals auch 253.000 Euro für Unvorhergesehenes ein.

Dieser Puffer ist bereits jetzt fast vollständig aufgebraucht, was mehrere Gründe hat: So war der Kampfmittelräumdienst nach dem Abriss des alten Hallenbades, der im November begann, sehr viel länger auf der Baustelle im Einsatz als geplant, was in erster Linie der problematischen Topografie geschuldet war.

Das Hallenbad wird auf dem Gelände einer ehemaligen Kiesgrube gebaut. Bereits das alte Bad stand auf Betonpfählen, die zwölf Meter tief in die Erde reichten. Dies erschwerte, verzögerte und verteuerte die Arbeit des Räumdienstes.

Die Verzögerung hatte wiederum zur Folge, dass mit dem Rohbau erst später begonnen werden konnte, was ebenfalls zu einer Verteuerung führen dürfte. Teurer wird auch die Entsorgung des schadstoffbelasteten Bodens. Auch ein neuer Trafo muss für das Hallenbad angeschafft werden. All dies summiert sich zu zusätzlichen Kosten in Höhe von 249.000 Euro, die noch im März nicht abzusehen waren. Die Wahrscheinlichkeit, dass am Ende auch die 10,9 Millionen Euro nicht mehr ausreichen werden, ist nun ziemlich groß.

„Wir haben nach der Verzögerung durch den Kampfmittelräumdienst alle Firmen angeschrieben, ob sie die Bauzeiten und das Budget einhalten können“, berichtete Ring. Dabei handelt es sich um 18 Unternehmen, die bisher noch gar nicht zum Einsatz gekommen sind.

Suche des Kampfmittelräumdienstes blieb ergebnislos

Obwohl der Kampfmittelräumdienst ergebnislos nach Hinterlassenschaften aus Kriegszeiten suchte, führt sein langwieriger Einsatz dazu, dass der bisher stets mit April 2021 angegebene Fertigstellungstermin des Hallenbades jetzt auf August 2021 geschoben werden muss.

Der Rohbau wird wohl erst im Dezember statt im Oktober dieses Jahres stehen. „Das besonders Traurige daran ist, dass temperatursensible Arbeiten am Dach und am Wärmeverbundsystem voraussichtlich verschoben werden müssen“, so Ring. In der Prognose sei auch kein Risikopuffer für extreme Witterungssituationen oder Ausfälle von Firmen enthalten. Das heißt, es könnte also noch später werden, was im Sommer 2021 durch das Freibad aber relativ gut aufgefangen werden kann.

Fraglich ist auch, ob die Stadt tatsächlich in den Genuss von 2,5 Millionen Euro aus dem Förderprogramm des Bundes „Sanierung kommunaler Einrichtungen“ kommen wird.

Dies hatten die Bundestagsabgeordneten Norbert Röttgen CDU) und Sebastian Hartmann (SPD) im März verkündet. „Es ist absolut unklar, wieviel wir bekommen“, sagte Dezernentin Heike Jüngling. Die Verwaltung war von der erfreulichen Nachricht aus Berlin überrascht worden, nachdem sie bereits im Jahr 2018 ihre Bewerbung eingereicht hatte. „Der Bund hat dann im Dezember 2019 Geld in das Programm nachgeschossen, gleichzeitig aber die Förderbedingungen nicht angepasst“, sagte Jüngling dem General-Anzeiger.

So könnte es jetzt etwa sein, dass das Königswinterer Hallenbad nicht förderungsfähig sei, weil mit dem Bau bereits begonnen wurde. Dabei liege es doch auf der Hand, dass Kommunen nach so langer Zeit mit ihren Projekten gestartet seien, so Dezernentin Heike Jüngling weiter. Zurzeit laufe hier ein sehr aufwendiges Verfahren.