Nachbarn lassen illegalen Anbau auffliegen Besitzer der Hanfplantage von Heisterbacherrott muss ins Gefängnis

Heisterbacherrott · Vor dem Bonner Landgericht ist ein bereits einschlägig vorbestrafter Mann wegen Drogenhandels zu viereinhalb Jahren Haftstrafe verurteilt worden. Aufgeflogen war er, weil den Nachbarn einer von ihm gemieteten Gewerbehalle in Heisterbacherrott nicht ganz koscher war, was dort hinter großflächig zugeklebten Fenstern geschah.

In dieser früheren Schreinerei in Heisterbacherrott, die der Angeklage gemietet hatte, entdeckten die Ermittler 1073 Hanfpflanzen.

In dieser früheren Schreinerei in Heisterbacherrott, die der Angeklage gemietet hatte, entdeckten die Ermittler 1073 Hanfpflanzen.

Foto: Ralf Klodt

Ein Drogenproduzent aus Niederkassel muss für viereinhalb Jahre ins Gefängnis: Wie erst am Freitag bekannt wurde, hatten die Richter der 16. Großen Strafkammer am Bonner Landgericht den Mann bereits am 15. Februar wegen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge verurteilt. Das bestätigte Gerichtssprecherin Gerlind Keller dem GA auf Nachfrage. Der Verurteilte hatte im Königswinterer Höhenort Heisterbacherrott eine illegale Cannabisplantage betrieben.

Schon zu Beginn des Prozesses am hatte der Angeklagte eingeräumt, dass er die Plantage in der angemieteten Halle betrieben hatte, und so dauerte die Urteilsbegründung auch nur ganze zehn Minuten. Es war allerdings nicht die erste Plantage, die der Verurteilte geführt hat – er stand zum Tatzeitpunkt wegen einer ähnlich gelagerten Tat unter laufender Bewährung.

Exakt ein Jahr zuvor war der 47-Jährige schon einmal verurteilt worden. Das Amtsgericht Siegburg verhängte damals eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten. Dass er auch diesmal wieder aufgeflogen ist, ist einem Tipp seiner Nachbarn geschuldet. Denen war ein seltsames Brummen aufgefallen, das aus der ehemaligen Schreinerei in der Sackgasse Am Nikolausbach zu kommen schien.

Außerdem waren sämtliche Fenster des Gebäudes von außen abgeklebt, was den Anwohnern ebenfalls recht merkwürdig vorkam. Wer hinter der mutmaßlichen Plantage stecken könnte, erfuhr die Polizei dann während einer Telefonüberwachungen anderer observierter Personen. Immer wieder fiel in den abgehörten Gesprächen der Name des nun Verurteilten.

Bei ihrem Zugriff am 26. September vergangenen Jahres entdeckten die Drogenfahnder dann 1073 bis dato gut gediehene Marihuanapflanzen in dem Gebäude, die knapp zweieinhalb Kilo konsumfähigen Cannabiskrauts ergaben. 54 Gramm des Wirkstoffs Tetrahydrocannabinol, kurz THC, maßen die Fachleute der Polizei in der insgesamt 2397 Gramm schweren Ernte.

Ermittler finden 1073 bis dato gut gediehene Marihuanapflanzen

Geplant war aber weit mehr: Die ausgewachsenen Pflanzen der Indoor-Plantage hätten circa 33 Kilo verkaufsbereites „Gras“ bringen sollen. In der Niederkasseler Wohnung des Mannes stellten die Fahnder dann noch weitere knapp 13 Kilogramm konsumfähiges Marihuana und einen Sportwagen sicher. Obwohl das Gericht deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft geblieben war, die in ihrem Plädoyer ein ganzes Jahr Gefängnis mehr gefordert hatte, hat die Verteidigung des 47-Jährigen Revision beantragt.

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