Zukunft von Buchhandlungen Buchhändler sind trotz Schließung in Heisterbacherrott optimistisch

Siebengebirge · Mit dem Buchladen von Gaby Seeger in Heisterbacherrott verschwindet ein weiterer Vertreter seiner Art von der Bildfläche. Anfang Juli ist dort Schluss. Wie Kolleginnen und Kollegen aus anderen Buchhandlungen im Siebengebirge die Situation einschätzen, haben sie dem General-Anzeiger geschildert.

 Auch in der Buchhandlung Werber finden regelmäßig Lesungen statt, so wie hier mit Krimi-Autor Wolfgang Kaes. Die Buchhändler im Siebengebirge stemmen sich vielfach gegen den Online-Trend.

Auch in der Buchhandlung Werber finden regelmäßig Lesungen statt, so wie hier mit Krimi-Autor Wolfgang Kaes. Die Buchhändler im Siebengebirge stemmen sich vielfach gegen den Online-Trend.

Foto: Homann

Nur noch wenige Wochen ist geöffnet: Nach 22 Jahren gibt Gaby Seeger ihren Buchhandel in Königswinter-Heisterbacherrott auf, schweren Herzens aber am Ende unvermeidlich, wie sie berichtet. Nicht zuletzt das Geschäftssterben im Ort generell hat seinen negativen Beitrag dazu geleistet, dass der Inhaberin am Ende der Elan fehlte, gegen den Trend anzuschwimmen, wie sie sagt. Der General-Anzeiger hat sich umgehört, wie es um die Stimmung der Buchhändler im Siebengebirge bestellt ist.

Und dabei herausgefunden: Andere Buchhändler im Siebengebirge blicken recht optimistisch in die Zukunft. Silke Kornstädt etwa hat erst vor einem Jahr die Dollendorfer Bücherstube an der Heisterbacher Straße von Anne Alfen übernommen, die 27 Jahre lang den Laden geführt hatte. „Wir haben eine große Stammkundschaft und der Laden liegt sehr gut und verkehrsgünstig“, sagt Kornstädt, vormals Geschäftzsführerin der gemeinnützigen Stadtjugendring Bad Honnef GmbH. Die Menschen würden ihre Besorgungen in den umliegenden vielen Geschäften machen und dabei auch Bücher kaufen.

Mit dem ersten Jahr sei sie denn auch zufrieden, so Kornstädt. Allerdings, so gesteht sie zu: „Wir leben aber auch in einer Blase. Unsere Kunden wollen auf keinen Fall bei Amazon bestellen. Sie wollen das Buch im Laden in die Hand nehmen und auch beraten werden“, so die Buchhändlerin. Aber man habe natürlich auch einen eigenen Webshop, ergänzt sie.

Leonhard Millinger, seit 1993 Geschäftsführer der Buchhandlung Seidel & Millinger in Oberpleis, sieht die Entwicklung differenziert, aber auch recht positiv. „Bücher sind nach wie vor gefragt. Wir können uns nicht beklagen“, sagt er. Die Buchpreisbindung sei für die kleineren Läden gegenüber den bundesweit agierenden Buchhandelsunternehmen existenziell. Als großer Konkurrent bleibe Amazon. E-Books hätten auch einen gewissen Anteil am Umsatz, aber nicht mehr. „Viele Leute nehmen sie mit in den Urlaub, zu Hause lesen sie aber lieber das gedruckte Buch. Die Haptik ist dabei sehr wichtig.“

Umsatz auf Vor-Corona-Niveau

Der Umsatz habe das Niveau vor Corona wieder erreicht, wobei der Zuspruch auch während der Pandemie extrem gut gewesen sei. Die Zeiten, als die Menschen aus den umliegenden Orten nach Oberpleis zum Einkaufen gekommen seien und man Kunden aus Asbach und Buchholz gehabt habe, seien hingegen vorbei, so der Einzelhändler. „Mittlerweile hat fast jeder Ort sein eigenes Einkaufszentrum.“ Ein wichtiger Faktor beim Umsatz sei aber nach wie vor das Schulzentrum.

Ulrike Helmling von der Buchhandlung Werber in Bad Honnef macht inzwischen drei Kreuze, dass ihr Laden nicht in der Fußgängerzone, sondern an der belebten Hauptstraße liegt. „Bei uns gibt es direkt nebenan den Metzger, den Bäcker und die Banken“, sagt die Buchhändlerin, deren Team ebenfalls regelmäßig Lesungen anbietet oder an anderer Stelle mitorganisiert. Auch viele Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Kinder der Schulen kämen bei ihr einkaufen.

„Nachdem der Umsatz Ende 2022 und 2023 wegen der explodierenden Kosten eingeknickt ist, sind wir 2024 wieder mehr in der Spur“, berichtet die Inhaberin der Traditionsbuchhandlung Werber, die es schon über Generationen gibt. Wirklich bedrohlich sei die Lage aber nie gewesen, weil sie sehr nette Vermieter, großartige Kunden und das beste Team, das man sich vorstellen könne, habe. „Ich kann im Moment wirklich nicht jammern.“

Kürzlich erst hatte sie ein Angebot, zusätzlich einen kleinen alteingesessenen Buchladen in Linz zu übernehmen. „Ich habe dann jedoch entschieden, lieber die Kräfte in Bad Honnef zu bündeln.“ Und: Seit der Aufgabe des Buchladens in Linz, kämen jetzt auch Kunden von dort nach Bad Honnef.