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Mehr Bürgerbeteiligung in Königswinter: Bürgermeister übernimmt Schirmherrschaft über Forum Ehrenamt

Mehr Bürgerbeteiligung in Königswinter : Bürgermeister übernimmt Schirmherrschaft über Forum Ehrenamt

Bürgermeister Lutz Wagner hat offiziell die Schirmherrschaft für das Forum Ehrenamt in Königswinter übernommen. Zwei „Großbaustellen“ nehmen er und Jochen Beuckers, Chef des Forums Ehrenamt, jetzt ins Visier.

Das Forum Ehrenamt hat offiziell einen neuen Schirmherrn: „Diese Aufgabe zu übernehmen, ist alles andere als ein Automatismus für mich“, beschreibt Bürgermeister Lutz Wagner seine neue Rolle, die zuletzt sein Vorgänger Peter Wirtz wahrgenommen hatte. „In Königswinter spielt ehrenamtliche Arbeit eine große Rolle, das möchte ich weiterhin fördern.“

In enger Zusammenarbeit mit der Königswinterer Freiwilligenagentur möchte die Stadt nun zwei Projekte dezidiert angehen: Die Stärkung des Ehrenamts  und die Etablierung eines Modells zur Bürgerbeteiligung.

Enger Austausch über konkreten Ablauf

Mit dem Vorsitzenden des Forums Ehrenamt, Jochen Beuckers, befinde er sich im engen Austausch, wie das konkret ablaufen soll. „Während der Corona-Pandemie gab es in Königswinter eine Welle der Hilfsbereitschaft, das hat mich total begeistert“, so Beuckers.

Das Forum Ehrenamt hatte bereits im März 2020 in Kooperation mit der Stadt die „Corona-Hilfe Königswinter“ ins Leben gerufen, die bis heute besteht. Ob Einkaufshilfe, Gassi gehen, Kontakt über das Telefon halten, Postkarten für Senioren- und Behindertenheime schreiben, Masken nähen – die Hilfsangebote waren und sind vielfältig.

Ähnlich verhält es sich auch mit der Nachbarschaftshilfe oder den Hilfsangeboten nach den jüngeren Starkregenereignissen in der Königswinterer Bergregion. „Ehrenamt ersetzt aber nicht die Verantwortung des Staates oder der Kommunen“, stellt Beuckers klar.

Senioren und Schüler mit besonderen Bedürfnissen

In den vergangenen anderthalb Jahren während der Pandemie hätten sich in Königswinter, so Beuckers, „auch Bruchstellen gezeigt, bei denen es Handlungsbedarf gibt“. Zwei Personengruppen seien hierbei besonders mit Bedürfnissen aufgefallen: Senioren und Schüler.

„Im Hinblick auf eine alternde Gesellschaft werden Fragestellungen wie selbstständiges Leben im Alter immer wichtiger“, so Beuckers. Mit Projekten wie der Nachbarschaftshilfe werde hier schon viel getan, doch gebe es noch Potential und auch Probleme, die so nicht gelöst werden können. Ähnlich verhalte sich die Situation bei  Schülern, die durch die Pandemie nicht nur soziale Kontakte, sondern auch Lernkompetenzen eingebüßt hätten.

Hier soll ein Lernpatenprojekt Abhilfe schaffen: „Das ersetzt nicht die Arbeit in den Schulen, doch können Schüler so zusätzlich unterstützt werden“, meint Beuckers. Nach den Herbstferien soll das Projekt starten, das Forum Ehrenamt wird wie gewohnt die Rahmenbedingungen, wie etwa die Kontaktvermittlung zu den Schulen, schaffen.

Projekte wirken „im Kleinen“

Auch, wenn solche Projekte vor allem im „Kleinen“ wirken: „So fängt die Gestaltung von Gesellschaft an“, ist Lutz Wagner überzeugt. Zudem soll die zusätzliche Unterstützung und Beratung von Königswinterer Vereinen und Initiativen im Fokus stehen, da die Corona-Pandemie auch hier ür oft unüberwindbare Probleme gesorgt habe.

Die zweite „Großbaustelle“, die das Forum Ehrenamt gemeinsam mit dem Bürgermeister als Schirmherr angehen will, ist das Thema Bürgerbeteiligung, das sich Wagner nach eigener Aussage bereits seit Jahren „auf die Fahne geschrieben“ hat. „Wir möchten frühzeitig strittige Themen erkennen, auf die Einwohner in Königswinter zugehen und auf Augenhöhe mit ihnen sprechen“, erklärt Wagner das Anliegen. „Ein Dialog zwischen Bürgerschaft, Politik und Verwaltung soll entstehen.“

Das Forum Ehrenamt ist seit 2015 Teil des Netzwerks „Engagierte Stadt“, in dem Städte gefördert werden, die sich bürgerschaftlichem Engagement verschrieben haben. Bürgerbeteiligung bei kommunalen Entscheidungsprozessen ist hierbei eine der Säulen des Selbstverständnisses als „engagierte Stadt“. Durch das Netzwerk könne Königswinter auch von den Erfahrungen von Städten, die bereits in der Bürgerbeteiligung aktiv sind, profitieren.

Positionen der Bürger stärker berücksichtigen

Wagner: „Bei Themen wie beispielsweise Bauprojekten und Quartiersentwicklung gibt es viele verschiedene Interessen, und da wollen wir miteinander ins Gespräch kommen.“ Hier brauche es mehr als eine Bürgerversammlung, um etwa Ansprüchen an Barrierefreiheit gerecht zu werden. Wagner: „Letztendlich trifft die Politik die Entscheidungen, doch auf dem Weg dahin müssen Positionen der Bürger stärker berücksichtigt werden.“

Aktuell wird im Rathaus eine Stabsstelle für Bürgerbeteiligung aufgebaut. Im Herbst soll auf einer Sitzung des neuen Bürgerbeteiligungs-Ausschusses über die Entwicklung von Leitlinien für den Beteiligungsprozess entschieden werden.

„Als Nächstes werden wir dann, im Dialog mit den Bürgern, die verschiedenen Beteiligungsformate entwickeln“, so Wagner. Mit bestimmten partizipativen Elementen, wie etwa Bürgerworkshops, habe die Stadt auch schon gute Erfahrungen gemacht. „Wir müssen nicht das Rad neu erfinden, wollen aber auch Menschen erreichen, die sich bisher nicht beteiligt haben, zum Beispiel Kinder und Jugendliche.“

Themen identifizieren und Kontakte herstellen

Zusammen mit den Menschen in Königswinter sollen Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung entwickelt und umgesetzt werden. „Eigentlich sollten wir Einwohnerinnen und Einwohner sagen, denn es soll um die Menschen gehen, die hier wohnen“, fügt Wagner an. Sachzwänge, denen die Kommunalpolitik unterlegen ist, sollen mit mehr Dialog zwischen Verwaltung und Bürgern besser vermittelt werden können.

Aufgabe des Forums Ehrenamt soll es hierbei sein, Themen zu identifizieren und Kontakte zu Vereinen und Initiativen herzustellen und zu vertiefen. Wagner: „Wir freuen uns auf eine herausfordernde Zeit.“