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Materiallager der Bundeswehr: Bundeswehr investiert 17 Millionen Euro in Eudenbach

Materiallager der Bundeswehr : Bundeswehr investiert 17 Millionen Euro in Eudenbach

Militärische Prominenz war zur offiziellen Eröffnung des Materiallagers der Bundeswehr nach Eudenbach gekommen: 83 Mitarbeiter werden dort künftig Dienst tun, rund 17 Millionen Euro investiert die Bundeswehr. Dabei hatte es für den Standort lange Zeit nicht gut ausgesehen.

Künftig werden von den 83 Mitarbeitern im reaktivierten Materiallager der Bundeswehr in Eudenbach nur vier Soldaten, alle anderen zivile Beschäftigte, sein. Die drei Generäle, die zur Wiedereröffnung der Einrichtung kamen, glichen da schon einer großen Ansammlung militärischer Prominenz.

Generalleutnant Martin Schelleis, Inspekteur der Streitkräftebasis, enthüllte zusammen mit Königswinters Bürgermeister Lutz Wagner das Wappen, das vom Mutterdepot in Mechernich übernommen wurde und demnächst über dem Eingangstor seinen Platz finden wird.

Generalmajor Gerald Funke, Kommandeur des Logistikkommandos in Erfurt, und Brigadegeneral Klaus Frauenhoff (Wilhelmshaven) erlebten auch mit, wie Schelleis anschließend gemeinsam mit der Bundestagsabgeordneten Nicole Westig (FDP) symbolisch das Band durchtrennte.

Offizielle Eröffnung hatte sich verzögert

Am 1. April wurde die Arbeit vor Ort wieder aufgenommen, die offizielle Eröffnung verzögerte sich jedoch wegen der dritten Welle der Corona-Pandemie. „Heute ist für unsere Stadt ein sehr guter Tag“, sagte Wagner.

In der großen Zahl der Gäste, unter ihnen auch der 1. Beigeordnete der Verbandsgemeinde Asbach, Marcus Harf, und der Buchholzer Ortsbürgermeister Konrad Peuling, sah er ein Indiz für den Stellenwert des Materiallagers, die einzige Einrichtung der Bundeswehr in Königswinter.

Der Bürgermeister erinnerte auch daran, dass der Stadtrat jahrelang über alternative Nutzungsmöglichkeiten diskutiert habe, nachdem die Bundeswehr im Jahr 2011 den Beschluss, das Materiallager aufzugeben, gefasst hatte. So gab es eine Projektidee des Rhein-Sieg-Kreises, einen Teil des Areals als Zwischenlager für Papier, Biomasse-Brennstoff und Kompost zu nutzen. Weitere Flächen sollten renaturiert werden.

16 Lagerhallen auf 32 Hektar großem Gelände

2017 wurde das Materiallager geschlossen. 2018 wurde das 32 Hektar große Gelände mit seinen 16 Lagerhallen und sonstigen Gebäuden der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben zur Vermarktung übergeben. Bereits 2019 gab es dann einen Rückzieher. Es wurde beschlossen, Eudenbach wie auch sieben andere Lagereinrichtungen im Bundesgebiet zu reaktivieren.

Für Schelleis steht die Geschichte des Materiallagers Eudenbach sinnbildlich für die Rolle der Bundeswehr in der Gesellschaft. Die naive Annahme, dass Deutschland nach Ende des Kalten Krieges nur noch von Freunden umgeben sei, habe dazu geführt, Lagerbestände aufzulösen.

Nicht erst die Corona-Pandemie habe jedoch gezeigt, dass Versorgungsketten nicht immer funktionieren. „Fehlende Ersatzteile führten dazu, dass Flugzeuge nicht fliegen und Schiffe nicht fahren konnten, weil Material aus Kostengründen nicht bevorratet wurde“, so Schelleis. Insofern sei die Wiedereröffnung ein Tag mit Signalwirkung für die ganze Bundeswehr. „Wir wachsen. Es geht wieder aufwärts“, so der Drei-Sterne-General.

Investionen in Höhe von 17 Millionen Euro

Bis zum Jahr 2023 soll das Materiallager voll in Betrieb sein. Die Investitionen in die Bauunterhaltung werden erst 2025 abgeschlossen sein. 17 Millionen Euro werden in den Standort investiert. „Hier entsteht ein fortschrittliches Lager“, so Schelleis. Die Gebäude werden saniert, Regalsysteme installiert. Die Elektroversorgung muss ebenso wie die Versorgung mit Trink- und Löschwasser ertüchtigt werden.

Viele der früher 70 Beschäftigten kehren an ihren alten Arbeitsplatz zurück, unter ihnen auch der Kommandant des Materiallagers und Leiter Betriebsführung, Mark Vehoff. „Ich habe die Einrichtung vor einigen Jahren aufgelöst und treibe jetzt die Reaktivierung voran“, berichtete der Hauptmann. Damals habe er ein trauriges Gesicht gemacht, jetzt kehre er mit einem lachenden Gesicht zurück.

Bis zu 70 Bewerbungen auf eine Stelle

Zurzeit arbeiten im Materiallager bereits 41 der später einmal 83 Mitarbeiter. Bei voller Besetzung werden in Eudenbach vier Soldaten, neun Beamte und 70 Tarifangestellte beschäftigt sein. Bis November sind noch weitere Vorstellungsgespräche geplant. „Auf eine ausgeschriebene Stelle kommen bis zu 70 Bewerbungen“, berichtete Vehoff.

Momentan werde schon Material aus anderen Lagern aufgenommen, um diese zu entlasten. Später würden die Teile dann direkt von der Industrie geliefert. In Eudenbach wird zukünftig vieles gelagert – bis auf Waffen, Munition und Betriebsstoffe. Die Palette reicht von der kleinen Schraube bis zu Achsen oder Kotflügeln für Fahrzeuge oder Rotorblättern für Hubschrauber. Neben Ersatzteilen für Fahrzeuge wird vor allem Material für die Luftwaffe dort aufbewahrt.

Die meisten Mitarbeiter, 28 an der Zahl, werden im Büro- und Verwaltungsgebäude ihren Dienst tun. Auch der Wareneingang und die Materialuntersuchung sind mit 17 Beschäftigten gut besetzt. Sie findet sich im Gebäude 32 wieder. Dort wurden bei der Eröffnung am Montag die Reden gehalten.