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Vorkehrungen für Starkregen: Cäsariusstraße in Königswinter ab Anfang August wieder frei

Vorkehrungen für Starkregen : Cäsariusstraße in Königswinter ab Anfang August wieder frei

Seit Anfang des Jahres ist die Cäsariusstraße gesperrt. Grund ist der Bau eines neuen Stauraumkanals, der bei Starkregen Bürger in den tiefer gelegenen Gebieten besser schützen soll. Nachdem es Verzögerungen gab, sind die Arbeiten jetzt auf der Zielgeraden.

Nach mehr als sechsmonatiger Bauzeit geht die Kanalbaumaßnahme auf der Cäsariusstraße auf die Zielgerade. Anfang August sollen die Arbeiten abgeschlossen und spätestens Mitte August die stark befahrene Straße wieder für den Verkehr freigegeben werden.

Im Laufe der Arbeiten hatte sich herausgestellt, dass sich der Einbau der Schachtbauwerke an der Kreuzung Cäsariusstraße/Grüner Weg aufgrund schwieriger Bodenverhältnisse zeitaufwendiger gestaltet, als bisher angenommen.

Täglich 7000 Fahrzeuge

7000 Fahrzeuge rollen normalerweise täglich über die Cäsariusstraße. Autofahrer werden sich daher freuen, dass sie demnächst nicht mehr die offiziellen Umleitungsstrecken über die Bergstraße oder die Heisterbacher Straße nehmen müssen, auch wenn viele sich ohnehin eigene Schleichwege gesucht haben. Die Verwaltung hatte zu Beginn in der Flurgasse eine Verkehrsdatenerhebung durchgeführt. Das Ergebnis: Sonntags waren dort rund 1900 und an an Wochentagen etwa 2800 Autofahrer unterwegs. 85 Prozent fuhren dabei mit nicht mehr als 44 Stundenkilometern. Erlaubt ist Tempo allerdings nur 30.

Mit dem neuen Bauwerk möchte die Stadt ihre Bürger in den tiefer gelegenen Gebieten besser gegen Starkregenereignisse schützen. Betroffen waren zum Beispiel in den Jahren 2011 und 2013 besonders die Anwohner der Kantstraße, deren Grundstücke überflutet wurden. Auch ihre Keller liefen damals voll.

Arbeiten vor allem unterirdisch

Der neue Stauraumkanal unter der Cäsariusstraße zwischen der Kreuzung Grüner Weg und der Einmündung Römlinghovener Straße wurde in den vergangenen Monaten im sogenannten bemannten Vortriebsverfahren von dem darauf spezialisierten Unternehmen Himmel & Hennig aus Rheinland-Pfalz gebaut. Dazu wurden drei rund sechs Meter tiefe Schachtbauwerke ausgehoben. Von der mittleren Grube aus wurde die südliche Grube an der Einmündung Römlinghovener Straße angesteuert. Die gleiche Prozedur wurde anschließend auf dem Weg zur nördlichen Grube wiederholt. Die mittlere und südliche Grube sind mittlerweile geschlossen und die Straße darüber neu asphaltiert. Am nördlichen Ende der Baustelle wird zurzeit in der verbliebenen Grube noch ein Bauwerk errichtet, mit dem das alte und das neue System zusammengeführt werden.

Das Vortriebsverfahren, bei dem sich die Arbeit größtenteils unterirdisch abspielt und von oben nicht einsehbar ist, hat bei manchen Anwohnern oder Verkehrsteilnehmern zur Verärgerung geführt. „Da ist ja keiner“, war in den vergangenen Monaten immer wieder zu hören. Da die Arbeit sehr spezialisiert ist, waren während der Bauzeit gleichzeitig auch nur vier bis sechs Arbeiter im Einsatz. „Die Baustelle ist aber immer besetzt. Die Arbeiter waren und sind in mehreren Schächten gleichzeitig tätig. Man sieht sie aber meist nicht“, sagt Albert Koch, der zuständige Geschäftsbereichsleiter in der Stadtverwaltung. Beim Vortriebsverfahren seien naturgemäß weniger Oberflächenarbeiten erforderlich. „Insgesamt läuft es aber schneller ab“, versichert er.

Stauraumkanal ist 180 Meter lang

Zu dem bisherigen Fassungsvermögen für Regen- und Schmutzwasser von 448 Kubikmetern kommen durch den Neubau weitere 207 Kubikmeter hinzu. Der neue Stauraumkanal ist 180 Meter lang und hat einen Durchmesser von 1,20 Metern. Vorher gab es bereits einen rund 100 Meter langen Zulaufkanal unter dem Grünen Weg, der 1,50 Meter breit und ein Meter hoch ist. Parallel dazu verläuft ein Stauraumkanal mit einem Durchmesser von zwei Metern. Unter der Cäsariusstraße gab es bisher nur einen Kanal mit einem Durchmesser von 90 Zentimetern. Das Wasser, das aus dem Wohngebiet zwischen Bachstraße und Grünem Weg und von den angrenzenden Hängen strömt und sich in den unterirdischen Bauwerken konzentriert, wird am Ende des Zulaufkanals mit 35 Liter pro Sekunde Richtung Kläranlage weitergeleitet.

Die Drosselung führt dazu, dass die Kapazität der Kläranlage nicht überschritten wird. Sowohl der neue Stauraumkanal als auch sein Pendant unter dem Grünen Weg kommen dabei jeweils nur zum Einsatz, wenn die Kapazitäten der benachbarten Kanäle nicht ausreichen. Das ist aber nur bei Starkregenereignissen der Fall. Dann wird auch zusätzlich noch Wasser in den nahe gelegenen Pirlenbach abgeleitet.

Maßnahme kostet 900.000 Euro

Die Wassermassen eines hundertjährigen Regenereignisses, wie es Oberdollendorf 2011 und 2013 innerhalb von nur drei Jahren gleich zwei Mal traf, wird aber auch der neue Kanal nicht komplett abfangen können. „Dann wird das Wasser wahrscheinlich aus den Kanaldeckeln auf die Straße drücken und es kann sein, dass die Cäsariusstraße unter Wasser steht“, sagt Koch. Die Kanalisation für ein hundertjähriges Regenereignis auszubauen, wäre jedoch unverhältnismäßig teuer.

Ganz ist die so rund 900.000 Euro teure Baumaßnahme aber auch noch nicht abgeschlossen, wenn im August die ersten Autos wieder auf der Cäsariusstraße rollen. Von der Kantstraße zum Kreisel am Grünen Weg wird ein weiterer Entlastungskanal mit einem Durchmesser von 50 Zentimetern im Vortrieb gebaut. Diese Maßnahme hat aber keine Auswirkung mehr auf den Verkehr.