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55 Jahre "Löstige Höhner“: Das erwartet die Besucher der Jubiläumssitzung Oelinghoven

55 Jahre "Löstige Höhner“ : Das erwartet die Besucher der Jubiläumssitzung Oelinghoven

Die "Löstige Höhner von de Luterbach" bereiten ihre Jubiläumssitzung am 16. November im Franz-Unterstell-Saal in Thomasberg vor. Dabei überlassen sie nichts dem Zufall. Karten sind bereits erhältlich.

Marschieren, runter auf den Boden, Arme und Beine in die Höhe, wippen, aufstehen und weiter im Takt. Keine Frage: Dieser Tanz ist schweißtreibend - erst recht, wenn man dabei in einem Sack steckt, der weder Arm- noch Beinfreiheit zulässt und keine Sehschlitze hat. Der Anblick der sich bewegenden Stoffbeutel erinnert an eine Mischung aus Teletubbie und Gummibärchen im XXL-Format. Für Zuschauer sieht es herrlich komisch aus. Der Sack-Tanz war einer der Höhepunkte in der Sitzungsgeschichte der "Löstige Höhner von de Luterbach" - und wird es bestimmt auch bei der großen Jubiläumssitzung am Samstag, 16. November, im Franz-Unterstell-Saal in Thomasberg sein. Dann bietet das Damenkomitee aus Oelinghoven das Beste aus 55 Jahren Löstige Höhner.

Bei den Vorbereitungen wird nichts dem Zufall überlassen, schließlich soll der Saal brodeln. Zumal die zehn aktiven Höhner das gesamte Programm aus eigener Kraft stemmen. "Das werden bestimmt vier Stunden, wenn nicht sogar fünf", meint Ute Reinhardt, die sich mit Angelika Arnold das Präsidentinnenamt teilt.

Der Sack-Tanz war schon früher ein Sitzungshöhepunkt

Auswärtige Bühnenkräfte brauchen die jecken Damen nicht - sie sind selbst Garant für gute Stimmung. Zweimal pro Woche wird trainiert, darüber hinaus auch allein oder in kleinen Gruppen zu Hause. Da werden Büttenreden, Zwiegespräche und Sketche vorbereitet. Auch wenn das Programm aus den Highlights der vergangenen Jahrzehnte besteht, sind die Texte und Tanzschritte von damals natürlich nicht mehr allen präsent.

So wie der Sack-Tanz. Im Partykeller von Tini Bous wird geübt, die Damen sind bestens drauf. Die Melodie geht ins Blut - Da tanzen die Füße fast von selbst. "Oberhenne" Reinhardt ist aber noch nicht ganz zufrieden: "Der Rücken muss beim Vorbeugen ganz gerade sein, wie ein Tisch." Höhner mit Katzenbuckel - das geht gar nicht. Die Tänzerinnen geben alles und schnaufen mächtig: "Wir sind ja keine 18 mehr." Immerhin spare man sich so den Weg ins Fitnessstudio: "Das ist fast wie eine Turnstunde hier."

Die aus speziellem Elastikmaterial gefertigten Tanzsäcke wurden seinerzeit eigens für den Auftritt gekauft. Ansonsten lautet das Credo bei den Kostümen: Selbst ist die Frau. Viel Geld steht schließlich nicht zur Verfügung, daher ist Kreativität gefragt. Im Laufe der Zeit hat sich daheim bei den Komiteemitgliedern ein großer Fundus angesammelt: "Die Männer stöhnen schon." Aber ohne die Männer würde es gar nicht gehen. Die Höhner haben daher nicht nur einen, sondern gleich mehrere Hähne mit im Korb. "Sie helfen beim Auf- und Abbau und bei den Sitzungen, filmen und machen Fotos und kümmern sich um die Beleuchtung und die Musik", so Reinhardt. Auch daran liegt es wohl, dass Witze über Männer bei den Sitzungen tabu sind. Auch Dorfklatsch bleibt bei den Vorträgen außen vor, "sonst würden auswärtige Gäste das ja gar nicht verstehen". Vielmehr stöbern die Frauen auf der Suche nach neuen Ideen lieber durchs Internet oder lassen sich von anderen wie der Stunksitzung inspirieren. Auch wenn "die jungen Leute heutzutage immer weniger zuhören, sondern lieber auf den Tischen stehen und feiern möchten", ist es der urtypische Karneval, den die Löstigen Höhner pflegen und bewahren möchten - darum wird es auch wieder eine Weibersitzung geben.

"Wenn wir nicht selbst so viel Spaß hätten, könnten wir das gar nicht machen", sagt Gisela Günther. Seit 1992 ist sie lustiges Huhn, wie zuvor schon ihre Mutter Gisela und nun auch Tochter Tanja. Mit dabei sind, außer den bereits Genannten, Ulrike Knott-Arnold, Christa Steenken, Martina Daumann, Martina Bruns und Waltraud Gilgen sowie die langjährige Präsidentin Erna Lehmacher als mittlerweile inaktive Henne. Freuen würden sich die Damen über neue Küken. Natürlich hängt im Hühnerstall auch mal der Haussegen schief. "Wenn zehn Frauen zusammensitzen, gibt es auch zehn Meinungen", sagt Günther schmunzelnd. "Aber wenn wir wieder nach Hause gehen, ist alles vergessen."