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Wegeplan: Das Siebengebirge wird beschildert

Wegeplan : Das Siebengebirge wird beschildert

Die Zeiten, in denen Wanderer orientierungslos durchs Siebengebirge irren, weil die Beschilderung irreführend ist, sollten in einigen Wochen der Vergangenheit angehören.

Ab nächster Woche werden Kolonnen eines Steinmetzbetriebes aus dem hessischen Neu-Isenburg im zum Rhein-Sieg-Kreis gehörenden Teil des Naherholungsgebietes beschriftete Scheiben aus Grauwacke in die vorhandenen Wegesteine einsetzen. Gleichzeitig wird die bisherige Beschilderung für den Rheinsteig, wie Betonstelen oder Blechschilder, verschwinden.

Zwei Mitarbeiter des Steinmetzbetriebes demonstrierten am Donnerstag am Forsthaus Lohrberg das Verfahren, das sie in den nächsten Wochen wahrscheinlich bis zur Perfektion entwickeln werden. Mit einem Kernbohrgerät stanzten sie die Vertiefung in den Stein, in den die Steinscheibe eingelassen wird. Bei den Wegesteinen wurde ganz bewusst an den Findlingen aus Grauwacke festgehalten, die im Siebengebirge bereits Tradition haben. Die Steinscheiben bestehen ebenfalls aus Grauwacke.

260 Steine, davon sind rund 80 neu, mit 460 beschrifteten oder mit Piktogrammen versehenen Steinscheiben werden den Besuchern des Siebengebirges demnächst den richtigen Weg weisen. Die Scheiben werden in Neu-Isenburg vorproduziert. Insgesamt sind dabei zwischen zehn und 15 Arbeitsschritte erforderlich. Das macht die Beschilderung auch nicht ganz billig. Die Kosten in Höhe von rund 200.000 Euro teilen sich übrigens das Land NRW, das den neuen Wegeplan für das Siebengebirge bereits zum 1. März 2013 angeordnet hatte, zu 70 Prozent und der Rhein-Sieg-Kreis, der für die Umsetzung der Naturschutzverordnung zuständig ist, zu 30 Prozent.

"Ich bin heilfroh, dass es endlich losgeht. Das war eine echte Sisyphusarbeit", sagte Christoph Rüter, Abteilungsleiter im Amt für Natur- und Landschaftsschutz des Rhein-Sieg-Kreises, gestern. Wenn alle Beteiligten mit Aluminiumschildern im Siebengebirge zufrieden gewesen wären, hätte die gesamte Planung wohl nicht drei Jahre gedauert. Bis man sich auf die jetzige Lösung einigte, verging jedoch viel Zeit. In die Entscheidungsfindung waren der Verschönerungsverein für das Siebengebirge (VVS) und die Tourismus Siebengebirge GmbH eng eingebunden. Extrem aufwendig war vor allem die Bestandsaufnahme der alten Beschilderung.

Für die Steinscheiben sprachen am Ende gleich mehrere Gründe. Durch das Sandstrahlverfahren hat die Schrift eine sehr lange Haltbarkeit. Die bisherige Beschriftung, die von Hand erfolgte, verblasste hingegen sehr schnell und musste alle paar Jahre erneuert werden. Außerdem war die Beschriftung bisher oft nicht eindeutig, so dass sich Ortsunkundige im Siebengebirge verlaufen konnten.

Neu ist auch, dass Wanderrouten empfohlen werden. Der Rundweg 7, der am Forsthaus Lohrberg beginnt, führt zum Beispiel um den Oelberg und ist 8,5 Kilometer lang. Alle Routen finden sich in der Wanderfibel Siebengebirge. Neu ist auch, dass Piktogramme auf Gasthäuser, Parkplätze oder Aussichtspunkte hinweisen.

"Ich möchte mich beim Kreis bedanken, dass er diese Form der Beschilderung ausgesucht hat. Das ist ein sehr guter Kompromiss", sagte der VVS-Vorsitzende Hans Peter Lindlar. Die Beibehaltung der Steine aus Grauwacke sei auch ein Herzenswunsch der VVS-Mitglieder gewesen. Auch Oliver Bremm, Geschäftsführer der Tourismus Siebengebirge GmbH, bedankte sich beim Kreis. Besonders zufrieden ist er, dass die Rundwege in die Beschilderung aufgenommen wurden, was ja gewissermaßen eine freiwillige Leistung sei.

"Viele Touristen werden sich darüber freuen", so Bremm. Einziger Wermutstropfen: Der neue Wegeplan und die Beschilderung gelten nicht im Bonner Teil des Siebengebirges. "Sinnvoll wäre natürlich die Ausdehnung auf das gesamte Gebiet", sagte Lindlar.