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Gewerbegebiet: Der Mühlenbruch in Oberdollendorf

Gewerbegebiet : Der Mühlenbruch in Oberdollendorf

Im Gewerbegebiet wird es eng. Zurzeit wird die letzte Fläche im Areal zwischen der B 42 und der Bahnstrecke zugebaut.

Früher spielten auf den Wiesen die Kinder. Heute ist der Oberdollendorfer Mühlenbruch für viele eine Einkaufsmeile - unter anderem mit einem großen Heimwerkermarkt, einer Tankstelle, einem Supermarkt, mehreren Discountern, einer Großdiscothek, einem Autohaus, mehreren Handwerkern, der Agentur für Arbeit und Büros.

Zurzeit wird das letzte freie Grundstück in dem Gebiet bebaut, das einerseits von Bahn und B 42 sowie andererseits vom Dinova-Werk und Wohnpark Nord eingerahmt wird. Neben dem Funpark entsteht ein neues Gebäude mit einer Gesamtfläche von 3600 Quadratmetern. "Die Fertigstellung ist noch in diesem Jahr geplant", sagt Stefan Schiffer, Gesellschafter und Geschäftsführer der J+S Grundbesitz GmbH, die Eigentümerin ist. In dem Neubau erweitert ein Autohaus seine Ausstellungsfläche. Außerdem wird sich dort ein Kfz-Gutachter niederlassen. Auch zwei Ärzte ziehen von der Godesberger Straße in Niederdollendorf in das neue Gebäude. 1700 Quadratmeter Bürofläche befinden sich zurzeit noch in der Vermarktung. Schiffer war und ist nach eigener Aussage immer darum bemüht, im Mühlenbruch ortsansässige Handwerker und Betreiber anzusiedeln.

69.000 Quadratmeter groß ist das Gebiet, dessen Grundstein bereits vor 20 Jahren gelegt wurde. Obi, Aldi, Lidl, Netto und Rewe ziehen die Kunden in das Gewerbegebiet. Und diese kommen nicht nur aus dem Königswinterer Talbereich, sondern auch aus dem Bergbereich der Stadt, Bad Honnef und Oberkassel, was in den Nachbarstädten durchaus kritisch gesehen wird. "Der Mühlenbruch hat sich über Jahre zu einem sehr gut besuchten Zentrum entwickelt", sagt der städtische Wirtschaftsförderer Andreas Pätz.

Nur die Erschließung für die rund 9000 Fahrzeuge pro Tag ist nicht optimal gelöst. Der Wunsch der Stadt Königswinter, an der Abzweigung von der Hauptstraße einen Kreisverkehr zu errichten, scheiterte daran, dass weder der für die Landesstraße zuständige Landesbetrieb Straßen NRW noch die Gewerbetreibenden bereit waren, den Kreisel zu finanzieren. Die Stadt hat ohnehin kein Geld.

Als die J + S Grundbesitz GmbH im Jahr 2000 das 3300 Quadratmeter große Filetgelände für die Tankstelle am Eingang zum Gewerbegebiet von der Stadt erwarb, äußerte die Verwaltung den Wunsch, dass das Unternehmen später auch die 19.600 Quadratmeter, auf denen jetzt das neue Gebäude entsteht, und weitere 6800 Quadratmeter auf der gegenüberliegenden Straßenseite kaufen sollte.

Auf dem fast 20.000 Quadratmeter großen Grundstück eröffnete im November 2008 der Funpark, derzurzeit geschlossen ist. Bis zu 4000 Besucher gehen in der Großdiscothek mit einer Fläche von 2000 Quadratmetern an manchen Abenden tanzen. Laut der Homepage öffnet die Disco nach einem Umbau im Oktober wieder. Auch Stefan Schiffer, dem Vermieter, ist nichts anderes bekannt. Das Gerücht, die Disco würde gar nicht mehr aufmachen, kann er nicht bestätigen.

Immer wieder bot der Mühlenbruch in den vergangenen Jahren auch Anlass für heftige Diskussionen. Im März 2011 beschloss der städtische Planungs- und Umweltausschuss erstmals in seiner Geschichte in einer geheimen Abstimmung, dass Spiel- und Automatenhallen sowie Nachtlokale im Mühlenbruch auch nicht ausnahmsweise zulässig sind. Damals lag der Stadt eine Anfrage für ein Entertainmentcenter vor. Als ein Argument wurde damals das Spielsuchtrisiko für die Bewohner des nahe gelegenen Wohnparks Nord ins Feld geführt.

Im Februar 2012 änderte der gleiche Ausschuss den Bebauungsplan für den Mühlenbruch und schloss dort großflächigen zentrenrelevanten Einzelhandel aus. Dadurch musste der Drogeriemarkt dm, der sich ebenfalls gerne in dem Gewerbegebiet angesiedelt hätte, an den Proffenweg in Niederdollendorf ausweichen.