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"Sommer in der Stadt": Der Verein "antiform" organisierte Performance-Aktionen

"Sommer in der Stadt" : Der Verein "antiform" organisierte Performance-Aktionen

Die weiße Frau wandelt durch die Stadt: Für Kinder war es ein Spiel, für Kunstdozentin Sonja Hellmann ein Beitrag zur Aktion "perForm.Performance" des Vereins "antiform". Hellmann lud dazu ein, "innezuhalten und sich dem Moment zu öffnen".

Ein Gespenst? Mitten am Tag? Die weiße Frau wandelte langsam durch die Hauptstraße, blieb stehen, ging weiter. Sie zog neugierige Blicke von Passanten auf sich, und ein Trüppchen Kinder trottete hinter ihr her, hielt Abstand, schloss auf, beäugte neugierig diese merkwürdige Gestalt. Die Frau hatte sich in ein langes, weißes Kleid gehüllt, Gesicht und Haare mit Farbe übertüncht. Sie schaute die Mädchen und Jungen mit großen Augen an. Und rannte dann durch eine der Altstadtgassen davon, die Zipfel des Kleides wehten.

Die Pänz nahmen die Verfolgung auf. Für sie war es ein Spiel, für Kunstdozentin Sonja Hellmann ein Beitrag zur Aktion "perForm.Performance" des Vereins "antiform". Mit "Performance" wurde am vergangenen Wochenende der "Sommer in der Stadt" fortgesetzt. Sonja Hellmann lud dazu ein, "innezuhalten und sich dem Moment zu öffnen". Die Frau in Weiß, quasi die wandelnde, leere Leinwand: War sie vielleicht auf dem Weg zur Hochzeit, womöglich zur Hinrichtung? Wer die Bonnerin entdeckte, konnte sich seine Geschichte spinnen.

Phantasie hat er. Peter Karall musste nur kurz nachdenken. Dann erzählte er Vivian Chan mitten in der Fußgängerzone sein Märchen. "Ich gehe häufig ins Siebengebirge und passe auf, dass dort keine Autos fahren, die Hunde an der Leine geführt werden und alles in Ordnung ist. Neulich habe ich dabei ein Tier gesehen, so groß wie ein Hund. Ein Jäger erschoss vor einiger Zeit nicht weit von hier einen Wolf. So ein Tier habe ich nun hier entdeckt. Es gibt wieder Wölfe im Siebengebirge", so VVS-Naturwart Karall.

Als Belohnung erhielt er von Vivian Chan einen Märchentaler aus Porzellan mit der abgebildeten Szene aus dem Märchen "Die Prinzessin auf der Erbse". Die in Berlin lebende Kanadierin hat Design studiert, sich vor allem mit Keramik befasst. Für die Veranstaltung in Königswinter schuf sie Märchentaler mit Motiven der Brüder-Grimm-Märchen.

Jeder, der ihr auf der Straße eine Geschichte erzählte, erhielt als Dank einen Taler - wie Peter Karall. "In Königswinter gibt es viele Geschichten. So, wie ein Taler weitergetragen wird, kann jeder sein Märchen weitertragen", sagte Chan, die diese Geschichten aufschreiben und ins Netz stellen wird.

Petra Deus aus Köln stellte sich in eine Schüssel mit Wasser. Ilknur und Joelina, die vorher mit anderen Kindern der weißen Frau gefolgt waren, schauten neugierig zu. "Wir haben gehört, dass hier etwas mit Kunst ist. Das wollten wir uns ansehen", sagten die beiden Mädchen aus Königswinter. "Der menschliche Körper ist mein Instrument", erklärte Petra Deus. In einem Geigenkasten hatte sie schwere Brocken aus einem Steinbruch. Die Steine schob sie sich auf den gebeugten Rücken und baute mit ihrem Körper Skulpturen. Mit dieser Last auf dem Rücken legte sie sich sogar auf das Straßenpflaster.

Als Schaumschläger war Waltraud Caspari-Philips in der Stadt unterwegs. Ihre ironische "Eröffnungsrede" zu der "Performance" zauberte sie mit Seifenwasser und Strohhalm: Herauskam nur "Geblubbere". Mit Schaum störte sie auch ein bisschen die Meditation von Karo Mast auf der Bahnhofswiese.

Das "Künstlerkollektiv.Innen" bewegte sich zu Alltagsgeräuschen. "Wir setzen akustische Informationen in Bewegung um. Unser ganzer Körper wird zum Ohr." Auf diese "Reise nach innen" nahmen die fünf Frauen auch ihr Publikum mit - nicht ohne es vorher mit Ohrstöpseln ausgerüstet zu haben.