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Ballett in Oberpleis: Die ganze Welt des Tanzens

Ballett in Oberpleis : Die ganze Welt des Tanzens

200 Kinder und Jugendliche zeigen an zwei Nachmittagen unter dem Motto „Ballett – meine Leidenschaft“ in der Aula des Schulzentrums Oberpleis ihr Können.

Leidenschaft ist, wenn das Herz für etwas brennt. Wenn man zum Beispiel vormittags beim Schülerstaffellauf des Bonn Marathons an den Start geht, danach im fliegenden Wechsel die Sportklamotten gegen das Balletttrikot tauscht und die müden Füße in Spitzenschuhe zwängt, um bei der Ballettaufführung am Sonntag in Oberpleis auf der Bühne zu stehen – dann ist das echte Leidenschaft.

Eine Leidenschaft fürs Tanzen, die Lotta Mauel mit mehr als 200 Kindern und Jugendlichen teilt, die ein oder sogar mehrmals die Woche am Ballettunterricht der Musikschule Königswinter teilnehmen.

Unter dem Motto „Ballett – meine Leidenschaft“ zeigten sie am Wochenende bei zwei Aufführungen ihr Können in der Aula des Schulzentrums – und begeisterten sowohl am Samstag als auch am Sonntag zahlreiche Zuschauer. Die hatten bereits eine Stunde vor Einlass geduldig Schlange gestanden, um sich die besten Plätze zu sichern.

Vera Pöttker, die die Ballettabteilung leitet, hatte gemeinsam mit den Ballettlehrerinnen Silke Rau und Ava Kern wieder ein umfangreiches Programm auf die Beine gestellt, bei dem das Publikum nicht nur die unterschiedlichen Ausbildungsstufen und Facetten des Ballettunterrichts präsentiert bekam, sondern auch einen Einblick in die große Vielfalt der Welt des Tanzes erhielt – vom klassischen Ballett über Folklore und Charaktertanz bis hin zum Jazz- und Modern Dance.

Terpsichore, die Muse des Tanzes (getanzt von Emily Bollé beziehungsweise Luisa Lehnberg), nahm die Zuschauer im ersten Akt mit auf eine Reise, die im antiken Griechenland begann, durch verschiedene Epochen und Tanzstile führte und im angedeuteten Ballettraum einer heutigen Ballettschule endete. Eindrucksvoll führten die Ballettschüler hier vor, wie weit und mühsam der Weg von der kleinen Elevin im rosa Ballettröckchen bis hin zur Spitzentänzerin ist.

Anne Katharina Bollé und Ida Linden sind zwei junge Damen, die diesen Weg gegangen sind. Seit ihrer frühen Kindheit besuchen sie die Ballettschule, trainieren mittlerweile drei bis vier Mal pro Woche und hatten am Wochenende voller Stolz ihre ersten Auftritte als Solistinnen hoch auf der Spitze: Anne verzauberte als hässliches Entlein, aus dem am Ende ein stolzer Schwan wurde, Ida begeisterte mit der feurigen Variation Kitri aus dem Ballett „Don Quichote“.

Immer wieder gelingt es Pöttker, auch die Zuschauer mit originellen Choreographien zu überraschen. In diesem Jahr war es klassischer Spitzentanz in seiner wohl bekanntesten Form, gemischt mit einem Tanzstil, der ursprünglich von der Straße kommt: „Schwanensee versus Breakdance“.

Auf der einen Seite zehn grazile, weiße Schwäne, auf der anderen acht ganz in Schwarz gekleidete Breakdancerinnen, dazu Tschaikowsyks Musik mit rockigem Unterton. Da Breakdance nicht zum regulären Unterrichtsinhalt der Ballettschule zählt, hatte Pöttker eigens zu diesem Zweck einen Workshop mit einer Profitänzerin aus Siegen angeboten.

Für die jungen Balletttänzerinnen war das Erlernen der verschiedenen Footworks, Freezes und Powermoves eine echte Herausforderung: „Die hatten alle Muskelkater“, berichtete Pöttker mit einem Schmunzeln. Als besonderes Talent entpuppte sich dabei Hanna Baumann, die bei der Aufführung sogar mit einem Rückwärtssalto begeisterte.

Den Zauber von „1001 Nacht“ holte Janina Ziegert mit ihrem Soloauftritt auf die Bühne. Sie präsentierte zu moderner orientalischer Musik einen faszinierenden „Maroccan Roll“ – betörend und zugleich voller Feuer und Lebendigkeit. Ins ferne Bollywood entführte zudem ein indischer Tanz, während der Tango das Lebensgefühl Argentiniens widerspiegelte.

Ein Wiedersehen feierten die Zuschauer, die seit Jahren aufmerksam die Ballettaufführungen verfolgen, mit Alina Kern. Wie ihre Schwester Ava, die mittlerweile die Modern Ballett-gruppe der Ballettabteilung trainiert, hatte sie vormals bei zahlreichen Aufführungen das Publikum als Solistin begeistert. Für die Ballettnachmittage hatten die Schwestern nun eigens ein faszinierendes Duett unter dem Motto „Crystallize“ einstudiert.