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Juwel in der Altstadt: Dieses 300 Jahre alte Haus in Königswinter ist ein Schmuckstück

Juwel in der Altstadt : Dieses 300 Jahre alte Haus in Königswinter ist ein Schmuckstück

Das Haus von Franz-Joachim Thür in der Altstadt Königswinter wurde 1718 erbaut. Damit ist es eines der ältesten im Quartier. Die Steinfassade und der Steinfußboden auf der Terrasse sind im Original erhalten.

Wenn Franz-Joachim Thür an das Jahr 1980 zurückdenkt, muss er heute noch schmunzeln. Damals hatte er gerade das alte Haus Bungertstraße 21 gekauft, und die Handwerker, mit denen er die Sanierung in Angriff nehmen wollte, gaben ihm den freundschaftlichen Rat: „Reiß die alte Hütte doch ab.“

Vorher hatte „Nettchen“ Becker hier möblierte Zimmer vermietet. Viele Gäste nächtigten bei ihr in der Altstadt. Anschließend stand das Gebäude vier Jahre lang leer. „Wir haben das Haus schon als relative Ruine erworben“, gibt Thür rückblickend zu. Aber letztlich waren es die selben Handwerker, die aus der „alten Hütte“ in nur elf Monaten ein kleines Schmuckkästchen machten. In diesem Jahr wird das Gebäude 300 Jahre alt. Die Jahreszahl „1718“ prangt dabei eher unscheinbar an der Fassade.

„Ich muss die Handwerker heute noch loben. Sie haben damals einen richtigen Ehrgeiz entwickelt“, erzählt Thür. Das Sanierungskonzept stammte übrigens von Ägidius Strack, der später zum Projektsteuerer auf dem Drachenfels wurde und zurzeit das Bonner Münster saniert.

Verglichen damit nimmt sich das Gebäude gegenüber dem Park von Haus Bachem doch eher bescheiden aus. Seine ganze Pracht entfaltet es von der Gartenseite aus, die zum Wallgässchen hin liegt. Dabei wird die Schokoladenseite von der zurzeit prächtig blühenden Glyzinie zusätzlich in Szene gesetzt.

Moderne Gauben im Dach

Nur die modernen Gauben im Dach bilden einen Kontrast zum historischen Anblick des denkmalgeschützten Hauses. „Die hat der Landeskonservator 1980 selber gezeichnet“, greift Thür möglichen Einwänden vor. Schließlich sei ja an den romanischen Kirchen in Köln auch zum Teil 600 Jahre lang gearbeitet worden.

Original aus dem Jahr, in dem das Haus erbaut wurde, stammen wohl außer der Steinfassade nur noch der Steinfußboden auf der Terrasse und der mächtige Baumstamm, um den sich die Spindeltreppe bis ins zweite Obergeschoss windet. Das Esszimmer und zwei Räume im Obergeschoss verfügen über sogenannte Kölner Decken, eine Konstruktion aus Deckenbalken, die vollständig von Putz überzogen sind. Diese Decken waren seit der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts bis ins erste Drittel des 18. Jahrhunderts vor allem im Rheinland sehr beliebt.

Wie das Haus Bungertstraße 21 bestehen große Teile der Altstadt aus historischer Bausubstanz. Gleich nebenan stand einmal ein baugleiches Haus, das laut Thür jedoch der Renovierungswut der Nachkriegszeit zum Opfer fiel.

Der 74-Jährige, Vorsitzender der Bürgerstiftung Königswinter, von 1982 bis 2009 Ratsmitglied, viele Jahre SPD-Fraktionschef und im Hauptberuf bis 2006 Direktor des Arbeitsgerichts Köln, hat eine Schwäche für alte Häuser. Der nahe gelegene „Rebstock“ von 1757 und der „Goldene Stern“ von 1729 gehören ihm ebenfalls – ganz oder teilweise. Vor einigen Jahren hätte er das Haus Bungertstraße 4 ebenfalls gerne renoviert. Inzwischen hat es der Unternehmer Til Macke gekauft.

Investition in alte Bausubstanz

„Es ist wunderbar, hier zu wohnen. Im Winter ist es warm und im Sommer kühl“, sagt Thür. Obwohl die Bungertstraße zwischen Hauptstraße und Rheinallee liegt, sei es hier total ruhig. „Außer dem Hintergrundrauschen des Weltalls hört man hier nichts.“ Das gelte selbst für die Sonntage, an denen die Rheinallee von Touristen bevölkert sei. Er ist überzeugt, dass die Altstadt ihren Tiefpunkt hinter sich hat – trotz vieler Fehler, die in der Vergangenheit gemacht worden wären. „Es gibt hier viel Lebensqualität.“

Interessenten ermutigt er, in alte Bausubstanz zu investieren. Damit künftig auch Schandflecken wie das sogenannte „Taubenhaus“ an der Meerkatzstraße wieder ansehnlich werden. Hier habe es die Stadt versäumt, das Gebäude im Rahmen der Altstadtsanierung zu enteignen. „Allein ich kenne zwei Leute, die das Haus sofort kaufen würden.“

Thür ist heute noch Vorsitzender der Einigungsstelle, die das Betriebsverfassungsgesetz vorsieht, und schlichtet bei rund 35 bis 40 Verfahren im Jahr zwischen Arbeitgebern und Betriebs- oder Personalräten. Auf dem Weg ins Gericht greift er sich gerne eine seiner bunten Krawatten, die fein säuberlich auf der natürlich alten Kommode bereit liegen.