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Zentrum für Therapeutisches Reiten in Windhagen: Drachenkinder schulen beim Voltigieren ihr Gleichgewichtsgefühl

Zentrum für Therapeutisches Reiten in Windhagen : Drachenkinder schulen beim Voltigieren ihr Gleichgewichtsgefühl

Kinder aus der Thomasberger Kita Drachenkinder schulen beim psychomotorischen Voltigieren in der Reithalle des Zentrums für Therapeutisches Reiten in Windhagen ihren Gleichgewichtssinn. Ermöglicht hat das Kindergartenleiterin Kerstin Michel.

Der Wilde Westen fängt gleich hinter den sieben Bergen an, und zwar ganz in der Nähe von Windhagen. Gerade schwingt sich Cowboy Timo auf den Rücken seines feurigen Mustangs Mira, um eine Herde Wildpferde vor fiesen Indianern zu beschützen. Die Rothäute allerdings lassen sich heute Morgen einfach nicht blicken, und das obwohl sich Timo sogar auf den Rücken seines treuen Rosses gekniet hat, um besser sehen zu können.

Cowboy spielen ist für Timo das Größte, da ist es ganz egal, dass Mira in Wirklichkeit kein feuriger Mustang, sondern ein gemütliches Norweger-Pony ist, und dass er nicht über den staubigen Prärieboden, sondern an der Longe durch die Reithalle des Zentrums für Therapeutisches Reiten Johannisberg galoppiert. Kunststücke kann der Steppke indes wie ein echter Cowboy: auf dem Pferd knien, stehen oder seitwärts sitzen, kein Problem für Timo. Geübt wird das ja regelmäßig beim psychomotorischen Voltigieren. Einmal wöchentlich fahren Timo, Lucia, Giulina, Philipp und die anderen Vorschulkinder des Kindergartens Drachenkinder aus Thomasberg nach Windhagen, um auf dem Pferderücken unter anderem Gleichgewicht, Rhythmusgefühl und Raumwahrnehmung zu schulen.

„Das Pferd hat einen hohen Motivationsfaktor“, erläutert Kerstin Michel. Die Leiterin des Kindergartens hat eine Zusatzqualifikation als staatlich anerkannte Fachkraft in der heilpädagogischen Förderung mit dem Pferd und arbeitet als solche nebenberuflich schon lange in dem Windhagener Reittherapiezentrum. „Vor vier Jahren ist unserem Kindergarten das psychomotorische Voltigieren als einjähriges Projekt gesponsert worden“, berichtet sie. Daraus entwickelte sich eine gewisse Eigendynamik: „Auf einmal wollten natürlich alle Kinder voltigieren.“ Der anerkannte Bewegungskindergarten entschied sich daraufhin, sämtlichen kleinen „Vorschuldrachen“ diese „andere“ Art der Bewegung zu ermöglichen und finanziert seitdem die Kosten.

Nachdem Mira ausgiebig gestreichelt, geputzt und gesattelt worden ist, geht es in der Reithalle abwechselnd rauf aufs Pferd. „Wie fühlt sich die Mira denn an“, möchte Michel von Lucia wissen. „Ganz weich“, findet die kleine Reiterin und streicht der Stute zärtlich über das Fell: „Nur die Mähne ist rau.“ Mira ist Lucias Lieblingspferd, „weil man auf der so schön galoppieren“ und tolle Cowboy-Kunststücke machen kann: Lucia legt sich erst bäuchlings über Miras Rücken und schafft danach auch den Schneidersitz ganz ohne Festhalten. Das Pony macht bei allen Übungen geduldig mit, auch wenn ihm mal ein Ball aufs Hinterteil fliegt oder einer der kleinen Reiter seinen Fuß an einer besonders kitzeligen Stelle in den Bauch bohrt. Wie alle anderen neun Therapiepferde des Zentrums auch, ist es für ihren Einsatz speziell ausgebildet worden und durch nichts aus der Ruhe zu bringen.

„Ein Pferd vermittelt auf der einen Seite ein Stück weit Respekt, auf der anderen Seite aber auch ganz viel Wärme und Liebe“, erläutert Michel. „Allein die Berührung tut einfach gut.“ Neben dem positiven Effekt auf die motorischen und koordinativen Fähigkeiten hilft das sanfte „Schaukeln“ auf dem Pferd, das Kind behutsam in sein inneres und äußeres Gleichgewicht zu bringen.