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Auszeichnung für besonderes Engagement: Drei Frauen aus Königswinter bekommen den Ehrenamtspreis

Auszeichnung für besonderes Engagement : Drei Frauen aus Königswinter bekommen den Ehrenamtspreis

Seit Jahren sind Gitta Becker, Irene Feldhaus und Rosemarie Straßer im Hintergrund aktiv - jetzt standen sie selbst einmal im Mittelpunkt: Die Stadt Königswinter verlieh ihnen den Engagementpreis.

Gitta Becker, Irene Feldhaus, Rosemarie Straßer: Drei „drachenstarke“ Frauen, die sich in Königswinter seit vielen Jahren ehrenamtlich engagieren – ohne viel Aufhebens darum zu machen. Am Freitag standen sie dann doch einmal verdient im Licht der Öffentlichkeit: Für ihr Engagement erhielten sie den Ehrenamtspreis der Stadt Königswinter.

Bürgermeister Peter Wirtz übergab die Auszeichnungen – jeweils ein Windlicht mit dem Motiv des Drachen, einen Gutschein für einen Restaurantbesuch und für eine Fahrt mit der Drachenfelsbahn – bei einer Feierstunde auf dem Gelände von Haus Heisterbach. Als Gastgeber fungierte das Forum Ehrenamt.

Zudem erhielt die Bürgerinitiative Naturschutz Siebengebirge, vertreten durch den Vorsitzenden Ignaz Schmitz, den Sonderpreis der Kreissparkasse Köln. Eine fünfköpfige Jury hatte zuvor die schwierige Aufgabe übernommen, aus zahlreichen Vorschlägen drei Preisträger auszuwählen. „Sie sind zu einem guten Urteil gekommen“, lobte Wirtz.

Gitta Becker leitet seit fast 40 Jahren die Turn- und Gymnastikgruppen beim TuS 05 Oberpleis. „Während die Sportler im Rahmen ihres Wettbewerbssports Aufmerksamkeit erhalten, ist das Leiten solcher Gruppen eher eine Arbeit im Verborgenen“, so Wirtz. Daher könnten die Leistungen der Übungsleiter nicht hoch genug geschätzt werden. Zudem betreut Becker eine afghanische Familie. „Dadurch, dass ich anderen helfe, tue ich auch gleichzeitig etwas für mich. Ich mache das alles einfach gerne“, sagte die Preisträgerin.

Pionierin in der Hospizbewegung

Ehrenamtliches Engagement bestimmt auch das Leben von Irene Feldhaus. Sie gilt als Pionierin der Hospizbewegung in Königswinter, hat den ambulanten ökumenischen Hospizdient „Ölberg“ mit aufgebaut. „Zuvor war das Wort Hospizdienst in Königswinter eher weniger präsent“, so Wirtz. Von 2006 bis 2015 war Feldhaus Vorsitzende des Vereins, „in dieser Leitungsrolle hat sie mit sehr hohem Engagement den Aufbau und die Etablierung des Hospizdienstes in der Bevölkerung und bei den Kooperationspartnern verantwortet“.

Vor 14 Jahren hat sich Feldhaus zudem als ehrenamtliche Sterbebegleiterin ausbilden lassen. Die Hospizarbeit habe sie persönlich und ihre Einstellung zum Leben sehr verändert, sagte Feldhaus. „Man merkt, wie wichtig das Leben ist, bis zum letzten Atemzug.“ Dass das Sterben zu Hause überhaupt möglich sei, sei auch der Tatsache zu verdanken, dass in Königswinter ein wunderbares Netzwerk entstanden sei, dem Experten wie Ärzte und Pflegedienste angehörten.

Gegen Vereinsamung im Alter

Die dritte Preisträgerin, Rosemarie Straßer, leitet seit 35 Jahren die „Offene Tür“ der katholischen Pfarrgemeinde Oberpleis und kümmert sich hier vor allem um ältere Menschen, die nur noch wenige soziale Kontakte haben. „Mit ihrem vorbildlichen Engagement leistet Frau Straßer einen wesentlichen Beitrag gegen die Vereinsamung im Alter“, lobte Wirtz. Die Preisträgerin freute sich über die Auszeichnung, zugleich trieb sie jedoch die große Sorge um, „dass durch Corona jetzt alles auseinanderbricht. Ich hoffe so sehr, dass wir die offene Tür bald wieder öffnen können“.

Über den mit 200 Euro dotierten Sonderpreis der Sparkasse freute sich Ignaz Schmitz, der sich mit seiner Bürgerinitiative Naturschutz Siebengebirge dem Schutz und Erhalt der Streuobstwiesen und Weinbergsbrachen im Siebengebirge verschrieben hat. Mehr als 200 Mitglieder betreuen heute zehn Hektar Fläche mit einem Bestand von rund 150 Obstbäumen. Schmitz habe dazu beigetragen, dass sehenswerte Biotope entstand seien, betonte Wirtz. Mit seinem Wissen und seiner Erfahrung sei er zudem unverzichtbarer Ratgeber und Ansprechpartner.

Dass die Arbeit für die ehrenamtlichen Obstbaumwarte wohl in Zukunft nicht weniger wird, dafür sorge der Klimawandel: „Die Bäume werden schneller krank und brauchen zunehmend mehr Pflege“, berichtete Schmitz. Immerhin hätte die Diskussion um das Insekten- und Artensterben dazu beigetragen, dass viele junge Familien dem Verein beitreten. Dank des Preisgeldes könnten diese nun mit Arbeitsmaterial ausstatten werden.

Überraschung für Irene Feldhaus

Sie stehe stellvertretend für einen großen Hospizdienst, der klein angefangen habe, sagte Irene Feldhaus bei der Verleihung des Ehrenamtspreises. Tatsächlich ist der Verein seit Gründung im Jahr 2006 beträchtlich gewachsen: 350 Mitglieder unterstützen die Arbeit von 65 ehrenamtlichen Sterbe- und Trauerbegleitern, die in Königswinter 80 bis 90 Menschen im Jahr auf ihrem letzten Lebensweg oder bei der Trauerarbeit begleiten.

Koordiniert wird die Arbeit durch drei fest angestellte Mitarbeiter. Dass Feldhaus, auch wenn sie mittlerweile nicht mehr im Vorstand aktiv ist, immer noch Herz und Seele des Verein ist, zeigte sich am Freitag: Viele Mitarbeiter, Mitglieder und Weggefährten standen mit Sonnenblumen in der Hand Spalier, um „ihrer“ Preisträgerin zu gratulieren – eine gelungene Überraschung und zugleich rührende Geste, um Feldhaus für ihren stetigen und unermüdlichen Einsatz als langjährige Vorsitzende zu danken.