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Lotsenpunkt in der Altstadt: Ehrenamtliche beraten in allen Lebenslagen

Lotsenpunkt in der Altstadt : Ehrenamtliche beraten in allen Lebenslagen

Ehrenamtliche kümmern sich im neuen Lotsenpunkt in der Bücherei von St. Remigius in Königswinter um Menschen, die Hilfe brauchen. „Wir lösen keine Probleme, aber wir können den Leuten sagen, wo sie hingehen müssen“, sagt Organisator Klaus Fömpe.

Guter Rat muss nicht teuer sein. In der Altstadt gibt es jetzt einen Lotsenpunkt als Anlaufstelle für Menschen, die in sozialer Not sind sowie Beratung und Hilfe brauchen. Das kostenfreie Angebot der katholischen Kirchengemeinde Königswinter-Tal befindet sich im Büchereigebäude unmittelbar neben der Kirche St. Remigius und in direkter Nachbarschaft zum Remigiushaus, in dem eine evangelische Kita zu Hause ist.

Am ersten Tag stellte sich auch die erste Besucherin ein. Eine junge Frau mit zwei Kindern benötigte am Dienstag Unterstützung beim Ausfüllen der Formulare, um Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket zu beantragen. Die beiden Mitarbeiterinnen des Lotsenpunktes, die unter Beachtung der Corona-Hygieneregeln hinter einer Plexiglasscheibe Platz genommen hatten, konnten ihr weiterhelfen. Besucher müssen einen Mund-/Nasen-Schutz tragen und ihre Hände desinfizieren. Weitere Besucher müssen draußen warten.

Eigentlich hatte die Anlaufstelle im Mai an den Start gehen sollen. Doch vorher kam Corona. „Nach der ersten Schockstarre haben wir im Mai gesagt, es muss weitergehen“, berichtete der ehrenamtliche Koordinator des Lotsenpunkts, Klaus Fömpe. Auf den Aufruf in drei Gottesdiensten nach ehrenamtlichen Helfern hatten sich Ende vergangenen Jahres zwölf Personen gemeldet. Nach einer Informationsveranstaltung im Januar kamen weitere vier hinzu. „Wir haben jetzt ein Team von 16 Leuten, was mich sehr motiviert und erfreut“, sagte Fömpe am Dienstag.

Auch Jutta Barthold, die den Lotsenpunkt als Gemeindereferentin mit aufgebaut hat, ist vom Spektrum der Ehrenamtlichen begeistert. „Wir haben sogar eine Dame, die perfekt Türkisch spricht.“ Die Interessenten nahmen an vier Schulungen teil, die Claudia Gabriel anbot. Die Mitarbeiterin des Caritasverbands Rhein-Sieg lobt das Engagement in der Altstadt. „Der Lotsenpunkt ist einer der wenigen, die ehrenamtlich aufgebaut wurden.“

Um die Menschen im Talbereich auf das Angebot aufmerksam zu machen, wurden 3000 Flyer verteilt. Beratung und Hilfe in allen Lebenslagen wird dort versprochen. Dazu zählen die Unterstützung bei Behördengängen, die Information über mögliche Hilfen und der Kontakt zu Beratungsstellen und sozialen Einrichtungen. „Wir lösen keine Probleme, aber wir können den Leuten sagen, wo sie hingehen müssen“, sagt Fömpe.

Viele der Lotsen stehen noch mitten im Berufsleben. Männer und Frauen sind etwa gleich stark vertreten. Die Altersspanne reicht von Mitte 30 bis Anfang 70. Zu den Ehrenamtlichen gehört auch Helga Bogdanski, die frühere Leiterin der Kita Sankt Remigius und später Sankt Franziskus, die sich nach 46 Jahren im vergangenen Jahr in den Ruhestand verabschiedet hatte. Sie kennt die Altstadt und bringt viel Erfahrung durch ihre Arbeit in der Kita und im Familienzentrum mit.

Gleich zwei Pfarrer waren zur Eröffnung des Lotsenpunktes gekommen. Markus Hoitz, der am Tag der Eröffnung die Leitung im Seelsorgebereich Königswinter-Tal übernahm, und sein Vorgänger Dariusz Glowacki, der ab sofort für die Katholiken im Seelsorgebereich Rheinischer Westerwald rund um Asbach verantwortlich ist. Hoitz‘ erste Amtshandlung am Morgen war eine Beerdigung, die zweite die Eröffnung, was er als Sinnbild bezeichnete. „Wir müssen loslassen, um etwas Neues hervorzubringen“, sagte er. Der Pfarrer hat Erfahrungen mit dem im April 2019 eröffneten Lotsenpunkt in Oberpleis sammeln können. „Wir können dort Menschen helfen, die es im Leben schwer haben.“

Koordinatorin in Oberpleis ist die Engagementförderin Susanne Molnar, die künftig zusammen mit Klaus Fömpe auch für den Talbereich zuständig ist. In Oberpleis würde sie sich mehr Zuspruch wünschen. „Das Angebot könnte viel besser angenommen werden. Es gäbe viel mehr Kapazitäten“, sagt sie. Immerhin: Die Leute, die kämen, wären meist glücklich. Die Resonanz auf den neuen Lotsenpunkt in der Altstadt wird sich erst noch erweisen müssen. Für Klaus Fömpe hat diese Anlaufstelle schon jetzt eine ganz besondere Bedeutung. „Wir sind erst dann Kirche, wenn wir zu den Menschen gehen, die uns brauchen“, zitierte er einen Satz von Diakon Udo Casel.