1. Region
  2. Siebengebirge
  3. Königswinter

Eichenprozessionsspinner im Rhein-Sieg-Kreis: Population steigt deutlich

„Population steigt deutlich“ : Eichenprozessionsspinner breitet sich im Rhein-Sieg-Kreis aus

Seit 2018 steigt die Population des Eichenprozessionsspinners im Rhein-Sieg-Kreis deutlich. Besonders gefährlich für Menschen und Tiere sind die Brennhaare der Raupen. Die Entfernung der Nester übernehmen Fachleute.

Wenn sich Marc Neunkirchen auf einen Arbeitseinsatz vorbereitet, herrscht höchste Sicherheitsstufe. Helm, Handschuhe, Atemschutzgerät und feuerfeste Schuhe sind obligatorisch. Die Übergänge seines weißen Schutzanzugs zu Arm- und Fußknöcheln sind mehrfach fest mit Klebeband umwickelt.

Mit Sprühkleber und reißfesten Plastiksäcken rückt der Fachagrarwirt für Baumpflege aus Königswinter kleinen Raupen auf den haarigen Leib: Der Eichenprozessionsspinner, der an Ästen und Stämmen aller Eichenarten lebt, ist vor einigen Jahren auch in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis angekommen – und verbreitet sich weiter. Die winzigen Brennhaare der Raupen enthalten Nesselgift und können bei Menschen, aber auch Tieren Allergien und schmerzhafte Hautreizungen auslösen. „Die Tiere sind nicht nur im Frühjahr und Sommer eine Gefahr, sondern das ganze Jahr über“, sagt Neunkirchen.

Akute Gefahr von Mai bis September

An diesem Morgen nehmen sich der 38-Jährige und seine beiden Mitarbeiter Mark Giesen und Daniel Wagner eine alte Eiche auf einem Privatgrundstück bei Windhagen vor. „Es war Zufall, dass wir die beiden Nester bei einer Feuerwehrübung entdeckt haben“, sagt Neunkirchen, der sich seit Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr Königswinter engagiert. Jetzt, Mitte August, sind hier die meisten Falter bereits geschlüpft. Akute Gefahr geht von der Raupe von Ende Mai bis September aus.

Ab der dritten Häutung ist sie mit mehr als 600.000 Brennhaaren übersät. Die Härchen haben Widerhaken und brechen leicht. „Wenn die Falter geschlüpft sind, bleiben die Brennhaare in den Nestern zurück und werden durch den Wind in der Umgebung verbreitet“, sagt Neunkirchen. „Und: Sie bleiben giftig, auch nach Jahren.“ Spaziergänger, Radfahrer oder spielende Kinder könnten so plötzlich allergische Reaktionen zeigen, obwohl sie keinen unmittelbaren Kontakt zu den Raupen hatten.

Kein Haar krümmt sich: Mit einer Klebeschicht ist die Raupe überzogen. Foto: Frank Homann

Vor rund fünf Jahren ist der Eichenprozessionsspinner erstmals in der Region gesichtet worden. „Seit etwa drei Jahren steigt die Population deutlich“, hat Neunkirchen beobachtet. Grund seien insbesondere die trockenen Sommer 2018 und 2019, denn der Nachtfalter mag es warm und trocken. Bis zu 200 Eier legt ein Weibchen innerhalb weniger Tage bevorzugt an der Südseite und im obersten Kronenbereich des Baumes.

Die Jungraupe überwintert im Ei und kann Frosttemperaturen bis zu minus 29 Grad überstehen. Zwischen April und Mai schlüpfen die Raupen, die abends zum Fressen gemeinsam in den typischen „Prozessionen“ in die Baumkrone ziehen. Insgesamt sechs Entwicklungsstadien durchläuft die Raupe, an deren Ende sie bis zu vier Zentimeter lang ist. Mitte bis Ende Juni verpuppen sich die Altraupen und bilden ein großes Gespinstnest, das mit den Jahren immer größer wird. Nach drei bis fünf Wochen schließlich schlüpfen die Falter.

Spazierwege gesperrt

Neunkirchen selbst war in den vergangenen Wochen am Himberger See in Aegidienberg, in Königswinter und im Birlinghovener Stadtwald, aber auch in Bonn und Köln im Einsatz. Auf dem Venusberg und dem Brüser Berg sperrte die Stadt Bonn Spazierwege, bis die Nester entfernt waren. Mehrere Fälle meldeten unter anderem auch die Städte Bornheim, Niederkassel, Rheinbach und Sieglar, wo die Stadt Troisdorf ein Areal am Parkfriedhof absperren musste. „Der Eichenprozessionsspinner kann überall auftauchen, wo Eichen stehen“, sagt Neunkirchen.

Vorsichtig und mit Seilen gesichert, ist er in die Baumkrone geklettert, prüft noch einmal die Windrichtung, bevor er das etwa handgroße Nest mit Kleber besprüht, stülpt den Plastiksack darüber und verknotet Tüte samt Inhalt fest. Die Klebeschicht bindet alle Raupenhärchen, nichts bewegt sich. „Das geht auch anders“, sagt Neunkirchen. „Dann in das Nest zu fassen, in dem alles krabbelt, hat schon einen gewissen Ekelfaktor.“

Die Nester werden auf der RSAG-Deponie in Niederpleis entsorgt und verbrannt. Daniel Wagner hilft Neunkirchen, die Schutzkleidung wieder abzulegen: Anzug und Handschuhe kommen in einen großen Plastiksack, die feuerfesten Schuhe werden mit einem Bunsenbrenner bearbeitet. „Das Ausziehen ist eine der großen Schwachstellen“, sagt der 38-Jährige. „Egal, wie sehr man aufpasst: Irgendwo hängt immer noch ein Härchen.“

Hautreizungen machten sich jedoch erst nach etwa acht Stunden bemerkbar. „Bei mir sieht es erst harmlos nach einem Mückenstich aus, dann setzt ein höllischer Juckreiz ein, der bis zu zwei Wochen andauern kann.“ Sein Rezept? „Cortisonhaltige Creme. Und nach jedem Einsatz sofort unter die Dusche.“