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Museum in Königswinter: Ein Blick hinter die Kulissen des Siebengebirgsmuseums

Museum in Königswinter : Ein Blick hinter die Kulissen des Siebengebirgsmuseums

Zwischen Dachboden und Erdgeschoss: In verschiedenen Lagerräumen und Außendepots ruhen gut geschützt mehr als 8000 Objekte im Siebengebirgsmuseum. Seit rund zwei Jahren ist die Kunsthistorikerin Sigrid Lange Herrin über das Königswinterer Haus.

Der Dachboden hat etwas von einer Wundertüte. Fünf Räume mit Schrägen, knarzenden Holzböden und an jeder Wand, in jeder Ecke Regale und Kisten, die Geschichten aus der Vergangenheit erzählen. „Ein buntes Sammelsurium“, sagt Sigrid Lange. „Manchmal bin ich selbst überrascht, was es hier alles zu entdecken gibt.“

Seit rund zwei Jahren ist die promovierte Kunsthistorikerin Chefin des Siebengebirgsmuseums in der Königswinterer Altstadt. Mittlerweile sind ihr sämtliche Winkel vom Gewölbekeller bis zur Dachbodenspitze und die verschlungenen Wege im Gebäude vertraut. Auch die, die Besucher normalerweise nicht zu sehen bekommen.

Ruhig ist es an diesem Vormittag in den Gängen und Sälen, in denen normalerweise Besucher in die Tiefen der Rheinromantik eintauchen, die Ausstellungsexponate betrachten, an einer Führung oder einem Vortrag teilnehmen. In einem fensterlosen Lagerraum im ersten Stock arbeiten Lange und Kunsthistorikerin Irene Haberland, eine der freien Mitarbeiterinnen des Museums, an einer kleinen Ausstellung, die im August eröffnet wird.

In verschiedenen Lagerräumen zwischen Dachboden und Erdgeschoss sowie in zwei Außendepots ist ein Großteil des Bestands gelagert. Foto: Frank Homann

„Sommergäste am Rhein“ ist der Titel. Zu denen gehörte zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch der in Hennef geborene Künstler Carl Schmitz-Pleis. „Er verbrachte häufig seinen Urlaub bei seinem Bruder in Oberpleis“, erklärt Lange. Porträts, Landschaften und Genrebilder seien dabei entstanden, die zu einer kleinen Sonderausstellung zusammengestellt werden. Die Recherche über Künstler, Werk, deren heutige Eigentümer, das Zusammentragen der Exponate, kurz: die Vorbereitungen für die Ausstellung – all das beschäftigt Lange „phasenweise bis zu 100 Prozent“, wie sie sagt.

Aber auch die Forschung, das Sammeln und Bewahren gehören zur Museumsarbeit. „In unserer Datenbank sind mehr als 8000 Objekte erfasst“, sagt sie. „Und nein: Ich kenne sie noch nicht alle.“ Ein Teil gehört dem Museum, ein anderer stammt aus dem Besitz des Heimatvereins Siebengebirge, andere Objekte sind Leihgaben.

In verschiedenen Lagerräumen zwischen Dachboden und Erdgeschoss sowie in zwei Außendepots ist ein Großteil des Bestands gelagert: Bilder ruhen geschützt in Passepartouts und eingeschlagen in säurefreiem Seidenpapier in Archivkästen, Zeitschriften aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen, zerbrechliche Henkelmännchen, Poesie- und Fotoalben, Karnevalsorden, Ölkännchen und Handwaffen liegen oder stehen säuberlich beschriftet auf Regalböden.

Museum in der Altstadt öffnete am 11. Mai wieder

Neulich erst war Lange in einer seit Jahren leerstehenden Bäckerei in Eitorf. Von dort hat sie eine alte Backform und eine weihnachtlich verzierte Marzipandose mitgebracht. Aus welchem Jahr die Bäckereiutensilien stammen, vermag Lange noch nicht zu sagen, die Recherchen laufen noch. „Und zwar nicht nur online“, sagt sie. „Manchmal braucht es den Blick in die Fachliteratur.“ Und die steht ebenfalls in langen Regalreihen sortiert. „Alles hier ist Teil unserer Alltagsgeschichte“, sagt die Museumschefin. „Unsere Aufgabe ist es, sie für die Zukunft zu bewahren.“

Hinter den Kulissen im Siebengebirgsmuseum Foto: Frank Homann

In den Gewölbekeller des Barockgebäudes steigt Lange nur selten hinab. Es riecht feucht und etwas muffig, Licht fällt nur durch die geöffnete Klappe hinein. Links an der Treppe stehen Ytongsteine, die bei den Angeboten für junge Museumsbesucher zum Einsatz kommen. Zumindest war das so bis zur Corona-Pandemie. Am 11. Mai öffnete das Museum in der Altstadt erstmals wieder für Besucher. Einige Führungen und Wanderungen finden jetzt unter Auflagen statt, die erste Kostprobe gab es nach rund fünfmonatiger Pause in der vergangenen Woche erstmals wieder – mit viel Abstand und unter freiem Himmel.

Auch den Ausstellungskalender des Museums hat die Pandemie durcheinandergewirbelt. Die Ausstellung zum „Badespaß am Rhein“ wird es nun erst im Sommer 2021 geben. Stattdessen freut sich Lange auf eine kleine Präsentation Mitte August, bei der ein Vermächtnis eine besondere Rolle spielt. Viel mehr möchte die Chefin noch nicht verraten. „Es ist etwas Besonderes.“

Handwaffen stehen säuberlich beschriftet in einem der Lagerräume. Foto: Frank Homann

In Turnschuhen und mit schnellen Schritten läuft Lange vom Dachboden die steile Treppen wieder hinunter, durch die Ausstellungsräume im ersten Stock hinüber in den Anbau und in ihr Büro. Ein großer Schreibtisch, nicht ganz ordentlich, viele Regale, viele Bücher und Ordner zu vergangenen Ausstellungen und Forschungsprojekten.

Dazwischen ein flauschiges Plüschtier in Knallpink, was man nicht automatisch zur Büroausstattung einer Museumschefin gezählt hätte. „Ich weiß nicht mehr, wo ich das her habe“, sagt Lange. „Aber weggeben mochte ich es auch nicht.“ Vielleicht ist auch das ja eines Tages Teil der Alltagsgeschichte.

Weitere Informationen zum Programm und zu den Öffnungszeiten des Siebengebirgsmuseums in der Königswinterer Altstadt, Kellerstraße 16, gibt es im Internet unter www.siebengebirgsmuseum.de