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Interview mit Andreas Pätz und Projektleiter Ägidius Strack: "Ein kleiner Mosaikstein"

Interview mit Andreas Pätz und Projektleiter Ägidius Strack : "Ein kleiner Mosaikstein"

Der Bauherr und der Projektleiter im General-Anzeiger-Interview zur Eröffnung des Glaskubus' auf dem Drachenfels. Für "Bauherr" Andreas Pätz und Projektleiter Ägidius Strack gehen aufregende Jahre zu Ende.

Sind Sie mit dem Ergebnis auf dem Drachenfels zufrieden?
Andreas Pätz: Ein eindeutiges und klares Ja. Wenn man heute auf der Kanzel steht und zum Neubau schaut, wird das Hauptziel des Wettbewerbes, die Quantität und Qualität des öffentlichen Raumes zu verbessern, zu hundert Prozent erreicht. Das zweite Ziel war, dass sich das neue Gebäude gegenüber der Architektur des alten deutlich zurücknimmt. Auf der Kanzel sah man früher viel Beton. Jetzt geht der Blick von dort ins Rheintal.

Ägidius Strack: Dem kann ich nur uneingeschränkt zustimmen. Die alte Westterrasse hatte Hinterhofcharakter. Die Qualität des Baus zeigt sich schon jetzt, auch wenn die Ankommsituation mit der noch unfertigen Bergstation der Drachenfelsbahn noch nicht gegeben ist. Das wird sich noch deutlicher zeigen, wenn auch die Kolonnaden fertig sind. Bei der Eröffnung am Freitag werden sie in ersten Zügen bereits zu erkennen sein.

Wann wird die Bergstation fertiggestellt sein?
Strack: Wahrscheinlich Ende Februar. Das hängt aber vom Wetter ab. Auch im Gebäude wird die Feinjustierung der technischen Anlagen, insbesondere das Zusammenspiel zwischen Heizungs- und Lüftungstechnik, noch eine Weile in Anspruch nehmen.

Pätz: Auch die Außenanlagen im östlichen Bereich zwischen Bergstation und Glaskubus sowie der Kiosk in der unteren Etage des Glaskubus müssen noch fertiggestellt werden.

Das ursprünglich drittplatzierte Modell wird nun realisiert, weil die visionären Entwürfe der Wettbewerbssieger sich nachträglich als zu teuer herausstellten. Ist das ein Makel?
Strack: Der heutige Entwurf beschäftigt sich mit dem prominenten Ort. Das ist keine Architektur um ihrer selbst willen. Beim ersten Preis war der Denkmalschutzgedanke ja auch komplett verworfen worden.

Pätz: Der Wettbewerbssieger mit dem Komplettabriss auch des ehemaligen Hotels hat mir nie wirklich zugesagt. Die Realisierung des dritten Preisträgers ist für diesen Ort sinnvoller und angemessener. Die 140 Quadratmeter im Neubau sind nur noch ein Viertel der Fläche des 1970er-Jahre-Gebäudes. Ziel war es ja, das Naturerlebnis in den Vordergrund zu stellen. Das ist durch den Glaskubus gelungen, wären nicht die Vogelschutz-Streifen da.

Die sind Ihnen weiter ein Dorn im Auge?
Pätz: Ja, weil die Tatsache, dass wir die Scheiben bekleben müssen und das Urteil vom Verwaltungsgericht so gefällt wurde, allein auf der Behauptung des Bundes für Umwelt und Naturschutz beruht, dass mit einem vermehrten Vogelschlag zu rechnen ist. Der Petersberg hat zum Beispiel null Probleme mit Vogelschlag. Das macht mich ärgerlich. Wir sind uns dessen sehr bewusst, wo wir bauen.

Wie lange bleiben die Streifen?
Pätz: Bis das Oberverwaltungsgericht uns hoffentlich Recht gibt....

Strack: Wir neigen in unserer Gesellschaft zum Übertreiben. Der Naturschutz ist in unseren Köpfen ohnehin verankert. Es ist jedoch unverzichtbar, Dinge abzuwägen und nicht den Verstand auszuschalten.

Warum sind die Kosten mit nun 9,2 Millionen Euro aus dem Ruder gelaufen? Gab es nicht Verteuerungen, die hätten vorhergesehen werden können?
Strack: Wir haben die Kosten für den Hochbau eigentlich sehr genau im Griff gehabt. Das Bauen im Bestand hält allerdings immer Überraschungen bereit. Beispiel: Die Gründung des neuen Glaskubus. Da standen wir plötzlich vor einem großen Loch, wo hätte Fels sein sollen. Selbst in der vergangenen Woche tat sich unterhalb der Bahngleise noch ein weiterer Hohlraum auf. Bis in die 1980er Jahre war es üblich, in den Kostenschätzungen für Förderanträge einen prozentualen Ansatz für "Unvorhersehbares" aufzuführen. Das ist heute so nicht mehr zulässig.

Können Sie Beispiele nennen?
Strack: In der Vorplanung war eine zusätzliche Brandmeldeanlage nicht vorgesehen. Sie allein kostet etwa 100.000 Euro.

Pätz: Alles, was auf Schutz endet, ob Brandschutz, Denkmalschutz oder Naturschutz, kostet zusätzliches Geld. Das hat sich in diesem sensiblen Bereich besonders bemerkbar gemacht. Wir haben allein zwischen 700 000 und 800 000 Euro in den Naturschutz investiert. Wir mussten beim Abbruch zum Beispiel zum Erhalt des Lebensraumes der Falterpopulation Sandsäcke rund um das Gebäude verlegen.

Werden die nicht eher zum Hochwasserschutz gebraucht?
Pätz: Ja. Die Säcke sollten verhindern, dass das Wasser, das wir gegen die Staubentwicklung einsetzten, den Berg hinunterfloss.

Strack: Auch die Bäume und Sträucher mussten vor dem Staub geschützt und abgedeckt werden. Der Geröllstreifen zum Erhalt und zur Erweiterung des Lebensraums der Mauereidechse kostete ebenfalls rund 160 000 Euro. Wir haben vorher auch nicht gewusst, wie die Bewegung der Baufahrzeuge auf dem Kutschenweg ökologisch bewertet wird.

Dabei wird die gesamte Länge des Kutschenweges mit einem Eingriffskorridor von 50 Metern Breite durchgängig berechnet. Für diese Fläche müssen wir im Siebengebirge Ausgleichsflächen schaffen. Den heutigen Begriff "Ökologische Bauleitung" gab es bis vor einigen Jahren noch nicht.

Was kostet der Vogelschutz?
Strack: Allein das Orniluxglas kostet 80.000 Euro zusätzlich. Ich werde mir bei der Rede zur Eröffnung sicher eine kleine Spitze dazu nicht verkneifen können.

Wird Pächter Hermann Nolden mit seinem gastronomischen Konzept Erfolg haben?
Pätz: Das Projekt steht auf drei Füßen, dem Tagestourismus, den Veranstaltungen und dem Seminarbetrieb. Das Konzept ist gemeinsam mit dem Pächter entwickelt worden. Ich glaube, dass er in der Lage ist, dies umzusetzen. Auch die Bergbahnen im Siebengebirge waren bei allen Besprechungen dabei und haben uns sehr gut unterstützt.

Strack: Die Betreiber sind konzeptionell immer eingebunden gewesen. Das reine Bauen ist dabei pächterunabhängig erfolgt.

Neu sind ja vor allem die regelmäßig geplanten Veranstaltungen. Steht dem nicht der Naturschutz entgegen?
Pätz: Der Pächter muss sehen, dass er entsprechende Konzessionen bekommt und die Auflagen erfüllt. Alle Außenveranstaltungen müssen von der Unteren Landschaftsbehörde genehmigt werden. Da hat sicher niemand etwas gegen die Kaffeetafel des Kegelclubs. Im Außenbereich darf jedoch kein Lärm sein. Im Kubus ist alles von der Hochzeit bis zu Beerdigung möglich.

Der "Betonklotz", wie das alte Restaurant wenig charmant genannt wurde, ist nun weg. Können Sie verstehen, dass es durchaus noch Nostalgiker gibt, die das bedauern?
Strack: Der Entwurf von Ernst Sapia (der Kölner Architekt, der 1965 den Planungswettbewerb gegen 23 andere Entwürfe gewonnen hatte, Anm.d.Red.) hatte seine Qualitäten. Er entsprach dem Zeitgeist. Die Natur hatte sich dem Gebäude unterzuordnen. Man rechnete damals mit 1,4 Millionen Besuchern im Jahr. Wir gehen heute von 460.000 Gästen im Jahr aus.

Pätz: Wir hoffen, dass das Siebengebirge durch den Drachenfels einen kleinen Mosaikstein hinzugewonnen hat, der noch mehr Besucher anlockt. Die "Hardware" ist gemacht, jetzt geht es darum, die "Software" einzuspielen. Und das kann nur eine gemeinsame "Software" aller beteiligten Akteure am Berg sein.

Zur Person:
Andreas Pätz, 51, studierte Geografie, Städtebau und Psychologie. Vor seiner Zeit in Königswinter arbeitete er in Tübingen und Leipzig in der Stadtsanierung und Stadtentwicklung. Seit 2001 ist er Geschäftsführer der städtischen Wirtschaftsförderungs- und Wohnungsbaugesellschaft (WWG), die Bauherrin auf dem Drachenfels ist. Pätz wohnt in Bad Godesberg, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Ägidius Strack, 58, studierte Geologie und hat ein Büro für Bauwerkssanierung in Rösrath-Forsbach. Vor 21 Jahren wurde er Projektleiter der Sanierung von Schloss Drachenburg, in den vergangenen Jahren auf dem Drachenfels. Daneben steuert er die Sanierung von Schloss Homburg in Nümbrecht und Schloss Broich in Mülheim an der Ruhr. Strack wohnt in Rösrath, ist verheiratet und hat zwei Kinder.