1. Region
  2. Siebengebirge
  3. Königswinter

Kulturelles Angebot: Ein neuer Kulturverein für Königswinter

Kulturelles Angebot : Ein neuer Kulturverein für Königswinter

Um dem kulturellen Leben ein wenig auf die Sprünge zu helfen, hat der Filmemacher, Drehbuchautor und Musiker Nedim Hazar mit einem Dutzend Gleichgesinnter den Verein „Nicht Davor Nicht Dahinter – Kultur und Kunst Königswinter“ ins Leben gerufen.

Es lebt sich gut in Königswinter, da sind sich Nedim Hazar und seine Mitstreiter einig. Nur was das kulturelle Angebot in der Stadt angeht, ist man alles andere alles wunschlos glücklich. „Da ist Königswinter noch ein Entwicklungsland.“ Um dem kulturellen Leben ein wenig auf die Sprünge zu helfen, hat der Filmemacher, Drehbuchautor und Musiker mit einem Dutzend Gleichgesinnter den Verein „Nicht Davor Nicht Dahinter – Kultur und Kunst Königswinter“ ins Leben gerufen.

„Das Interesse ist groß“, freut sich Hazar. 40 Kulturinteressierte aus dem Berg- und Talbereich unterstützen den Verein bereits. Zur Gründungsfeier, die heute Abend stattfindet, sind unter anderem die drei Bürgermeisterkandidaten eingeladen, mit denen die Vereinsmitglieder über das Thema Kulturpolitik ins Gespräch kommen möchten. „Wir hätten liebend gerne eine große Feier mit fröhlichem Kommen und Gehen gehabt“, so Vorstandsmitglied Robert Wiegner. Coronabedingt darf nun aber leider nur eine begrenzte Anzahl geladener Gäste teilnehmen.

Mitmachen und Dabeisein ist indes beim ersten großen Projekt des Vereins angesagt: ein Musiktheater von und für Königswinterer soll es werden. Der Titel lautet „Nicht davor, nicht dahinter“ – ein Name, der für Zusammenhalt und Spaß stehen soll, wie das Lied, aus dem die Zeile entliehen ist.

Die Idee zur Gründung des Vereins ist Anfang des Jahres gereift. „Wir sind zehn Leute aus der Altstadt, die sich in einer kleinen Kulturkneipe getroffen haben“, berichtet Hazar. Die meisten seien wie er Zugezogene, die ein buntes Kulturleben in der Stadt vermissen würden. Es sei zwar nicht so, dass es keine Veranstaltungen gebe, aber durch die Stadt selber werde wenig angeboten. „Die Stadt Königswinter hat leider auch kein Kulturamt. Folglich sind Künstler und Kulturschaffende auf sich alleine gestellt oder weichen in andere Städte aus.“

Besonders prekär sei dies für die große Anzahl an Migranten, die die Altstadt mitprägen würden, meint Hazar, der selbst in Ankara geboren wurde, in Sydney aufwuchs und seit 1980 mit einer Unterbrechung in Deutschland lebt.

Der neue Verein will nicht nur Kulturprojekte unterstützen und mit anderen Initiativen und Vereinen kooperieren, „vor allem möchten wir selbst aktiv werden.“ Potenzial ist in Königwinter genug vorhanden: „Es gibt so viele interessante Menschen unterschiedlichster Herkunft in Königswinter, die viel zu erzählen haben.“ So viel, dass Hazar ein Musiktheater daraus machen möchte. Wahre Geschichten, wie die des Italieners, der Gastarbeiter im historischen Lemmerz-Felgenwerk war, oder die des mongolischen Teeladenbesitzers, der nur noch bei Meditationswanderungen auf dem Jakobsweg zu finden ist.

„Die Idee ist, diese Geschichten in Form von professionell gedrehten Interviews zu sammeln, zu einem dramaturgischen Skript zu formen und als ein revueartiges Theaterstück wiederzugeben“, erläutert Hazar. „Wir hoffen auf die Mitwirkung derer, die das Ganze tragen.“ Mitwirken sollen außerdem Musiker aus Königswinter – von der Rockband bis hin zum Männerchor, vom vierköpfigen Chor alewitischer Frauen bis hin zur „Akkordeongang“ dreier Brüder aus Kroatien. Zu sehen sein soll das Ganze nicht nur auf der Bühne, zusätzlich ist auch ein Dokumentarfilm geplant.

Hazar hat ein ähnliches Projekt vor vielen Jahren bereits auf den Prinzeninseln bei Istanbul realisiert. „Es lief hinterher als Dokuserie in einem damals prominenten türkischen Sender“, berichtet er stolz. Das neue Projekt soll vor allem „Spaß machen, die Herzen aller Königswinterer ansprechen und für einen neuen, vielleicht anderen Zusammenhalt in dieser Zeitenwende plädieren“.

Der Verein freut sich über alle, die mitwirken möchten. „Wir brauchen noch viel Unterstützung“, so Hazar. Noch sei man erst am Anfang, „aber irgendetwas Gutes kommt dabei raus, das kann ich schon jetzt versprechen.“

Weitere Infos über das Projekt und den Verein im Internet unter www.nichtdavornichtdahinter.de.