Ehepaar feiert Eiserne Hochzeit Oberpleiser Paar brauchte einst eine Sondererlaubnis für die Heirat

Oberpleis · Ihre Liebe begann im Schatten des Eisernen Vorhangs in der Region Eichsfeld. Heute feiern Karl-Heinz Tonski und Gertrud Tonski, die in Oberpleis leben, Eiserne Hochzeit. Damit das Paar vor 65 Jahren heiraten durfte, benötigten sie eine Sondererlaubnis.

 Das Hochzeitsfoto von Karl-Heinz und Gertrud Tonski. Das Paar feiert Eiserne Hochzeit.

Das Hochzeitsfoto von Karl-Heinz und Gertrud Tonski. Das Paar feiert Eiserne Hochzeit.

Foto: Privat

Karl-Heinz Tonski war noch nicht 27 und damit eigentlich zu jung zum Heiraten, jedenfalls für einen Bundesgrenzschützer. 1951 war der Bundesgrenzschutz (BGS) aufgestellt worden. Das Beamtengesetz erlaubte eine Eheschließung erst nach sechs Dienstjahren und mit Vollendung des 27. Lebensjahres. Dagegen regte sich Widerstand und die Vorschrift wurde etwas gelockert. Der Vorgesetzte konnte eine Heiratserlaubnis schon früher erteilen.

„Meine Mutter schrieb deshalb den Hauptmann an“, erzählt die Jubelbraut. Der sagte „Ja“ – und so konnten sich Karl-Heinz Tonski und seine Verlobte Gertrud Schütz am 26. März 1959, ein Gründonnerstag, vor dem Standesbeamten und am Ostermontag jenes Jahres in der evangelischen Kirche von Duderstadt ewige Treue geloben. Draußen auf dem Kirchplatz standen die Kameraden in Uniform Spalier.

 Grenzschutzkameraden stehen bei der Hochzeit Spalier vor der Kirche von Duderstadt am Ostermontag 1959.

Grenzschutzkameraden stehen bei der Hochzeit Spalier vor der Kirche von Duderstadt am Ostermontag 1959.

Foto: Privat

Gertrud war mit den harten Bedingungen des Zonenrandgebietes vertraut. „Wir wohnten drei Kilometer von der Grenze entfernt. Meiner Oma auf der anderen Seite konnte ich nur über den Grenzzaun hinweg zuwinken.“ Karl-Heinz Tonka stammte aus Gelsenkirchen-Resse, hatte den Beruf des Bergmanns ergriffen. Er bewarb sich beim Bundesgrenzschutz und war nach seiner Ausbildung in Hannoversch-Münden in Duderstadt stationiert, im Innendienst.

Frage nach Töchtern bringt Stein ins Rollen

Gertruds Mutter arbeitete ebenfalls beim BGS. Eines Tages, im Jahre 1956, fragten zwei Grenzer, einer davon war der junge Karl-Heinz, ob sie nicht Töchter hätte. Mit Gertrud, ihrer jüngeren Schwester Lieselotte und deren Freund trafen sie sich, um Platten zu hören und Spiele zu machen. Für einige Wochen verloren sich Karl-Heinz und Gertrud aus den Augen, bis sie dann beim Tanztee und mit Kinobesuchen die Bekanntschaft vertieften. „So langsam ging es los“, berichten die beiden, die irgendwann feststellten, dass sie beide am 3. September Geburtstag feiern, er ist Jahrgang 1933, sie 1936.

Karl-Heinz und Gertrud Tonski heute.

Karl-Heinz und Gertrud Tonski heute.

Foto: Roswitha Oschmann

Gertrud wohnte seit ihrem 18. Lebensjahr in Göttingen, arbeitete in einem Modegeschäft – im Verkauf und als Repassiererin. Hier konnten die Frauen ihre feinen Nylonstrümpfe zur Reparatur abgeben. Drei Pfennige gab es für eine aufgefangene Laufmasche. Schaffte sie 50 Maschen in der Stunde, hatte sie 1,50 Mark. Ein karger Lohn. In dem Laden erwarb sie später für 40 Mark ihr Brautkleid.

Noch in Duderstadt kam 1959 die erste Tochter zur Welt, die zweite Tochter, deren Verlust das Paar vor einigen Jahren hinnehmen musste, wurde 1968 im Rheinland geboren.

„Mit Genscher bin ich ständig gereist“

Karl-Heinz Tonski wechselte 1962, nach acht Jahren beim BGS zum Bundeskriminalamt in Bonn, machte die Ausbildung zum gehobenen Dienst und wurde Erster Kriminalhauptkommissar. Er war zunächst im Personenschutz tätig und dann in Dienststellen. Stolz zeigt der Jubilar die Porträts von Außenminister Genscher und Bundespräsident Weizsäcker mit Widmung und Dank für seinen Einsatz. „Mit Genscher bin ich ständig gereist.“ Zu Weizäckers Zeiten war Tonski bereits Chef des Personenschutzes. Seit 1993 ist er im Ruhestand. Während ihr Mann einst im Schichtdienst arbeitete, fand Gertrud Tonski nach dem Umzug an den Rhein zunächst eine Anstellung im Weinhäuschen am Rhein, dann in der Strumpfabteilung des Kaufhofes.

Die Familie zog mehrmals um, hatte zunächst eine möblierte Wohnung in Friesdorf, dann ging es nach Bad Godesberg und nach Bockeroth ins eigene Haus. Als die BKA-Dienststelle nach Meckenheim wechselte, wurde verkauft und neu gebaut. 19 Jahre lebten die Tonskis in Meckenheim, ehe sie zur Tochter in Oberpleis zogen, wo fast die ganze Familie, zu der drei Enkel und vier Urenkel zählen, zusammen lebt.

Im Schwarzwald haben die Tonskis ihren Lieblingsurlaubsort, übernachten immer im selben Hotel. Das Rezept für 65 glückliche Ehejahre? „Ich gehe ihr nicht auf die Nerven“, sagt Karl-Heinz Tonski. Sie bestätigt: „Mein Mann lässt mir viel Freiheit.“

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