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Überlegungen für Neubau: Fällt Beschluss für zentrales Rathaus in Königswinter im Herbst?

Überlegungen für Neubau : Fällt Beschluss für zentrales Rathaus in Königswinter im Herbst?

Königswinters Beigeordneter Dirk Käsbach wirbt nachdrücklich für ein zentrales Rathaus in der Stadt. Der Ist-Zustand sei "eine Katastrophe", eine Entscheidung müsse zügig fallen.

Bekommt Königswinter in den nächsten Jahren ein zentrales Verwaltungsgebäude? Wenn es nach dem Beigeordneten und Kämmerer Dirk Käsbach geht, soll die Politik noch in diesem Herbst einen entsprechenden Beschluss fassen. „Wir müssen das zügig entscheiden. Ich möchte diesen Knoten endlich durchschlagen“, sagte der zweithöchste Verwaltungsbeamte der Stadt in einem Gespräch mit dem General-Anzeiger. Das Thema bezeichnet er als „Herzensangelegenheit“.

„Im Herbst muss es heißen: Hopp oder top. Weitermachen wie bisher, halte ich für den schlechtesten Weg“, so Käsbach. Entscheidend bei seinem Plädoyer für einen Neubau sei die Tatsache, dass ein neues Rathaus gute Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter und eine offene Atmosphäre für den Bürger ohne eine Mehrbelastung im Ergebnishaushalt darstellen könnte. „Das Projekt gefährdet nicht den Haushaltsausgleich“, beteuert er. Für einen Neubau, der geschätzte 24 Millionen Euro kosten würde, müssten zwar hohe Darlehen aufgenommen werden. Durch Einsparungen, etwa bei der Energie und den Unterhaltungskosten, stünde nach 30 Jahren unter dem Strich aber eine schwarze Null.

"Gebäude stellt Umwelt und den Menschen in den Mittelpunkt"

Im Doppelhaushalt für die Jahre 2019 und 2020 soll sich die Investition bereits niederschlagen. Sollte die Entscheidung der Politik gegen ein neues Gebäude ausfallen, müsse die Konsequenz sein, die drei Bestandsgebäude in Oberpleis, der Altstadt und Thomasberg für die nächsten 20 bis 30 Jahre zu ertüchtigen.

Bei den Überlegungen zu einem Neubau stehe viel mehr auf dem Spiel als das Zusammenfügen von drei Altstandorten zu einem neuen. „Es geht um ein Gebäude, das die Umwelt und den Menschen in den Mittelpunkt stellt“, so Käsbach. Inspiriert ist er dabei von einer Studie des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation „Arbeitswelten 4.0 – Wie wir morgen arbeiten und leben“, die die digitale Arbeitswelt der Zukunft darstellt. In ihr läuft Kommunikation naht- und drahtlos ab. Auch eine Projektskizze des Instituts zu Königswinter liegt ihm bereits vor. Ausgegangen wird von einem Bedarf für die 255 Mitarbeiter der Verwaltung, die in dem Neubau beschäftigt wären, von rund 7500 Quadratmetern. Der Platz für Sitzungssäle ist eingerechnet.

Zustand "eine Katastrophe"

Käsbach würde nach einem positiven Beschluss der Politik gerne das Institut beauftragen, die Grundlagen zu ermitteln, wie ein optimales Objekt für die Bedürfnisse der Königswinterer Verwaltung aussehen sollte. Bis zur Gebäudekubatur könnten diese Ergebnisse Grundlage für die spätere Beauftragung eines Planungsbüros sein.

Dem derzeitigen Bestand stellt Käsbach ein ziemlich miserables Zeugnis aus. Um den Zustand zu beschreiben, benutzt er sogar das Wort „Katastrophe“. „Die Bestandsgebäude genügen den rechtlichen und menschlichen Ansprüchen bei Weitem nicht mehr“, sagt er. Die höchste Produktivität lasse sich nur erreichen, wenn die Menschen sich an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlten.

Gebäude dringend sanierungsbedürftig

Nicht zuletzt in energetischer Hinsicht seien die Gebäude dringend sanierungsbedürftig. Im Oberpleiser Rathaus müssten zum Beispiel auch alle Leitungen für Strom und Wasser erneuert werden. „Das Gebäude wirkt auf mich wie ein Bunker und nicht wie ein einladendes Haus, das offen, transparent und kommunikativ ist.“ Zudem sei der Raumbedarf der Verwaltung weit höher als der vorhandene Platz. Mit der Konsequenz, dass Volkshochschule, Musikschule und die Familien- und Erziehungsberatungsstelle in angemietete Räume ausgelagert werden mussten.

Das sagen die Fraktionen

Auch für Auszubildende, die im Personalentwicklungskonzept eine ganz zentrale Rolle spielen, gebe es kaum Platz. Zurzeit sei auch kein Zentrum für die Kommunalpolitik vorhanden. „Der Rat tingelt stattdessen durch die Schulaulen. Auch er braucht ein Zuhause“, so Käsbach. Ein attraktiver Arbeitsplatz ist für den Beigeordneten auch ein Pfund, um auf dem Arbeitsmarkt mithalten zu können. „Ein hohes Einkommen wird nie unsere Stärke sein. Dann müssen wir aber ein Umfeld bieten, in dem die Menschen gerne arbeiten“, sagt er. Vielleicht gelinge es dann sogar, die Leute zu einer längeren Lebensarbeitszeit zu bewegen. Käsbach kritisiert auch den Zeitverlust, der durch Fahrten zwischen den Dienststellen bei den wöchentlichen Vorstandssitzungen und Dezernatsrunden anfällt. „Ressourcen gehen dadurch verloren. Und manche Kommunikation findet erst gar nicht statt.“

Keine Nachteile für Bürger

Ein Gegenargument, das vor allem die SPD-Fraktion immer wieder genannt hat, entkräftigt er gleich mit. „Der B-Punkt in der Altstadt, Haus Bachem und die Familien- und Erziehungsberatungsstelle in der Schützenstraße würden erhalten bleiben, sodass ein Neubau für die Bürger keine Nachteile hätte“, sagt er.

Käsbach weiß, dass es nicht reicht, nur die Koalition von dem Vorhaben zu überzeugen. Deshalb hat er für das Projekt bereits bei der Königswinterer Wählerinitiative geworben. Bei der SPD steht der Termin noch aus.