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Für einen guten Start ins Leben: "Frühe Hilfen" helfen Eltern mit dem Nachwuchs

Für einen guten Start ins Leben : "Frühe Hilfen" helfen Eltern mit dem Nachwuchs

Der Sozialdienst katholischer Frauen Bonn und Rhein-Sieg-Kreis ist ein Pionier in Sachen „Frühen Hilfen“: Die Mitarbeiter unterstützen werdende und junge Eltern von der Schwangerschaft an und in den ersten Lebensjahren des Nachwuchses.

Oft, sagt Hildegard Lucks, „sind es diese vermeintlich kleinen Dinge“. Wie das Beispiel einer Mutter belegt, die nach der Geburt des Nesthäkchens schlicht an ihre Grenzen kam. Das Neugeborene verlangte alle Aufmerksamkeit, aber auch die schulpflichtigen Geschwister, der Haushalt, die gesamte Familienorganisation. Und an Schlaf war sowieso kaum mehr zu denken. „Die Familienhebamme konnte da ganz praktisch helfen. Und das Gute an den 'Frühen Hilfen' ist ja, dass sich Probleme gar nicht erst manifestieren“, berichtet Lucks, Fachdienstleiterin „Eltern werden“ beim Sozialdienst katholischer Frauen Bonn und Rhein-Sieg-Kreis (SkF).

Frühe Hilfen: Seit 2012, mit Inkrafttreten des Bundeskinderschutzgesetzes, sind Unterstützungsangebote für werdende und junge Eltern von der Schwangerschaft an und in den ersten Lebensjahren des Nachwuchses gesetzlich verankert. Der SkF indes hatte seinerzeit schon Erfolge mit koordinierten Hilfen für Eltern und deren Kinder im Alter bis drei Jahre hinter sich. Aufgesetzt worden war das Projekt „Frühe Hilfen“ fünf Jahre zuvor vom Diözesan-Caritasverband, inklusive einer Anschubfinanzierung. Und der SkF gehörte zu den Pionieren.

Ein Baustein im großen Unterstützungsangebot

„Frühe Hilfen“ sind nur ein Baustein des großen SkF-Unterstützungsangebotes von A wie Allgemeiner Sozialberatung über F wie Frau und Flucht bis V wie Vormundschaften für Kinder und Jugendliche (siehe Infokasten). Zwei Aspekte streicht SkF-Geschäftsführerin Jutta Oehmen generell heraus: Das „respektvolle Neben- und Miteinander“ der 60 Hauptamtlichen und der vielen Freiwilligen sowie die gute Zusammenarbeit mit den Kommunen. Oehmen: „Die Angebote laufen Hand in Hand. Dazu braucht es auch Vertrauen.“ Der kommunale Anteil mache einen großen Teil der Finanzierung der Angebote aus. Weitere Unterstützung komme von den Kirchen, je nach Angebot vom Land und teils auch vom Bund, und es würden Eigenmittel eingesetzt.

Das Lob für die gute Kooperation mit Kreis, Städten und Gemeinden ist keine Einbahnstraße. „Der SkF ist für uns eine feste Bank“, lobte etwa der kommissarische Leiter des Bad Honnefer Jugendamtes, Julian Schimkowski, Ende 2017 zum zehnjährigen Bestehen des Krankenhaus-Besuchsdienstes „Hallo Baby“ in Bad Honnef, für den die Stadt seit Auslaufen der dreijährigen Anschubfinanzierung durch den Diözesan-Caritasverband mit eigenen Geldern einsteht.

„Hallo Baby“ in Bad Honnef

Für „Hallo Baby“ sind an diesem Tag Carmen Buchhagen-Berger und Petra Thelen auf der Entbindungsstation des Cura-Krankenhauses in Bad Honnef unterwegs. Die beiden Frauen, seit 2011 beziehungsweise 2014 Mitglieder des 160-köpfigen ehrenamtlichen SkF-Teams, gehen nicht mit leeren Händen in die Zimmer.

Sie haben an diesem Tag acht Stofftaschen dabei, die sie den Müttern überreichen, darin kleine Söckchen, gestrickt von einer Ehrenamtlichen, eine Mütze fürs Neugeborene und jede Menge Elterninformationen zu allen „Frühen Hilfen“, zu Öffnungszeiten der Familiencafés und Ansprechpartnern ebenso wie zu Hilfen etwa bei postnataler Depression.

Nach dem Kennenlernen bildet der weitere persönliche Kontakt oft die Keimzelle eines sozialen Netzwerks für die Eltern, die erleben, wie das Baby das bisherige Leben ganz schön auf den Kopf stellt. 2017 wurden 85 Familien besucht, es gab hernach 77 Beratungsgespräche mit der Fachberaterin. „Hallo Baby“ ist freilich nur ein Baustein. Weitere sind die Familienhebammen, die in Much, Neunkirchen-Seelscheid, Ruppichteroth, Eitorf und Windeck unterwegs sind sowie seit 2017 auch in der Stadt Lohmar. Über eine weitere Ausweitung wird nachgedacht.

Der Bedarf ist auf jeden Fall da

Laut Lucks wurden 2017 67 Familien begleitet, nicht alle Anfragen konnten bedient werden. Sind junge Eltern heutzutage eher überfordert? Oder fehlt das soziale und familiäre Netz, wenn junge Familien berufsbedingt umziehen? Oehmen stellt fest: „Auf jeden Fall ist der Bedarf da. Und es stimmt ja: Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Baby großzuziehen.“

„Aufwind“ heißt ein weiterer Baustein der „Frühen Hilfen“. Das ehrenamtliche Familienbegleitangebot gibt es in fünf Kommunen im Jugendamtsbezirk des Rhein-Sieg-Kreises sowie neu in Königswinter, das ein eigenes Jugendamt hat. Inklusive der Schwangerschaftsberatung – „auch die zähle ich schon zu den 'Frühen Hilfen'“, so Lucks – haben alle SkF-Angebote zusammen mit ihren niederschwelligen Angeboten laut Jahresbericht 2017 650 Familien erreicht. Oehmen: „Wichtig ist, dass wir in die Breite gehen. Wir müssen vor Ort sein und sind es auch.“

Gegründet wurde der SkF Bonn/Rhein-Sieg-Kreis als klassisches sozial-christliches Engagement. Oehmen: „Auch damals gab es ungewollte Schwangerschaften und die Frauen sagten sich: Da müssen wir etwas tun.“ Dieser Tradition fühle sich der SkF bis heute verpflichtet, „das zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Arbeit“.

Schutzhaus in Troisdorf

Das betreffe auch das Feld „Frau und Flucht“. Oehmen: „Der Anteil der Frauen an den Geflüchteten beträgt etwa 20 Prozent. Meist haben sie ganz andere Fluchtgründe und -erfahrungen als die Männer.“ Ein Paradebeispiel der Hilfe sei bei diesem Thema die gute Kooperation mit der Stadt Troisdorf, wo es ein Schutzhaus gibt.

Ein Wermutstropfen für die SkF-Aktiven: Die allgemeine Sozialberatung, wichtiger Kompass zu weiteren Hilfsangeboten, werde mancherorts wegen fehlender Refinanzierung abgebaut. Die SkF-Geschäftsführerin: „Da geht leider etwas verloren.“ So oder so gelte: „Über die Sinnfrage meines Berufes muss ich mir keine Gedanken machen.“