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Haus Schlesien in Heisterbacherrott: Für ein positives Bild vom Nachbarn

Haus Schlesien in Heisterbacherrott : Für ein positives Bild vom Nachbarn

Seit 20 Jahren besuchen Studenten aus Polen Haus Schlesien in Heisterbacherrott. Ziel ist es, Stereotype aufzubrechen, Vorurteile abzubauen und ein positives Bild des Nachbarlandes zu vermitteln. Mittlerweile ist die Skepsis gewichen.

In der Bibliothek von Haus Schlesien brennt in diesen Tagen oft bis spät in die Nacht hinein Licht. Konzentriert sitzen die Studenten über den Büchern und bereiten ihre Vorträge vor. Denn die 26 jungen Polen, die noch bis Samstag in Haus Schlesien zu Gast sind, sind nicht nur zu ihrem Vergnügen dort. Der Besuch ist Teil ihres Studiums an der Breslauer Universität. Und da es die 150. Studentengruppe ist, die das Haus besucht, und weil gleichzeitig darunter der 5000. Student ist, wurde der Austausch am Mittwoch mit einem „Dies silesiae“ begangen.

Vor 20 Jahren begann die Kontaktaufnahme zu verschiedenen Hochschulen in Nieder- und Oberschlesien und im Teschener Land. Dank der kontinuierlichen Finanzierung durch das Bundesministerium des Innern im Rahmen seiner „Verständigungspolitischen Maßnahmen“ und durch die stetig ausgeweitete Kontaktpflege seitens Haus Schlesien zu Hochschulen im gesamten schlesischen Raum nahmen nach wenigen Jahren acht bis zehn feste Partnerinstitutionen aus Polen und Tschechien an dem Programm der „Schlesischen Begegnungen“ teil.

Die Idee hinter dem Programm: Jungen Multiplikatoren, die nach ihrem Studium insbesondere in Lehrberufen tätig sind, ein positives Bild ihres Nachbarlandes Deutschland zu vermitteln, Stereotype aufzubrechen und Vorurteile abzubauen. Die Menschen, die heute in Schlesien leben, sollen mit jenen zusammenkommen, die von dort vertrieben wurden. Und nicht nur Studenten, auch Historiker und Soziologen, Lehrer und Kommunalpolitiker aus Polen und Tschechien nutzen das Angebot des Hauses.

Dialog heute für wichtiger denn je

Selbstverständlich, räumt Nicola Remig, Leiterin des Dokumentations- und Informationszentrums im Haus Schlesien ein, habe es gerade zu Beginn des Projekts in den 1990er Jahren eine gewisse Skepsis auf polnischer Seite gegeben. Und während diese inzwischen gewichen ist, hält Remig den Dialog heute für wichtiger denn je. „Wir müssen dafür sorgen, dass Europa nicht auseinanderdriftet.“ Das sieht auch Professor Marek Halub, stellvertretender Direktor des Germanistischen Instituts der Universität Breslau – der weltweit größten Auslandsgermanistik außerhalb des deutschsprachigen Raums – so. Bei seinen Studenten besteht ein großes Interesse an der Teilnahme der Seminare in Königswinter.

Nicht zuletzt deshalb, weil sie für ihre Präsentationen die für das Bachelor-Studium relevanten ECTS-Punkte erhalten. Neben der Auseinandersetzung mit dem deutsch-polnischen Nachbarschaftsverhältnis seien es aber auch die landeskundlichen Aspekte der Reise, die seine Studenten reize. So gehören etwa Besuche im Haus der Geschichte und in der Deutschen Welle, aber auch in Köln oder Aachen zum Programm. Und natürlich der Austausch mit ihren deutschen Kommilitonen.

Umso bedauerlicher findet es Christoph Studt vom Institut für Geschichtswissenschaften an der Uni Bonn, dass er seine Studenten meist erst „überreden“ muss, an den Begegnungen teilzunehmen. „Das wird durchaus von der polnischen Seite übelgenommen. Wir hören die Frage: Warum seid ihr so westlich orientiert?“ Auch das kann der persönliche Kontakt schnell ändern.