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Fußverkehrs-Check: Für Fußgänger ist Oberpleis kein gutes Pflaster

Fußverkehrs-Check : Für Fußgänger ist Oberpleis kein gutes Pflaster

Die Gehwege zu schmal, Stolperkanten und schlechte Markierungen: Für Menschen, die zu Fuß unterwegs sind, ist Oberpleis kein gutes Pflaster. Das ergab die Auswertung mehrerer Workshops beim „Fußverkehrs-Check“.

Es sollte ein allererster Auftakt sein, um die Situation von Fußgängern zu verbessern: Im Rahmen des „Fußverkehrs-Checks“ wird seit Anfang September in Oberpleis der Ist-Zustand in Sachen Fußgängerverkehr aus verschiedenen Blickwinkeln näher beleuchtet. Nach einem Auftaktworkshop und zwei Begehungen im September, bei denen sowohl Schüler als auch Senioren die Gelegenheit hatten, auf Problemstellen aufmerksam zu machen, wurden nun die Ergebnisse und erste Lösungsvorschläge vorgestellt.

Der rege Austausch, den sich die Veranstalter von Stadt und Zukunftsnetz Mobilität NRW an diesem Abend sicherlich gewünscht hätten, fand allerdings nicht statt: lediglich eine Handvoll Interessierte hatte den Weg in die Aula des Schulzentrums Oberpleis gefunden.

Zukunftsnetz unterstützt zwölf Kommunen

„Es geht darum, die Kommunen dafür zu sensibilisieren, dass es Fußgänger überhaupt gibt, und nicht nur den Autoverkehr oder den ÖPNV“, wies Katja Naefe vom Zukunftsnetz noch einmal auf die Zielsetzung des Projekts hin. Königswinter ist eine von zwölf Mitgliedskommunen, die das Zukunftsnetz in diesem Jahr bei der Fußverkehrsförderung unterstützt. Fachlich zur Seite steht der Stadt das Fachbüro Planersocietät aus Dortmund, dessen Mitarbeiter Nils Becker nun auch die Ergebnisse der beiden Begehungen präsentierte.

Unter die Lupe genommen wurden bei den Vor-Ort-Terminen die Dollendorfer und Siegburger Straße, außerdem die Schulwege rund um das Schulzentrum, sprich die Theodor-Storm-Straße, die Straße Im Wiesengrund und der Weilerweg. Sowohl die Schüler als auch die Senioren konnten dabei etliche Stellen aufzeigen, wo es sich als Fußgänger ganz und gar nicht gut läuft.

Gehwege sind zu schmal

Beispiel Weilerweg und im Wiesengrund: Hier sind Gehwege, so sie denn überhaupt vorhanden sind, zu schmal. Auch vermissen die Kinder und Jugendlichen dringend eine Querungshilfe über die Dollendorfer Straße auf Höhe des Mathilden-Parks. Vielen älteren Mitbürgern macht indes nicht nur die Breite, sondern insbesondere auch die Beschaffenheit der Gehwege zu schaffen, die an vielen Stellen uneben sind oder zu viel Quergefälle aufweisen.

Hinzu kommen Stolperkanten, schlechte oder fehlende Markierungen und fehlende Sitzgelegenheiten. Groß ist bei vielen Senioren auch die Unsicherheit, wenn sie die Einfahrt vor dem Rewe-Parkplatz passieren müssen – auch wenn sie sich auf dem Fußgängerweg befinden. „Hier fühlen sich viele vom Verkehr gar nicht wahrgenommen“, so Becker.

Hinzu komme die hohe Einfahrgeschwindigkeit der abbiegenden Fahrzeuge. „Achtung Fußgänger-Piktogramme“, ein helleres Pflaster oder die Niveauanhebung des Gehwegs könnten ihr Abhilfe schaffen, so die Idee der Planer.

Querungshilfe vor dem Mathilden-Park

Viele Vorschläge gibt es auch für die anderen neuralgischen Punkte: Sie reichen von der Verbreiterung von Gehwegen über eine kontrastreichere, farbliche Gestaltung und Piktogrammen bis hin zur Installation sogenannter Gehwegnasen. Derartige „Vorgezogene Seitenräume“ sollen dazu dienen, einen Gehweg dichter an die Fahrbahn heranzuführen und so einerseits zu verbreitern, andererseits die Querungsdistanz zu verringern.

Planer Becker brachte diese Option ausdrücklich auch im Zusammenhang mit der gewünschten Querungshilfe vor dem Mathilden-Park ins Spiel. Angesichts des hohen Bedarfs riet er auch dazu, die Einrichtung eines Zebrastreifens noch einmal zu prüfen.

Groß ist bei Jung und Alt auch der Wunsch nach einer Verbesserung der Aufenthaltsqualität im Park. Der Kiesweg ist zudem für Senioren mit Rollatoren schlecht befahrbar. Ein anderer Bodenbelag könnte hier Abhilfe schaffen, neue Sitzelemente und generationenübergreifende Trainingsgeräte für zusätzliche Attraktivität sorgen. „Es ist ein Park, der viel Potenzial hat“, so Becker.

Parkhaus als „Angstraum“

Handlungsbedarf sehen die Planer auch beim Parkhaus, das bei der Begehung von vielen als regelrechter „Angstraum“ empfunden wurde. Hier bedarf es unter anderem einer besseren Beleuchtung und Markierung von Wegen sowie Ein- und Ausgängen.

Für mehr Lebensqualität im öffentlichen Raum könnten künftig sogenannte möblierte Stadtterrassen dienen. Um dies einmal auszuprobieren, können sich Kommunen beim Zukunftsnetz entsprechende Sitzmöbel ausleihen. „So können Straßenräume auf einer Länge von 150 Metern probeweise neugestaltet werden“, so Naefe. Die Nachbarstadt Bad Honnef habe von dem Angebot bereits Gebrauch gemacht, „und wir haben von dort sehr positive Rückmeldungen erhalten“.

In Sachen Fußverkehrs-Check wird nur ein ausführlicher Abschlussbericht erstellt, der dann Anfang 2022 in den städtischen Ausschüssen vorgestellt werden soll.