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Teure Bauvorhaben: Hallenbad und Kita in Königswinter werden teurer

Teure Bauvorhaben : Hallenbad und Kita in Königswinter werden teurer

Schlechte Nachrichten hatte Projektsteuerer Matthias Ring bei einer Doppelsitzung von Ausschuss und Stadtrat zu verkünden: Nach dem Worst-Case-Szenario kosten das neue Bad knapp 11,4 Millionen Euro und die Kita knapp 3,5 Millionen Euro. Mit ein Grund: die Marktlage auf dem Bau.

Das neue Hallenbad in Königswinter und die benachbarte Kita werden erneut teurer. Der Projektsteuerer rechnet damit, dass der Preis für das Bad gegenüber der letzten Kostensteigerung im Herbst 2019 voraussichtlich um weitere knapp 450 000 Euro auf 11,4 Millionen Euro steigen wird. Bei der Kita erwartet er einen Anstieg um 360 000 Euro auf 3,46 Millionen Euro.

Diese schlechte Nachricht teilte Projektsteuerer Matthias Ring (Berlin) bei der Doppelsitzung von Haupt-, Personal- und Finanzausschuss und Stadtrat am Montagabend in Oberpleis mit. Im September 2019 hatte die Politik schon einmal einer Budgeterhöhung für das Bad um 1,3 Millionen Euro von den ursprünglich kalkulierten 9,6 auf 10,9 Millionen Euro zustimmen müssen.

Innenausbau startet im Januar

Inzwischen steht der Rohbau bis auf Restarbeiten. Im Januar beginnen die Trapezblech- und Stahlbauarbeiten. Dann werden auch die Alu-Glas-Fassade und die Fenster montiert sowie das Dach gedeckt. Der Innenausbau startet Ende Januar. „Wir sind guter Dinge, dass die Inbetriebnahme im August 2021 erfolgen kann“, berichtete Ring.

Weniger erfreulich ist die Kostensteigerung. Im Herbst 2019 führte das Vorliegen von 85 Prozent aller Submissionsergebnisse zur ersten Budgeterhöhung. In diesem Betrag war bereits ein Sicherheitspuffer für Unvorhergesehenes in Höhe von 452 000 Euro enthalten. Zurzeit liegt man noch rund drei Prozent unter Budget. Allerdings sind Leistungen zum Teil noch nicht ausgeschrieben. Bei anderen werden Nachträge erwartet.

Gewerke oft schwer zu bekommen

„Als Projektsteuerer sind wir gehalten, über Risiken zu informieren. Ein mögliches Risiko ist, dass es diverse Nachträge gibt“, sagte Ring. Das sei bei den bisherigen Gewerken bereits sichtbar geworden. Wenn die Nachträge bei den bereits abgeschlossenen Bauleistungen auf die noch ausstehenden übertragen würden, würde das Hallenbad fast 11,4 Millionen Euro kosten. Eine erneute Budgeterhöhung durch den Ausschuss sei unerlässlich, weil jeder Tag, an dem eine fehlende Budgetfreigabe zu Bauverzögerungen führe, weitere Forderungen der Firmen nach sich ziehen würde.

Als wesentliche Gründe nannte Ring die Überschreitung der vorher angenommenen Preise aufgrund der Marktlage. „Bei einigen Gewerken haben wir kein zweites Angebot bekommen“, so der Projektsteuerer. Eine wichtige Rolle spielte auch der lange Einsatz des Kampfmittelräumdienstes, was dazu führte, dass der ursprüngliche Zeitplan nicht eingehalten werden konnte. „Wir hätten die Rohbauarbeiten gerne vor dem Winter abgeschlossen.“ Die klare Vorgabe, dass das Bad spätestens im Sommer 2021 fertiggestellt sein müsse, habe die Planung unter zusätzlichen Zeitdruck gesetzt.

Kita-Rohbau steht

Der Kita-Rohbau steht bereits seit Ende November. Bis zum Jahresende sollen die Alu-Glas-Fassade und die Fenster montiert werden. „Wir gehen davon aus, dass die Kita einen Monat vor dem Bad fertiggestellt ist und in Betrieb gehen kann“, so Ring. Hier habe es im Gegensatz zum Hallenbad bisher noch keine Budgetanpassung gegeben, obwohl die gleichen Gründe zur Verteuerung führen würden.

Das Worst-Case-Szenario geht von einer Kostensteigerung gegenüber der Machbarkeitsstudie um 11,6 Prozent auf 3,46 Millionen Euro aus.

„Wir stellen fest, dass unsere schlimmsten Befürchtungen langsam, aber sicher eintreten“, sagte Stephan Bergmann, Fraktionschef der Königswinterer Wählerinitiative, die sich wie die SPD und die Linke stets für eine Sanierung des alten Hallenbades eingesetzt hatte.

„Eine Verteuerung um 18 Prozent gegenüber den 9,6 Millionen als Basis, auf der die damalige Koalition ihre Entscheidung für den Neubau getroffen hat, ist schon eine Hausnummer“, meinte auch Andreas Danne (Linke).

Budgeterhöhung zugestimmt

Ob man in Prozenten ausdrücken könne, wie viel die einzelnen Gründe zur Verteuerung beigetragen hätten, wollte Frank Klein (CDU) wissen. Allein die Zeitverzögerung durch den Kampfmittelräumdienst habe zu Mehrkosten von 143 000 Euro geführt. Der hätte bei einer Sanierung nicht eingesetzt werden müssen.

Aus Sicht von CDU-Fraktionschef Stephan Unkelbach „hinkt dieser Vergleich“. Man könne die Kosten einer Sanierung nicht auf der Schätzung der Machbarkeitsstudie einfrieren. „Können Sie ausschließen, dass eine Sanierung nicht mehr gekostet hätte?“, fragte er den Projektsteuerer. Dies konnte Ring nicht.

Die Politik stimmte schließlich der Budgeterhöhung zu. Den Haushalt 2020 belastet sie nicht, weil andere Großprojekte in diesem Jahr nicht umgesetzt werden können und dadurch Geld frei wird.