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Kloster Heisterbach: Heiliges Abendmahl an der Chorruine

Kloster Heisterbach : Heiliges Abendmahl an der Chorruine

Beim Stationengottesdienst für Familien am Kloster Heisterbach wird das Geschehen von Palmsonntag bis Ostern lebendig

Der hölzerne Esel mit der gebastelten Jesusfigur auf dem Rücken stand gleich hinter dem barocken Torhaus der Abtei Heisterbach. „Mit Esel, Palm und Kreuz“: So lautete das Motto des Stationengottesdienstes für Familien des katholischen Sendungsbereichs Königswinter. Jeweils vier Familien machten sich am Sonntagnachmittag auf den Weg, um das Geschehen von Palmsonntag bis Ostern nachzuvollziehen.

Ausgerüstet wurden sie am Start mit einer Karte, auf der die zehn Stationen und die Laufrichtung eingezeichnet waren. In einem großen Korb lagen Buchsbaumzweige zum Mitnehmen. Einige Kinder hatten bereits dicke Palmbuschen mitgebracht. Genau richtig, um damit Jesus beim Einzug nach Jerusalem auf einem Esel zuzujubeln.

Biblische Geschichte lebendig erzählt

Gemeindereferentin Judith Effing, zuständig für das Familienpastoral, hatte nicht nur für Musik und Lieder aus der Konserve gesorgt, sondern animierte die Kinder auch, bunte Tücher auf den Weg zu werfen, sinnbildlich für die biblischen Palmzweige. „Hosanna“ huldigten sie dem Friedenskönig. „Willkommen Jesus in Jerusalem!“ Effing wünschte jeder Pilgerschar einen spannenden Gang durch das Klostergelände, wo an den Stationen etliche Gläubige, etwa Katecheten aus dem Kinderliturgiekreis, mitwirkten, um inmitten von Bühnenbildern die Geschichte zu erzählen.

Nicole Heinz hatte den Abendmahlstisch hinter der Zehntscheune hübsch gedeckt. Die von ihr betreuten Kommunionkinder hatten dazu bunte Teller gebastelt – Sophia zeigte stolz auf ihr Exemplar, als sie nun mit ihrer Familie am Stationengottesdienst teilnahm. Jesus habe sich mit seinen Jüngern hier getroffen, weil sie etwas zu feiern hatten, das Paschafest. Nicole Heinz erklärte: „Aber sie waren an dem Abend nicht so fröhlich.“ Jesus habe ihnen zugerufen, sie mögen künftig an ihn denken, wenn sie Brot und Wein teilen. Und: Nicole Heinz gab den Familien einen Laib Brot mit, gebacken von der Brotzeitinitiative aus Oberpleis.

Weitere Szenen, verteilt auf dem Klostergelände mit dem Kreuzweg, standen an, wo Dorothee Steinmann, zuständig für das Pastoral Kindergarten, und Gemeindereferentin Jutta Barthold mitwirkten. Auf der Wiese vor der Chorruine hockten Jugendliche als Jesu und seine Jünger. Hier hörten die Besucher die Zwiesprache zwischen Jesus und Gott, während die Jünger schliefen. „Vater, ich habe Angst … mir ist so elend, sie werden mich schlagen, das weiß ich genau …“ Und: „Vater, ich will, ich werde tun, was du sagst!“

Am Hochkreuz eröffnete sich der Ausblick auf die Kreuzigung; hier bastelten die Eltern mit ihren Kindern kleine Kreuze, ehe sie den Weg fortsetzten. Jutta Barthold erzählte auf einer Bank hinter der Chorruine die Geschichte von Josef von Arimathäa, den Pontius Pilatus ungläubig fragte, ob Jesus schon tot sei, als dieser heimliche Jünger ihn bat, den Leichnam vom Kreuz nehmen zu dürfen, um ihn zu begraben. Jede Familie erhielt eine Kerze, um sie in der Chorruine anzuzünden. Dort hatte Jutta Barthold eine Figur in weißes Leinen eingehüllt und aufgebahrt. „Das ist aber keine echte Leiche. Denkt vielleicht an einen Verstorbenen aus eurer eigenen Familie“, sagte die Gemeindereferentin. Vor der Chorruine wurden die Pilger von Priester Udo Casel in Empfang genommen. Und er erinnerte daran, dass jene, die Jesus mit Hosanna empfangen hatten, auch jene waren, die später riefen: „Du sollst ans Kreuz!“ Merke: Nicht das Fähnchen in den Wind hängen! Udo Casel: „Jesus bleibt der König, er ist der König, er ist lebendig.“ Udo Casel segnete die Palmzweige und sagte den Familien: „Ich will euch allen den Segen geben.“

Familie Schulte mit den Kindern Franzi und Karo aus Oberdollendorf bedauerte zwar, dass wegen Corona nicht der normale Palmsonntag in der Kirche möglich ist. „Aber diese Form ist sehr schön.“ Auch Marta Kotte aus Niederdollendorf war mit ihrer Familie gekommen. „Uns gefällt das sehr gut, die Stationen sind liebevoll gestaltet.“