1. Region
  2. Siebengebirge
  3. Königswinter

Geschichte des Oberhaus: Heimatforscher erinnert an das kleine Dorf Komp

Geschichte des Oberhaus : Heimatforscher erinnert an das kleine Dorf Komp

Außerhalb des Oberhaus in Königswinter dürfte das Örtchen Komp kaum bekannt sein. Dass es auch dort historisch viel zu entdecken gibt, belegen Recherchen von Heimathistoriker Wilbert Fuhr.

Wilbert Fuhr – er ist der „Mister Oberhau“. In seinem Büro stapeln sich Bücher und Aktenordner. Dem Ritter vom Siebengebirge ist es zu einem großen Teil zu verdanken, dass die Geschichte von Eudenbach und Umgebung kein Buch mit sieben Siegeln ist. Zu vielen Themen – vom Flughafen Eudenbach über die Kriegszeit im Oberhau und die Chroniken von Vereinen bis hin zur Geschichte der Kirche in Eudenbach – verfasste der „Archivar vom Oberhau“ bereits Bücher. Und Fuhr, der Ende 2021 sein 77. Lebensjahr vollendet, hat noch eine Menge im Köcher.

Bereits vor einem Jahr schloss er die Dokumentation über die Historie der ehemaligen Gaststätte „Zur Post“ ab. Wilbert Fuhr sitzt längst an seiner neuen Story. Künstlerin Annelore Broscheid aus Komp, auch aus dem Orden der Ritter des Siebengebirges, hatte ihm irgendwann gesagt, sie vermisse etwas über die Historie ihres Heimatortes. „Komp ist 1,2 Kilometer lang, hat 17 Häuser und 52 Einwohner, das Dorf hat keine Schule, keine Kapelle und schon gar keine Kirche“, sagt Fuhr. Und trotzdem fand er noch eine Menge heraus. Von Haus zu Haus ging der Autor, befragte die Bewohner und animierte sie, auf den Dachböden nachzusehen, ob noch Material zu finden ist. In Archiven stöberte Fuhr, dessen Großvater Josef Fuhr ebenfalls aus Komp stammte.

Früher hieß der Ort Kump[

„Zwischen 1803 und 1820 hieß der Ort noch Kump“, berichtet Fuhr. Er bildet die östliche Grenze von Nordrhein-Westfalen. „Erstmals wird im Jahre 1678 etwas über Grund und Boden oder ,Büsche‘ im Bereich des heutigen Ortes Komp erwähnt. Man spricht über das Kirchspiel ,Oberpleiß‘ im Cölnischen Land und Besitzungen von Personen aus der ,Oberhawer Honschaft‘ wie Adolf aufm Komp oder Hermann aufm Komp.“ Drei Ordner Schule hat er insgesamt. Im Stammbuch der Schule Quirrenbach fand Fuhr für die Zeit zwischen 1849 und 1880 die Namen der Schüler aus Komp. Und er ging dem Schicksal der Familien nach.

Mehr als 20 Seiten trug Fuhr allein an Erinnerungen von Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs zusammen. So quartierte sich eine Panzerbrigade am 17. März 1945 im Haus Otto in Komp ein, das Haus Strößer wurde Verbandsplatz und mit einer Rot-Kreuz-Fahne gekennzeichnet. Sibilla Kluth, die dem Sanitäter half, erinnert sich an den Anblick: „Nie werde ich den Anblick der Schwerverletzten vergessen.“ Am 21. März wurde Komp von den US-Soldaten eingenommen.

Leichenzug in Eudenbach

Von Annelore Broscheid stammt die anrührende Geschichte aus dem Ersten Weltkrieg, als ihr Großvater Heinrich Strößer auf Heimaturlaub kam und einem Leichenzug zum Friedhof Eudenbach begegnete – der Schmerz war groß, als er erfuhr, dass seine Frau zu Grabe getragen wurde. Um die Söhne kümmerte sich seine Schwägerin Anna, die er später heiratete und mit ihr eine Tochter bekam, Broscheids Mutter. Die Wirtschaft in Komp, das Naturschutzgebiet Komper Heide – Fuhr hat mit Akribie eine Menge ausgegraben über das kleine Dorf.

Parallel erkundet das frühere Königswinterer Ratsmitglied alles über den Schwengert, eine Wannenbezeichnung in Eudenbach, wo auch seine eigene Familie Spuren hinterließ und arbeitet an einer Geschichtstafel über Schwirzpohl. Ein weiteres Thema sind die Maifeste und Maibräuche im Oberhau von 1950 bis 1985. Der Anstoß kam von „Oberhau aktuell“-Vorsitzenden Ingo Alda. Fuhrs Sohn Michael, auch viele Jahre bei „Oberhau aktuell“ aktiv, besaß eine Mappe von Mailehenversteigerungen. 100 Fotos kamen zusammen. „Meine Schwägerin Gertrud Weber war 1950 die erste Maikönigin“, so Fuhr, dessen Frau Annelore viel Verständnis hat für das Hobby ihres Mannes. Und: Für interessante Papiere hat das „wandelnde Lexikon vom Oberhau“ immer noch Platz im Arbeitszimmer.