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„Heisterbach – die Zisterzienserabtei im Siebengebirge“ ist spannend wie ein Krimi

Spannend wie ein Krimi : Publikation beleuchtet Abtei Heisterbach in allen Facetten

Die Klosterruine Heisterbach gehört zu den herausragenden Denkmälern mittelalterlicher Baukunst im Rheinland. Ein neues Buch über die ehemalige Zisterzienserabtei beleuchtet sämtliche Facetten des kulturellen Kleinods: spannend geschrieben und wunderbar bebildert.

Die ehemalige Zisterzienserabtei Heisterbach prägt mit ihrer 600-jährigen Klostergeschichte die Landschaft des Siebengebirges und gehört zu den herausragenden Denkmälern mittelalterlicher Baukunst im Rheinland. Nun haben ausgewiesene Kenner sämtliche Facetten der historischen und gegenwärtigen Bedeutung dieses kulturellen und landschaftlichen Kleinods zusammengetragen und in einem reich bebilderten Band zusammengetragen. „Heisterbach – die Zisterzienserabtei im Siebengebirge“ ist wissenschaftlich fundiert, aber so elegant und anschaulich formuliert, dass man beim Lesen alles um sich herum vergessen kann. Sogar ein „Krimi“ von Pfarrer Markus Hoitz ist Bestandteil des Buches.

„Es ist ein außergewöhnliches Buch“, meinte daher auch Bürgermeister Peter Wirtz bei der Präsentation des Bandes vor der Chorruine. Sigrid Lange, Leiterin des Siebengebirgsmuseums, dankte für die Unterstützung des Projektes, mit dem sie gleich nach ihrem Amtsantritt konfrontiert worden sei und an dem sie mit einem Redaktionsteam arbeitete, das von ihrem Vorgänger Elmar Scheuren und Katrin Heitmann gelenkt wurde.

Pfarrer Hoitz, Geschäftsführer der Stiftung Abtei Heisterbach, dankte den Autoren vor den anwesenden Gästen. Gekommen waren Vertreter des Landschaftsverbands Rheinland (LVR), des Rhein-Sieg-Kreises und der Stiftung der Familie Lemmerz, die das Projekt des Siebengebirgsmuseums und der Stiftung Abtei Heisterbach gefördert und unterstützt hatten. Hoitz: „Zusammen mit der Stadt Königswinter haben wir das Buch herausgegeben, es hat eine Geschichte.“ Impulse hierfür kamen von der Stiftung und aus einem von ihr vor Jahren initiierten interdisziplinären Arbeitskreis.

Und die Ausstellung „Zisterzienser in Heisterbach“ im Jahr 2017, erläuterte Elmar Scheuren, sei nach der Regionale 2010 der entscheidende Punkt gewesen, „dass wir das Thema mit einer Publikation rund machen“. Der Landschaftsverband förderte finanziell und ideell die Entstehung des Buches. Besonders begrüßt wurde Norbert Kühn, der über Jahrzehnte in verschiedenen Funktionen beim LVR und beim Rheinischen Verein für Denkmalpflege die Weichen für Aktivitäten rund um Kloster Heisterbach gestellt habe. Beifall gab es, als Scheuren betonte: „Georg Kalckert hat vieles angeschoben. Ohne seine Energie, ohne seine Arbeit wären wir heute nicht hier.“ Das neu erwachte Interesse an der Abtei gehe auf die 1984 von Kalckert initiierte Gründung der Stiftung Abtei Heisterbach zurück. Der frühere Pfarrer von Königswinter-Tal gehört auch zu den Autoren des Gemeinschaftswerks und beschließt es mit seinem Text „Die Idee vom Ganzen – Leben und Wirken der Zisterzienser“.

Die Beiträge umfassen ein breites Spektrum an Themen und neuen Erkenntnissen. Sie reichen von den spirituellen Wurzeln der Zisterzienser über die Geschichte der Abtei und ihrer wirtschaftlichen Strukturen bis in die Zeit nach der Auflösung 1803. Andere Kapitel dokumentieren Ergebnisse aktueller Ausgrabungen. Rekonstruiert wird auch der Wandel der Kulturlandschaft durch die Jahrhunderte.

Eine besonders schöne Idee: Zwischen den Kapiteln gibt es auf farblich abgesetzten Seiten sogenannte „Leseproben“ von Zeitzeugen: Da berichtet etwa Caesarius von Heisterbach über den Steinbruch am Stenzelberg oder über die karge Klosterkost. Auch die Verkaufsanzeige des Klosterinventars ist zu finden oder die Gedanken des berühmten Gartenkünstlers Weyhe zur Planung der Parkanlage 1828.

Garniert ist der interessante Lesestoff mit phantastischen Farbbildern von Fotograf Axel Thünker. „Das ist schon ein echtes Pfund“, so Scheuren. Er machte zudem auf den „Krimi“ von Hoitz mit dem Titel „Im Streit um die richtige Observanz“ aufmerksam. Die erst jüngst freigegebenen historischen Archivalien des Erzbistums Köln über den Versuch einer Klosterreform in Heisterbach im 18. Jahrhundert boten Hoitz „Stoff wie für einen Kriminalfall“, denn es gab damals eine Menge Streit über die Auslegung der Regeln Benedikts.