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„From Jazz with Love“: Heisterbacher Festival mit Benefiz-Charakter

„From Jazz with Love“ : Heisterbacher Festival mit Benefiz-Charakter

Der gegründete Verein „From Jazz with Love“ will mit einem hochkarätigen Programm zum Kloster Heisterbach locken. Das Festival wurde auf kommendes Jahr verschoben, aber die Planungen laufen weiter.

Die Planungen waren bereits weit fortgeschritten: An einem Wochenende im Juli, so die Idee von Dieter Streve-Mülhens, sollte es die zweite Auflage eines Jazzfestivals vor der historischen Kulisse von Kloster Heisterbach geben.

Anfang März gründete der 76-Jährige gemeinsam mit Carola und Hans-Bernd Kittlaus aus Rheinbreitbach und rund einem Dutzend weiteren Jazz-Liebhabern den Verein „From Jazz with Love“. Unter eben diesem Motto hatte auch die Konzertpremiere im Juli 2018 gestanden. „So eine Veranstaltung braucht schließlich einen Namen“, findet Streve-Mülhens. „Einen Namen mit Persönlichkeit.“ Das Logo war entwickelt, Genehmigungen eingeholt, erste Musiker engagiert – doch dann kamen Corona und der Lockdown.

Jazz vor mystischer Kulisse

an einem lauen Sommerabend

„Wir waren uns schnell einig, dass wir eine klare Linie fahren wollen und haben das Festival auf August 2021 verschoben“, erinnert sich Carola Kittlaus. Doch im Hintergrund laufen die Planungen für die Veranstaltung weiter. „Bei der Premiere 2018 habe ich mich von der Verkehrsregelung über das Catering bis hin zur Verpflichtung der Musiker quasi um alles gekümmert“, sagt Streve-Mülhens.

Mit Karolina Strassmayer und dem Barbara Dennerlein Trio hatte das Oberhaupt der traditionsreichen Königswinterer Familie Streve-Mülhens, die einst die Marke 4711 weltweit bekannt machte, zwei internationale Stars der Jazzmusik nach Königswinter geholt. „Wir hatten großes Glück mit dem Wetter“, erinnert er sich. „Es war ein lauer Sommerabend, dazu die Musik vor der mystischen Kulisse von Kloster Heisterbach, manche der rund 400 Besucher sind sogar aufgestanden und haben getanzt“, sagt er. „Das hatte schon etwas Magisches.“

Dennoch sei er bei der Organisation auch an seine Grenzen gestoßen, sodass bei der Neuauflage die Vorbereitungen auf mehrere Schultern verteilt werden. Etwa auf die von Jens Bosch, eines Eventmanagers und Jazzspezialisten. Ziel sei es, mit dem Open-Air-Festival am Kloster Heisterbach ein feststehendes Event mit Strahlkraft über die Region hinaus zu etablieren, sagt Hans-Bernd Kittlaus. Der Jazzliebhaber und Musikjournalist aus Rheinbreitbach hat mit seiner Frau bereits zahlreiche Festivals unter freiem Himmel in Europa und den USA besucht, doch er ist überzeugt: „Eine solche Kulisse wie Kloster Heisterbach ist einmalig. Hier ein Festival für zeitgenössischen Jazz mit Top-Qualität zu etablieren, wäre ein Alleinstellungsmerkmal für die Region.“

Einnahmen werden gespendet

Anders als bei der Premiere soll das Festival 2021 über zwei Tage gehen: Neben dem Konzert am Samstagabend – beginnend zur „blauen Stunde“, wie Streve-Mülhens sagt – gibt es auch am Sonntag Programm: In Planung sind eine Gospelmesse zur Mittagszeit und weiteres Konzertprogramm im Anschluss. „Der Sonntag soll einen familiären, legeren Charakter haben“, sagt Carola Kittlaus. „Wer mag, bringt seine Picknickdecke mit, und die Kinder können herumlaufen.“ Denn Kindern, da ist sich das Trio einig, könne man den Jazz nicht früh genug beibringen.

Unverändert hingegen bleibt der Benefiz-Charakter des Festivals: Die Einnahmen sollen wie bereits bei der Premiere dem Bunten Kreis Rheinland zugutekommen, der Familien mit chronisch kranken, schwerst kranken oder frühgeborenen Kindern in ihrem Alltag unterstützt. Wichtig war ihnen auch, den Musikern angesichts der Folgen der Corona-Pandemie Planungssicherheit für 2021 zu geben. Mit dabei sind etwa die All Star Band des WDR Big Band Saxofonisten Paul Heller, die gemeinsam mit der niederländischen Jazz-Sängerin Fay Claassen auf der Bühne stehen wird, und mit Jerry Lu, geboren 1992, ein Pianist der ganz jungen Generation.

Gerade einmal 22 Jahre ist auch der Hammondorganist und Pianist Simon Oslender. Während diese Musiker in der Region verwurzelt sind, kommt mit Ack van Rooyen, Trompeter und Flügelhornist, eine Größe des europäischen Jazz nach Königswinter. „Er ist in diesem Jahr 90 geworden“, sagt Streve-Mülhens. „Und hat nichts von seiner Virtuosität verloren. Ihn an einem hoffentlich strahlenden Augusttag vor der Chorruine spielen zu hören, wäre ein ganz besonderes Ereignis.“