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Kleine Kamele: Im Siebengebirge gibt es immer mehr Alpakas

Kleine Kamele : Im Siebengebirge gibt es immer mehr Alpakas

Sie sind flauschig und süß - und sie wohnen in Königswinter. Einwohner aus dem Siebengebirge erzählen, wie es ist, Alpakas zu halten.

Früher kannte man sie nur aus Bilderbüchern mit exotischen Tieren. Doch seit einiger Zeit sind Alpakas auch an mehreren Stellen im Siebengebirge heimisch. Paco, Don und Sancho sind aus Stieldorferhohn ebenso wenig wegzudenken wie Lewis und Filou vom Bönnschenhof in Oberpleis-Wahlfeld oder Mary und Samantha aus Erpel, wo sie unterhalb des Stux leben.

Bei den Alpakas handelt es sich um eine aus den südamerikanischen Anden stammende, domestizierte Kamelform, die vorwiegend wegen ihrer Wolle gezüchtet wird. Der Bestand an Alpakas in Peru liegt bei etwa 3,5 Millionen Tieren, was rund 80 Prozent des weltweiten Bestandes ausmacht. In Deutschland holen die Tiere mächtig auf. Laut dem Deutschen Alpaka-Zuchtverband leben hierzulande inzwischen rund 20.000 Tiere, viermal so viele wie noch vor zehn Jahren. Pro Jahr kommen rund 5000 Artgenossen hinzu.

Ulrich Steilen aus Stieldorferhohn hatte sich vor einigen Jahren gefragt, was er mit der idyllisch gelegenen Streuobstwiese zwischen Stieldorferhohn und dem Lauterbachtal machen sollte, die seine Großeltern noch bewirtschaftet hatten. Erst standen dort Kühe, dann Pferde; mit Alpakas hatte er aber schon immer ein wenig geliebäugelt. „Ich finde die Tiere einfach schön und exotisch“, sagt der 46-Jährige.

Manchmal Wanderung durchs Lauterbachtal

Als ihm dann ein Arbeitskollege von einer Alpaka-Wanderung in der Eifel erzählte, setzte er seinen Wunsch in die Tat um und schaffte sich nach und nach die drei Alpakas an. Paco ist sechs, Don und Sancho sind drei Jahre alt. Manchmal macht Steilen mit den drei Tieren eine kleine Wanderung durchs Lauterbachtal oder über die Kasseler Heide. Dann führt er sie an der Leine wie einen Hund. Obwohl Alpakas von Kamelen abstammen, eignen sie sich nicht als Reittiere.

Manchmal würden sie auch ihre Mätzchen machen, sich wie ein Kamel hinlegen und nicht mehr von der Stelle rühren. „Das ist eine gute Übung in Geduld“, sagt Steilen. Ansonsten seien die Tiere aber völlig unproblematisch und sehr pflegeleicht – auch was Krankheiten angehe. Das Alpaka-Herrchen genießt es, wenn Spaziergänger, gerade Kinder, am Zaun stehen und die Tiere mit großen Augen anstaunen. „Das ist dann der Lohn für meine Arbeit“, sagt er. Die Wolle von der jährlichen Schur, rund vier bis sechs Kilo pro Tier, hat er eine Zeit lang gesammelt und einen Teil dann an eine Wollmühle geschickt. „Die sind aber so überlastet, dass ich das Garn bisher noch nicht zurückbekommen habe. Das ist eine echte Marktlücke“, berichtet er. Zurzeit suche er nur noch jemanden, der ihm von der kostbaren Wolle einen Pullover stricke.

Eine Decke aus Alpaka-Wolle

Ricarda Jankowski vom Bönnschenhof in Wahlfeld hat ihr Garn von der Wollmühle bereits zurück. Daraus sei schon der eine oder andere Pullover für ihre Familie oder Freunde entstanden. „Als nächstes wollen wir uns von der guten Wolle eine Bettdecke machen lassen“, sagt sie. Alpaka-Wolle soll im Winter schön wärmen und auch im Sommer angenehm sein.

Die Jankowskis, die auch Eigentümer des Tierfriedhofs sind, wollten nicht auf Tiere verzichten, nachdem sie früher auf einem Bauernhof gelebt hatten. Zuerst konnten auch sie sich nicht zwischen Schaf und Ziege entscheiden. Nach einem Fernsehbericht fiel die Wahl dann auf die Alpakas.

Bei einem großen Zuchtbetrieb in Nümbrecht wurden sie fündig. Nach einem Tagesseminar zur richtigen Pflege wurden sie stolze Besitzer der beiden Wallache Lewis und Filou. Im Sommer hilft als Gast manchmal Las Vegas noch mit, die Wiese kurz zu halten. „Das sind unsere vierbeinigen Rasenmäher“, sagt Jankowski. Anfangs seien sie auch noch mit ihnen spazieren gegangen, aber mit zwei Hunden sei das nicht immer so einfach zu handhaben gewesen. „Deshalb müssen wir ihnen nun regelmäßig die Klauen schneiden, weil sie die auf der Wiese natürlich nicht mehr ablaufen.“ Ansonsten sei die Pflege aber ein Kinderspiel. Bis auf ein bisschen frisches Heu und Wasser im Winter und Wasser im Sommer bräuchten die Tiere nichts.

Lernfähig und vertrauensvoll

Erst seit gut vier Wochen sind Marie Gutierrez und Gerald Höfe stolze Besitzer der Alpakas Mary und Samantha. Für die Peruanerin ist es ein „Stück Heimat“. Auch sie geht gerne mit den Tieren spazieren. Und nicht nur sie. „Als wir uns für die Alpakas interessiert haben, waren unsere Kinder total begeistert“, berichtet Gutierrez. Mary und Samantha hätten sich auch bereits an den kleinen Familienhund gewöhnt. „Sie sind sehr lernfähig und haben schon Vertrauen gefasst.“

Die Altenpflegerin denkt übrigens darüber nach, die Tiere auch den Menschen in ihrem Altenheim vorzustellen. Mit der Hoffnung auf eine therapeutische Wirkung auf die alten Menschen. Riesig ist die Vorfreude schon auf den Spätsommer. Dann bekommen Mary und Samantha, die beide trächtig sind, schließlich zwei süße kleine Baby-Alpakas.