Gelegenheit zum Gespräch Kirchengemeinde lädt Flüchtlinge zum Essen ein

NIEDERDOLLENDORF · Chekhmus hatte Salat auf seinem Teller und ein Brötchen. Ananas und eine süße Nachspeise ließ sich der Sechsjährige auch schmecken. Mit seinem Vater Jusef und seinem Bruder Chivan (4) besuchte er das Neujahrsessen im evangelischen Gemeindezentrum an der Friedenstraße.

 Ein umfangreiches Büfett hatten die Gemeindemitglieder für ihre Gäste im evangelischen Gemeindezentrum aufgebaut.

Ein umfangreiches Büfett hatten die Gemeindemitglieder für ihre Gäste im evangelischen Gemeindezentrum aufgebaut.

Foto: Frank Homann

"Es gefällt uns richtig gut hier. Vielen Dank für die Einladung", meinte der Vater, der mit seiner Familie seit vier Wochen im Haus Katharina lebt.

Jede Menge unterschiedliche Salate, Lammbraten, drei verschiedene Suppen, Nachtisch in großer Auswahl und viele Kuchen hatten Mitglieder der Evangelischen Kirchengemeinde Oberkassel-Dollendorf auf einem großen Büfett im Gemeindesaal aufgebaut. Einen Berg Brötchen spendierte die Oberkasseler Bäckerei Knipp. Eingeladen waren die Flüchtlinge aus der Nachbarschaft - aus dem Haus Katharina, aus dem Jugendhof Rheinland.

Und einige Familien, die in Oberkassel untergebracht sind, waren ebenfalls zum gemeinsamen Essen gekommen. Rund 80 Flüchtlinge nahmen an den hübsch gedeckten Tischen Platz. Weit mehr als die Hälfte von ihnen besuchte auch zuvor den Gottesdienst, der unter der Jahreslosung stand "Gott spricht, ich will euch trösten wie einen seine Mutter tröstet!" Die Idee zum Neujahrsessen hatte die "Flüchtlingshilfe Königswinter" kurzfristig an die Kirchengemeinde herangetragen.

"Wir haben uns gefragt, was die Flüchtlinge an solchen Tagen wie Weihnachten und Neujahr machen und haben die evangelische Kirchengemeinde ins Boot geholt", sagte Kirsten Stute. Pfarrerin Sophia Döllscher erklärte, dass ohnehin ein kürzlich gefasster Presbyteriumsbeschluss der Gemeinde Möglichkeiten der Flüchtlingshilfe eröffne und auch der mit der Kirchengemeinde eng verbundene Förderverein "Frieda Caron" sich stark engagiere.

Die Bereitschaft, zum Essen einen Beitrag zu leisten, war groß. Und die Frauen der Gemeinde überlegten, welche Speisen sich eignen. Presbyterin Elisabeth Konersmann etwa hatte einen Blätterteig mit Spinat und Fetakäse gefüllt. Aber den Flüchtlingen ging es auch um die Begegnung. "Ich möchte sprechen", sagte ein junger Mann auf Englisch zu Pfarrerin Döllscher. Um die Verständigung zu erleichtern, war Ihssan Cevik dabei. Die mit einem türkischen Mann verheiratete Marokkanerin, die seit Start der Notaufnahme in Königswinter täglich ehrenamtlich Übersetzungshilfe leistet und den Flüchtlingen in vielen Situationen beisteht, dolmetschte.

Jusef zeigte auf seinem Handy Fotos, die ihn bei der Arbeit zu Hause in Deir al-Zour im Osten Syriens zeigen - der 33-Jährige in einem von ihm mit Stoffen dekorierten Zimmer. Er war Schneider und Designer für Damen- und Herrenmode, aber auch Dekorateur und Polsterer. Er möchte einen Asylantrag stellen, Deutsch lernen, Kontakt zu Deutschen haben und hier arbeiten. "Für diese Abwechslung heute bin ich dankbar."

Suzanne (29) aus Damaskus war Buchhalterin in einem Krankenhaus und Kosmetikerin. "Ich bin allein hierhergekommen", berichtet sie. "Ich möchte einen Asylantrag stellen, Deutsch lernen, meine Ausbildung vervollständigen. Aber ich kann noch nichts tun. Das Warten deprimiert mich etwas. Ich bin nicht mehr im Krieg und habe ein Dach über dem Kopf. Dafür bin ich dankbar. Aber ich möchte arbeiten, integriert werden", erzählt die junge Frau, die seit Oktober in Königswinter lebt. Die Einladung der Kirchengemeinde war ihr sehr willkommen. "Es gefällt mir gut, ich kann reden. Und das Essen war auch gut, der Kuchen war sehr lecker." Am Schluss übersetzt Ihssan Cevik für die Pfarrerin ins Arabische: "Es ist noch viel Essen übrig, bitte nehmt es mit!"

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